Stadtkind Stuttgart

Stadtkinder über ihre Stadt: Stoff Büttner "Stuttgart sollte einfach mal laufen lassen!"

Von Björn Springorum 

Stuttgart, für immer erste Liebe: In unserer neuen Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City so lieben - und was sie so richtig nervt. Den Anfang macht Stoff Büttner, Teilzeittrickbetrüger, Kiosko-Boss und nimmermüder Impressario.

Schnute ziehen kann er auch: Stoff Büttner vor seinem Kiosko im Westen. Foto: Björn Springorum
Schnute ziehen kann er auch: Stoff Büttner vor seinem Kiosko im Westen. Foto: Björn Springorum

Stuttgart – Stoff Büttner ist eine dieser Gestalten, die man im Jargon vergangener Tage gern als Macher bezeichnete. Typen also, die sich nicht damit zufriedengeben, in ihrer Stammkneipe zu hocken und darüber zu lamentieren, dass es in der Stadt zu viel X oder zu wenig Y gibt. Büttner erfreut einfach mit seinen tollkühnen Ideen und Visionen – unaufgeregt, unprätentiös und ganz und gar unbefangen.

Das hat der Stadt schon viel Gutes gebracht: Mit seiner Agentur Brightzeit bescherte er uns schon mal einen Pop-Up-Schnapsladen, an der Seite seiner Schwester Karin hat er mit I love Sushi den Frischfisch in Stuttgart revolutioniert, sein Applaus Gin kam vor dem ganz großen Hype, sein Stadtteilmagazin Streunen & Schlendern gibt es mittlerweile für West und Süd. Der neuste Streich ist das Kiosko, das er gemeinsam mit seiner Partnerin, der Grafikerin und Illustratorin Anna Ruza betreibt.

Als wir ihn für unsere neue Serie treffen, sitzen er und sein Grinsen vor seinem Kiosko in der Johannesstraße. Wenn man ihn fragt, wie sich ein Impressario wie er eigentlich selbst bezeichnet, lässt die Antwort nicht lang auf sich warten. „Trickbetrüger“, meint er wie aus der Pistole geschossen und lächelt schelmisch. Klar, von wegen, als wären das alles nur Illusionen. Nein, einer wie Stoff Büttner begreift die Stadt als Möglichkeit, hat auch ohne Enkeltrick noch viel mit ihr vor. Wir haben ihm deswegen mal auf den Zahn gefühlt, was für ihn eigentlich das Besondere an dieser Stadt ist.

Seit wann lebst du in Stuttgart? Seit 18 Jahren.

Wann und wo hast du dich in Stuttgart verliebt? Im Jahr 2000. Im Jugendhaus Mitte. Hier liefen so viele Fäden zusammen und wirklich jedes Ziel, das man musikalisch erreichen wollte, war greifbar.

Wo ist deine Hood? Im Westen: Schwabstraße/Ecke Rosenbergstraße.

Wo ist Stuttgart am schönsten? Da, wo man mit der Frau und den Freunden ein Bier trinken kann und einen ehrlichen Happen zu Essen bekommt.

Wo am hässlichsten? Um vier Uhr morgens auf der Polizeiwache.

Wenn Stuttgart ein Song wäre, welcher wäre er? Violent Femmes - "Blister in the Sun"

Dein Lieblingsort in der Stadt? Am Marienplatz in der Sonne, in Cannstatt auf der Kulturinsel oder ganz einfach bei uns vor dem Kiosko.

Ein Geheimtipp, den du ausnahmsweise mit uns teilst: Cevapcici essen bei Jakova Grill in Stuttgart-Ost.

Welchen romantischen Ort wählst du für ein erstes Date? Cevapcici essen bei Jakova Grill in Stuttgart-Ost! Na gut, wenn es das nicht sein soll: Ein nettes Fleckchen und eine Flasche Rotwein in Rosensteinpark.

Dein Lieblingsrestaurant? Zur Zeit das Girasole, ein super leckerer, authentischer Italiener mit Außenbestuhlung und, sofern man zur richtigen Zeit kommt, etwas Sonne. Vor vier Wochen war‘s aber noch das Hotzenplotz im Westen: Super Preis-/Leistungsverhältnis, Außenbestuhlung und zackiger Service. Außenbestuhlung ist wichtig!

Beste Kneipe? Das Augustin an der Schwabstraße. Ein ehrlicher und herzlicher Laden. Wenn man nur lang genug verweilt, ist einem die Liebe des Wirtes und ein Ouzo aufs Haus gewiss.

Wo bist du am häufigsten abgestürzt? Tatsächlich im Augustin.

Fieseste Kneipe? Das Rendezvous an der Hasenbergstraße. Ganz fieser Laden.

Wo kann man am besten shoppen? Im "Kauf dich glücklich" kaufe ich nahezu alle Shirts und im Carhartt Store alle meine Hosen.

Wie bist du in der Stadt unterwegs? Mit dem Auto zum Einkaufen, mit dem Rad zur Arbeit.

Wo verbringst du den Sommer am liebsten? Wieder vor der BrightZeit: Mit der Gang grillen, etwas Kühles genießen und neue Projekte aushecken.

Was fehlt dieser Stadt am meisten? Die Fähigkeit, einfach mal laufen zu lassen.

Was würdest du erlassen oder ändern, wenn du OB wärst? Ich würde die junge Kunst fördern, Parklets überall in der Stadt platzieren, die Sperrzeiten verkürzen und jungen Unternehmern den Start erleichtern.