Stadtrat bei Bahnhofsbesetzung
Scharfe Kritik an Rockenbauch
StZ,
28.07.2010 07:09 Uhr
Foto: StZ
""Da erwarte ich von einem Stadtrat, dass er die repräsentative Demokratie ernst nimmt und nicht gegen sie kämpft.""
Roswitha Blind (SPD)
Die Befürworter des Stuttgart-21-Projektes halten das Verhalten des SÖS-Stadtrats für indiskutabel. Fred-Jürgen Stradinger, der Fraktionschef der CDU-Gemeinderatsfraktion, findet es "unmöglich", dass sich ein Stadtrat an einer solchen Aktion beteiligt: "Ein Stadtrat hat eine Vorbildfunktion", sagt er. Es sei, so Stradinger, "weit gekommen, denn die gewaltbereite Gegnerschaft ist für den argumentativen Diskurs nicht zugänglich - es zählen nur noch die Parolen." Auch Roswitha Blind, die SPD-Fraktionschefin, sieht Rockenbauchs Rolle sehr kritisch.
Es gebe durchaus Situationen in der Geschichte, in der ziviler Ungehorsam akzeptabel oder gar notwendig sei - etwa in Terrorregimen oder beim Bau eines Atomendlagers. Der Bau eines neuen Bahnhofs besitze eine andere Qualität: "Da erwarte ich von einem Stadtrat, dass er die repräsentative Demokratie ernst nimmt und nicht gegen sie kämpft." Das aber versuche Rockenbauch: Er wolle in einem außerparlamentarischen Prozess demokratisch herbeigeführte Entscheidungen rückgängig machen.
Bezirksvorsteherin Mitte: "Besetzung war ein Übergriff"
Selbst die Projektgegner distanzieren sich von Hannes Rockenbauch. Über die Art des Widerstandes gibt es also mittlerweile unterschiedliche Ansichten innerhalb des Lagers der Gegner. Der Grünen-Fraktionschef Werner Wölfle ist am Montag selbst in strömendem Regen vor dem Nordflügel des Hauptbahnhofs gestanden. Er betont einerseits die Bedeutung der Montagsdemonstrationen: "Wer die Demo erlebt hat, konnte leicht erkennen, warum der Widerstand so breite Unterstützung in der Bevölkerung hat. Es wurde wie gewohnt fantasiereich, freundlich, aber energisch gegen das Projekt protestiert."
Andererseits erklärte Wölfle: Wer Gebäude besetze, müsse wissen, dass dies eine strafbare Handlung sei. Als Fraktionsvorsitzender unterstütze er "wie bisher jede Form des zivilen gewaltfreien Widerstandes". Er habe manchem Mitstreiter im Bündnis empfohlen, sich dieser Haltung anzuschließen. Wer sich "besonders hervortue", erleichtere den Befürwortern die Argumentation, die Gegner seien nicht gewaltfrei.
Ganz ähnlich sieht dies Veronika Kienzle, die grüne Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte. Sie habe die Besetzung miterlebt und sich Sorgen gemacht: "Denn ich habe die Besetzung als Übergriff empfunden." Dass daran ein Stadtrat mitgewirkt habe, hält sie für "äußerst problematisch". Sie hätte sich gewünscht, dass die Besetzer nach dem Eintreffen der Polizei freiwillig das Haus verlassen hätten. Dann hätte es womöglich keine strafrechtlichen Konsequenzen gehabt. So aber spitze sich die Situation zu: "Bisher wurde bei den Montagsdemonstrationen quer durch alle Altersschichten friedlich demonstriert - jetzt haben wir eine neue Stufe erreicht."
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Stuttgart 21
Wenn der Herr Rockenbauch vor 125 Jahren schon so ungepflegt und unrasiert aufgetreten wäre, gäbe es bis jetzt keine Eisenbahn in Deutschland. Er kommt mir so vor als hätte er sonst nichts zu sagen und deshalb hetzt er die Stuttgarter Bürger auf.
Kommunisten...
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Hannes
Respekt vor diesem Mitbürger, der sowohl in seinem Mandat im Rathaus als auch draussen im Freien Mut, Ehrlichkeit und Zivilcourage zeigt. Lächerlich: Entsetzte Gesichter bei Politikern, deren Horizont bei Wirtschaft, Wein und Fernseh-konsumieren aufhört. Hinter diesem Horizont befinden sich die Bürger Stuttgarts, ihr Protest, ihre klaren Ankündigungen weiterzumachen, befinden sich über 1500 Parkschuetzer der Stufe rot, die sich im Falle des Falles im Park auf vielfältige Weise den Arbeiten in den Weg stellen, setzen, legen werden. Ihr entsetzten: wie hoffnungslos naiv seid Ihr eigentlich?? Habt Ihr irgendeine Ahnung, was los ist in "Eurer" Stadt??