Stadtkind Stuttgart Barfuß in den Club

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Manchmal muss man den Habitat verlassen, um dazuzulernen. Eine Geschichte über ein besonders exotisches Abenteuer, indem zehn Champagner-Flaschen in einer Baby-Badewanne eine Nebenrolle spielen.

Zu Ehren der ganz besonderen Gäste wurden im Cavos Servietten geworfen – zumindest haben wir das so interpretiert. Foto: Volkmann
Zu Ehren der ganz besonderen Gäste wurden im Cavos Servietten geworfen – zumindest haben wir das so interpretiert.Foto: Volkmann

Stuttgart - Stadtkinder sind Gewohnheitstiere. Sie verlassen ihren Habitat nur in Ausnahmesituationen. Die vertraute Umgebung des Fluxus’ oder des Marienplatzes bietet die nötige Sicherheit, um auf Stöckel- oder Turnschuh durch die Nacht zu stolzieren. Manchmal verlassen Stadtkinder ihren Lebensraum aber ganz bewusst, um sich Gefahren auszusetzen im hiesigen Großstadtdschungel.

Ein solch gefährlicher Ort hört in Stuttgart auf den Namen Cavos. An dessen Grenze kann es schon einmal vorkommen, dass man abgewiesen wird. Nicht so am vergangenen Samstag. Am Nebentisch saßen vier exquisite Ladys mit ausgezeichneten Manierchen. Einer Landessitte folgend offerierte eine der bezaubernden Damen den ersten Ouzo, noch bevor wir die Jacke ausgezogen hatten. Wir baten um sieben Minuten Eingewöhnungszeit vor dem ersten Schluck vom Trank der Götter. Im Internet verliebt sich alle elf Minuten ein Single über Parship, im Cavos trinken Singles alle sieben Minuten einen Ouzo. Verpartnerte Stadtkinder übrigens auch.

Dank der Tischnachbarinnen wird der Abend ein Erfolg

Der Ausflug ins exotische Reich mit Namen Cavos wurde dank der Tischnachbarinnen und der Ouzos ein voller Erfolg, uns zu Ehren tanzten die Einheimischen ab 23 Uhr auf den Tischen und schmissen vor Freude mit Servietten. Zumindest haben wir diesen Stammestanz als eine Art Huldigung von uns Fremdländern interpretiert.

In diesem Siegesrausch wagten wir uns noch einen Schritt weiter: Eine der Tischnachbarinnen gab sich als VIP-Betreuerin im Aer Club zu erkennen. Da das betreute Trinken zu unseren Spezialdisziplinen gehört, luden wir uns selbst in den Aer Club ein. Das freundliche Wesen sah über unser schäbiges Schuhwerk hinweg und ignorierte auch unser Angebot, notfalls barfuß in den Club zu kommen. Einmal im Innern dieses Etablissements angekommen, war das Fabelwesen eine tolle Gastgeberin. Leider hatten wir Angst vor vier gefährlich dreinblickenden Tischnachbarn, die aussahen wie mexikanische Gangster aus „Breaking Bad“. Außerdem waren sie mit zehn Champagnerflaschen in einer Babybadewanne bewaffnet. Daher traten wir den geordneten Rückzug an. Denn jedes Stadtkind weiß: Der Blick über den Tellerrand ist wichtig, der Rückzug ins gewohnte Habitat aber ist überlebenswichtig. Und so stießen wir im sicheren Fluxus-Hafen darauf an, dass wir auch dieses Abenteuer in ganzen Stücken überstanden hatten.