Stadtwerke
Probleme mit billigem Atomstrom
Eberhard Wein und Ralf Recklies,
10.09.2010 19:13 Uhr
So soll die Offshoreanlage in Bard einmal aussehen. Viele Stadtwerke sind daran beteiligt. Foto: dpa
Stuttgart - Manchmal hilft nur Galgenhumor. Angesichts des "Salto mortale" in der Atompolitik sei es ganz gut, "dass Genehmigungsverfahren in Deutschland so lange dauern", sagt der Geschäftsführer der Energieversorgung Filstal (EVF), Martin Bernhart. Sonst wäre das Kohlekraftwerk in Brunsbüttel wohl längst in Bau. Zwei Blöcke mit einer Leistung von jeweils 800 Megawatt sollen dort unweit des Atommeilers erstellt werden.
Der hätte eigentlich 2012 vom Netz gehen sollen und darf nun acht Jahre länger betrieben werden. Damit dürften sich die Wirtschaftsberechnungen für das geplante Kohlekraftwerk ganz anders darstellen. Einen der beiden Blöcke wollten 40 bis 50 kommunale Stromversorger gemeinsam finanzieren. Wie die Stadtwerke Tübingen und Bietigheim-Bissingen hatte sich auch die EVF eine "Kraftwerksscheibe" gesichert. Das Tochterunternehmen der Stadtwerke von Göppingen und Geislingen hat dafür 20 Millionen Euro bereitgestellt. "Aber wenn es sich nicht rechnet, wird es keinen Baubeschluss geben", sagt Bernhart.
Die Korrektur in der Atompolitik dürfte bei der Beurteilung dieser Frage eine wichtige Rolle spielen. "Als Wettbewerber haben wir ein Problem, wenn billiger Atomstrom die Netze verstopft. Als Stadtwerke müssen wir massiv gegen diese Entscheidung vorgehen." Selbst eine Klage sei denkbar. "Wir werden den entgangenen Gewinn beim Bund geltend machen." Auch auf die Diskussion über die Übernahme der Stromnetze könnte sich Merkels "Atomrevolution" auswirken. In Göppingen soll der Gemeinderat im Herbst entscheiden, ob die Konzession weiterhin dem Stromriesen EnBW überlassen wird oder ob die Stadt über die EVF selbst das Ruder in die Hand nimmt. Der EVF-Aufsichtsrat habe sich noch nicht positioniert, sagt Bernhart. "Aber ich gehe davon aus, dass eine Übernahme unattraktiver geworden ist." 7500 Kunden versorgt die EVF mit Strom. Bei einer Übernahme des Göppinger Netzes hätte das Unternehmen auf ein starkes Wachstum hoffen können. "Nach aller Erfahrung gehen 20 bis 30 Prozent der Kunden zum Netzbetreiber." Die Verlängerung der Laufzeiten versetze die EnBW nun in die Lage, mit Billigstrom dagegenzuhalten.
Rainer Kübler gibt sich zurückhaltender als sein Kollege von der EVF. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) ist von der Atomenergie-Entscheidung der Bundesregierung, "wenn man die jüngsten Diskussionen aufmerksam verfolgt hat", im Grundsatz wenig überrascht. "Das Einzige, was mich wirklich überrascht hat, ist, dass die Betreiber der Atomkraftwerke sehr glimpflich davongekommen sind", sagt er. Die Politik habe sich die längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke "recht billig abkaufen lassen".
Für die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (SWBB) selbst erwartet Rainer Kübler kurzfristig keine allzu großen Negativauswirkungen. An dem Bau einer zweiten Biogasanlage, die Mitte nächsten Jahres in Betrieb gehen soll, halten die Stadtwerke fest. Ebenso an ihren bestehenden oder geplanten Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung, "auch wenn wir hier wirtschaftlich wohl mit geringfügigen Verschlechterungen rechnen müssen", mutmaßt Kübler. Hier wirke sich der günstige Atomstrom möglicherweise zum Nachteil der SWBB aus. Rainer Kübler hofft, dass die politisch Verantwortlichen in den nächsten Jahren "nicht auch noch die Axt ans Erneuerbare-Energien-Gesetz anlegen", denn hier hätten die Stadtwerke bisher eine klare und gute Planungsgrundlage gehabt. Diese hatte auch dazu geführt, dass sich die Kommune an Metter und Enz – ebenso wie die Tübinger Stadtwerke – an dem Offshorewindpark Bard bei Borkum beteiligt haben.
Die Stadtwerke Luwigsburg-Kornwestheim blicken laut dem kaufmännischen Geschäftsführer Bert Hoffmann ebenfalls recht gelassen nach vorne. Weder künftige Projekte mit regenerativen Energien noch die Existenz der Stadtwerke an sich sieht Hoffmann gefährdet.
Der hätte eigentlich 2012 vom Netz gehen sollen und darf nun acht Jahre länger betrieben werden. Damit dürften sich die Wirtschaftsberechnungen für das geplante Kohlekraftwerk ganz anders darstellen. Einen der beiden Blöcke wollten 40 bis 50 kommunale Stromversorger gemeinsam finanzieren. Wie die Stadtwerke Tübingen und Bietigheim-Bissingen hatte sich auch die EVF eine "Kraftwerksscheibe" gesichert. Das Tochterunternehmen der Stadtwerke von Göppingen und Geislingen hat dafür 20 Millionen Euro bereitgestellt. "Aber wenn es sich nicht rechnet, wird es keinen Baubeschluss geben", sagt Bernhart.
