Stadtteilvernetzer in Stuttgart-Plieningen Wie aus Hilfsbedürftigen Helfer werden

Von Leonie Thum 

Die Stadtteilvernetzer in Plieningen haben sich bei ihrem jüngsten Treffen über Flüchtlinge im Ehrenamt ausgetauscht.

Im regen Austausch miteinander: Die Stadtteilvernetzer teilen ihre Erfahrungen miteinander. Foto: Leonie Thum
Im regen Austausch miteinander: Die Stadtteilvernetzer teilen ihre Erfahrungen miteinander. Foto: Leonie Thum

Plieningen - „Die Willkommenskultur war schön und gut, aber jetzt benötigen wir eine Integrationskultur“, sagte Stephanie Reinhold beim jüngsten Treffen der Stadtteilvernetzer. Thema des Zusammenkommens war „Freiwilliges Engagement von Flüchtlingen – eine Chance für’s Quartier“. Reinhold ist die stellvertretende Bezirksvorsteherin von Plieningen und Birkach. Sie hat das Projekt „We need you“ ins Leben gerufen, bei dem Flüchtlinge in Ehrenämter vermittelt werden. „Die Menschen werden in bestehende Strukturen einbezogen, machen etwas Sinnvolles und bringen ihr Können ein“, sagte sie.

Durch das Projekt unterstützen Flüchtlinge das Seniorenzentrum und haben einen Garten angelegt, arbeiten als Verkäufer im Weltladen oder leiten Fußball-AGs. „Das funktioniert unbürokratisch, ist aber trotzdem kein Selbstläufer“, sagte sie.

Akteure wissen zu wenig über Projekte in anderen Bezirken

Es entwickelte sich ein interessierter Austausch zum Projekt, denn jeder im Raum hat einen Bezug dazu und möchte von den Kenntnissen der anderen lernen. Auch zwei Flüchtlinge waren da, um von ihren Erlebnissen in den jeweiligen Projekten zu berichten. Dahinter steht das Konzept der sogenannten Stadtteilvernetzer. Sie sind eine freiwillige Initiative und treffen sich seit 2013 viermal jährlich in verschiedenen Stadtteilen, um ein Problem anzugehen: Häufig wissen die Akteure auf lokaler Ebene zu wenig über Vernetzungsprojekte in anderen Bezirken oder Fachbereichen. Die Stadtteilvernetzer wollen den Wissensfluss zwischen den Engagierten in Gang bringen.

Neben Reinhold war auch die Konzeptkünstlerin Martina Geiger-Gerlach anwesend. Durch ihre Initiative wurde eine leer stehende Wohnung gemeinschaftlich mit Flüchtlingen und Quartiersbewohnern renoviert und zu einem Rückzugs- und Kulturraum ausgebaut. „Wenn Wohnungen aus Mietrechtsüberlegungen leer stehen, können wir Künstler uns mit einem Konzept einbringen“, erklärte sie. Zusammen wurden die Räume bunt gestrichen und mit geschenkten Möbeln eingerichtet. Einmal im Monat findet eine Ausstellung statt. Während der restlichen Zeit können Flüchtlinge für ein bis maximal drei Wochen dort wohnen, um etwas zur Ruhe zu kommen. Das Projekt stieß auf positive Reaktionen, doch auch der Haken an der Sache war schnell ausfindig gemacht. „Das Projekt steht und fällt mit Frau Geiger-Gerlach“, stellte einer der Anwesenden fest. Ganz einfach übertragen lasse es sich dadurch nicht auf andere Stadtteile – trotzdem sei es eine sehr inspirierende Idee.

Ehrenamtlich und hauptamtlich fehlt es an Manpower

Ähnliche Probleme gibt es bei „We need you“: Auch in anderen Stadtteilen wäre es sinnvoll, Flüchtlinge in Ehrenämter zu übermitteln. Doch trotz vieler Helfer, ob ehrenamtlich oder hauptamtlich, fehle es an „Manpower“. Ein Gedanke fand bei allen Anklang: ein „Brückenbauer“, der zwischen den einzelnen Initiativen für Kommunikation sorgt. Denn davon gebe es insgesamt zu wenig. Vorgeschlagen wurde dafür auch gleich einer der anwesenden Flüchtlinge.

Rasoul Behtash aus dem Iran spricht nach neun Monaten schon beeindruckend gut Deutsch. Er arbeitet als Bundesfreiwilligendienstler beim Bhz Stuttgart mit behinderten Menschen. In seiner Heimat hatte er einen Master als Mediengestalter. Der junge Mann hat einen kritischen Blick auf die Lage und äußerte seine Sorgen zu den vielen Flüchtlingen, die Deutschland aufgenommen habe. Doch die vorgestellten Ideen lobte er sehr – und um sich selbst mache er sich keine Sorgen. „Wie heißt es auf Schwäbisch: Bei mir isch alles in Butter.“

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