Stadtverwaltung Hausmeister stiehlt 25 Tonnen Material

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Vom Klopapier, über Stifte bis zur Leiter hat ein Hausmeister bei der Stadtverwaltung Stuttgart so ziemlich alles gestohlen. Nun ist ihm die Polizei auf die Schliche gekommen.

Ein Polizeihauptmeister  zeigt das mutmaßliche Diebesgut des Hausmeisters. Foto: dapd 6 Bilder
Ein Polizeihauptmeister zeigt das mutmaßliche Diebesgut des Hausmeisters.Foto: dapd

Stuttgart - Die Stadt muss Inventur machen, und wahrscheinlich ihre Einkaufsliste für Büro-und Putzmaterial erheblich zusammenstreichen. Denn sie hat Unmengen von Klobürsten, Handtüchern, Reinigungsmitteln, Druckerpapier, aber auch Leitern, Besen, Aluboxen und Mülleimer zurückbekommen. Diese und anderer Gegenstände hatte ein ehemaliger Hausmeister der Stadtverwaltung während seiner Dienstzeit mitgehen lassen.

Hätte der Dieb alles verkauft, was er im Lauf der Zeit gestohlen hatte, er wäre wohlhabend geworden. Über 25 Jahre hinweg schleppte der städtische Mitarbeiter nahezu alles, was nicht niet- und nagelfest war, aus Lagern und Büros heraus. Der Wert der Beute sei schwer zu schätzen, sagt Markus Vogt, der Sprecher der Stadt. Die Polizei wagt eine Schätzung, es sei wohl ein sechsstelliger Betrag, bis zu 250 000 Euro könnten es sein. Eine Bestandsaufnahme dieser Tage werde es zeigen, so Vogt. Der tatsächliche Schaden der Stadt werde aber schon allein deswegen etwas geringer ausfallen, weil unter dem Diebesgut auch Putz­maschinen aus dem Besitz externer Firmen waren.

Das Material stellte die Polizei am Mittwoch vergangener Woche in der Wohnung des 69-Jährigen im Landkreis Ludwigsburg sicher. Der Mann hatte 25 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung bei der Stadt als Hausmeister gearbeitet. Die Ermittler waren einem anonymen Hinweis nachgegangen, der sie auf die Spur des Verdächtigen gebracht hatte. Die Beute war in der Wohnung, auf dem Dachboden, im Keller und in einer Gartenlaube gelagert.

"Wir haben keine Erklärung"

Der Hausmeister sei vor mehr als zehn Jahren bereits verdächtigt worden, als „mal ein Mülleimer, mal ein Locher“ gefehlt habe, berichtet der Sprecher der Stadt. Daraufhin sei ein Werkraum im Keller durchsucht worden. Da keine Anzeige und somit erst recht kein Durchsuchungsbefehl vorlag, wurde weder die Dienstwohnung des Hausmeisters in der Schmalen Straße noch seine Privatwohnung durchsucht.

„Wir haben keine Erklärung, wie das passieren konnte – und es darf auch nicht passieren“, sagt Markus Vogt. Wie der Verdächtige es geschafft hat, die Waren im Lauf der Jahre zu entwenden, zu deren Abtransport die Polizei drei Lastwagen benötigte, ist ein Rätsel. Man könne es sich nur so erklären, dass er „immer wieder kleine, unauffällige Mengen“ eingesteckt habe, so Vogt. Der Hausmeister habe die Diebstähle inzwischen eingeräumt, meldet die Polizei – aber kein Motiv genannt.

Für das Material sind nun zwei Kellerräume in der Stadtverwaltung freigeräumt worden. „Wir werden prüfen, was man noch brauchen kann“, sagt Markus Vogt. Auf seine Kollegen wartet dabei eine Menge Arbeit: Allein das Gewicht des Diebesguts beträgt 25 Tonnen.

 

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7 KommentareKommentar schreiben

25 Tonnen Material: Der Hausmeister hat doch nur ein Lager angelegt. Er wusste wahrscheinlich Bescheid, über den maroden Zustand der Stadtkasse. Horte in der Zeit, so hast du in der Not. Voraus planende Materialwirtschaft. Der Mann hat so manchem Politiker einiges voraus.

Wieviel sind 'immer wieder kleine, unauffällige Mengen'?: Bei 220 Arbeitstagen pro Jahr musste der emsige Hausmeister 25 Jahre lang TÄGLICH 4,54 kg Büromaterial (ca. 900 Bleistifte oder 2 Packungen Kopierpapier) mitgehen lassen. Alternativ konnten es natürlich auch WÖCHENTLICH 22,72 kg (ca. 4.500 Bleistifte oder 2 Kartons Kopierpapier) oder MONATLICH 83,33 kg (ca. 17.000 Bleistifte oder 7 Kartons Kopierpapier) oder JÄHRLICH 1 t (ca. 200.000 Bleistifte oder 2 Palette Kopierpapier) sein.

Lebenslang mir Krepp!: Zur Strafe sollte der Täter zur lebenslangen Benutzung des gestohlenen Toilettenpapiers verurteilt werden. In öffentlichen Gebäuden bevorzugt man Stardard-Krepp einlagig, 100 Prozent recycelt. Seine Benutzung ist auf Dauer eine hinreichende Strafe.

Das ist doch ein 'Volltreffer!': Solche Menschen sind mit Sicherheit krank. Messiverhalten, denn verkauft hatte er bis heute weder Besen noch Besen etc. Das ist ein Mitarbeiter, der aber wiederum unter den bösen Menschen unter uns gleich wieder auf alle andere Hausmeister linsen. Alle observieren und ganz schnell Maulkörbe her, die brauchen sofort die kurze Leine. Ich selbst finde das dieser Goldfund nun aber für die Stadt ein tolles Osterei ist! Das heißt Unmenge an Bestelllisten vernichten und die Kohle wieder für andere Dinge planen. Verhält sich wie der Opa von den Flotters, der in der alten Spieleisenbahn Geld gebunkert hatte, was per Zufall kurz nach seinem Ableben ans Tageslicht kam! Das dieser Hausmeister einfach nur krank ist, ist doch offensichtlich. Wenn das bei manchen Politikern, Bänkern und Firmenbosse auch so einfach wäre, an die gebunkerten und am Fiskus vorbeigeschleusten Schätze zu kommen, hätten wir alle weniger Not. Um den Hausmeister und die Erniedrigung tut es mir allerdings wahnsinnig leid. Hoffentlich haben die Mitmenschen Erbarmen. Er ist krank!

Psychische Störung: So etwas soll öfters vorkommen, als der gemeine Mensch denkt. Es war alles keine Bereicherungsabsicht, sondern er hatte vermutlich vor all die Dinge selbst zu benutzen. Das Hirn spielt einem manchmal schon übel mit. Ok, die Stadt hat ihre Sachen wieder, ob allerdings das graue Bio-Lopierpapier noch verwendungsfähig ist, muss sicherlich geprüft werden. Aber bitte, verurteilt den Mann zu einer Bewährungsstrafe und lasst ihn seinen Ruhestand friedlich erleben.

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