Die Korrektur in der Atompolitik dürfte bei der Beurteilung dieser Frage eine wichtige Rolle spielen. "Als Wettbewerber haben wir ein Problem, wenn billiger Atomstrom die Netze verstopft. Als Stadtwerke müssen wir massiv gegen diese Entscheidung vorgehen." Selbst eine Klage sei denkbar. "Wir werden den entgangenen Gewinn beim Bund geltend machen." Auch auf die Diskussion über die Übernahme der Stromnetze könnte sich Merkels "Atomrevolution" auswirken. In Göppingen soll der Gemeinderat im Herbst entscheiden, ob die Konzession weiterhin dem Stromriesen EnBW überlassen wird oder ob die Stadt über die EVF selbst das Ruder in die Hand nimmt. Der EVF-Aufsichtsrat habe sich noch nicht positioniert, sagt Bernhart. "Aber ich gehe davon aus, dass eine Übernahme unattraktiver geworden ist." 7500 Kunden versorgt die EVF mit Strom. Bei einer Übernahme des Göppinger Netzes hätte das Unternehmen auf ein starkes Wachstum hoffen können. "Nach aller Erfahrung gehen 20 bis 30 Prozent der Kunden zum Netzbetreiber." Die Verlängerung der Laufzeiten versetze die EnBW nun in die Lage, mit Billigstrom dagegenzuhalten.
Gelassener Blick nach vorne
Rainer Kübler gibt sich zurückhaltender als sein Kollege von der EVF. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) ist von der Atomenergie-Entscheidung der Bundesregierung, "wenn man die jüngsten Diskussionen aufmerksam verfolgt hat", im Grundsatz wenig überrascht. "Das Einzige, was mich wirklich überrascht hat, ist, dass die Betreiber der Atomkraftwerke sehr glimpflich davongekommen sind", sagt er. Die Politik habe sich die längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke "recht billig abkaufen lassen".
Für die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (SWBB) selbst erwartet Rainer Kübler kurzfristig keine allzu großen Negativauswirkungen. An dem Bau einer zweiten Biogasanlage, die Mitte nächsten Jahres in Betrieb gehen soll, halten die Stadtwerke fest. Ebenso an ihren bestehenden oder geplanten Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung, "auch wenn wir hier wirtschaftlich wohl mit geringfügigen Verschlechterungen rechnen müssen", mutmaßt Kübler. Hier wirke sich der günstige Atomstrom möglicherweise zum Nachteil der SWBB aus. Rainer Kübler hofft, dass die politisch Verantwortlichen in den nächsten Jahren "nicht auch noch die Axt ans Erneuerbare-Energien-Gesetz anlegen", denn hier hätten die Stadtwerke bisher eine klare und gute Planungsgrundlage gehabt. Diese hatte auch dazu geführt, dass sich die Kommune an Metter und Enz – ebenso wie die Tübinger Stadtwerke – an dem Offshorewindpark Bard bei Borkum beteiligt haben.
Die Stadtwerke Luwigsburg-Kornwestheim blicken laut dem kaufmännischen Geschäftsführer Bert Hoffmann ebenfalls recht gelassen nach vorne. Weder künftige Projekte mit regenerativen Energien noch die Existenz der Stadtwerke an sich sieht Hoffmann gefährdet.
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Rolle rückwärts
Kürzlich war Deutschland noch Vorreiter bei der Solar-Anlagen-Produktion. Mittlerweile hat uns China den Rang abgelaufen. Auch dort wird die Entwicklung von neuer Solartechnik subventioniert. Wieso wird dann bei uns in Deutschland für die Entwicklung erneuerbarer Energiegewinnung das Geld gekürzt aber im Gegenzug werden die Atom-Energie-Unternehmen gebuttert? Vom Risiko dieser Technik ganz zu schweigen. Dieser "billige" Strom kommt anderen Generationen (und den Menschen in den "Entsorgungsländern") teuer zu stehen. Nicht vergessen am 18.09. in Berlin, Demo gegen Atom!
lieber mehr zahlen, wenn man denn noch kann
dass die deutschen atomkraftwerke längst nicht so sicher sind, wie deren anhänger gerne argumentieren, sickert jetzt doch immer mehr an die öffentlichkeit. je mehr verbraucher strom aus erneuerbaren energien wählen, dies geht sogar zu sehr günstigen tarifen, einfach mal beim stromanbieter-vergleich checken, umso mehr muss von diesem in den pool eingespeist werden. also leute, entscheidet ihr das und lasst nicht für euch entscheiden. was nützt mir denn der billige atomstrom, den es ja auch gar nicht gibt, wenn ich gar keine gelegenheit mehr habe, diesen zu beziehen, bezahlen, verbrauchen....................
CDU und FDP unterstützen diese Verantwortungslosigkeit!
Sie behaupten, der Atom-Strom sei billig. Dabei entstehen bei der Gewinnung von Uran und bei der Entsorgung des unendlich lang strahlenden Abfalls riesige Kosten, die der Steuerzahler blechen muss. Nach mir die Sintflut - so arbeiten die CDU und FDP, wenn es um diese überaus gefährliche Atom-Energie geht. Sie wissen das und schaden dem gesamten Land. Und genauso wollen die Atom-Kraftwerkseigner heute noch ihren Gewinn abschöpfen, bevor das große Erwachen kommt: Sie muten unseren Kindern strahlende Atom-Mül-Kloaken zu. Das Lager ASSE zeigt, dass wir ständig an der Nase herumgeführt werden. 10 x soviel verseuchter Strahlenmüll wird nun festgestellt, vorher wurde mit Mengen einfach betrogen und gelogen. Jetzt entstehen mindestens 4 Milliarden Entsorgungskosten. Die Atom-Industrie will davon nichts wissen. Was für eine Verantwortungslosigkeit! CDU und FDP untersützten diese.