Städtebau in Stuttgart Das ehemalige Gebäude der Teppichgalerie soll abgerissen werden

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Nach dem Verkauf des ehemaligen Gebäudes der Teppichgalerie sollen Abriss und Neubau im Frühjahr kommenden Jahres beginnen. Auf dem Grundstück an der Eberhardstraße 65 soll ein Neubau mit Büros, Handel und Wohnungen entstehen.

Anstelle des ehemaligen Gebäudes der Teppichgalerie wird wohl bald eine Baulücke klaffen. Foto: Horst Rudel
Anstelle des ehemaligen Gebäudes der Teppichgalerie wird wohl bald eine Baulücke klaffen.Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Auf dem Gelände des ehemaligen Gebäudes der Teppichgalerie an der Eberhardstraße 65 soll ein Neubau mit Büros und Wohnungen entstehen. Ein ähnliches Vorhaben war im Jahr 2010 gescheitert. Diesmal könnte es Realität werden. Denn das denkmalgeschützte Gebäude hat im Mai den Eigentümer gewechselt.

Hinter dem Vorhaben stecken dieselben Köpfe wie vor vier Jahren. „Es gab damals bereits eine positiv beschiedene Bauvoranfrage und einen städtebaulichen Vertrag. Das Projekt ist dann aber ­gescheitert, weil wir uns mit den damaligen Eigentümern nicht auf den Verkauf einigen konnten“, sagt der Architekt Stefan Willwersch vom Stuttgarter Projektentwickler W2. Der entscheidende Unterschied: im Mai 2014 wurde das Gebäude tatsächlich verkauft. Die Stadt hat ihr Vorkaufsrecht für das historische Bauwerk nicht wahrgenommen. Über den Preis haben alle Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Fest steht aber: der neue Eigentümer ist die Gesellschaft Eberhard-Höfe. Dahinter stehen die Competo Capital Partners aus München als Kapitalgeber und eben die W2 GmbH als Planer.

Die Fassade wird in gleicher Optik wieder aufgebaut

Auch das Thema Denkmalschutz scheinen der Architekt und seine Partner im Griff zu haben. „Wir werden die Fassade katalogisiert abbauen“, erklärt Willwersch. Das bedeutet, ein Sachverständiger wird Buch führen, welche Teile der klassizistischen Front beim späteren Neubau wieder eingesetzt werden müssen. „Die Fassade wird am Ende genau so aussehen wie jetzt – nur frischer. Zum Teil werden wir dafür aber neues Material verwenden“, so der Architekt. Das sei die Bedingung dafür, dass der Denkmalschutz aufgehoben werde „und wir hier bauen können“. Statt einem spitzen Giebel wird über der neuen, alten Front ein zurückgesetztes Staffelgeschoss entstehen. An der Vor­der­sei­te zur Eberhardstraße soll es kleinen Einzelhandel im Erdgeschoss und Büros geben. „Dahinter haben wir zwei Gebäude mit rund 45 kleinen Mietwohnungen ­geplant“, erklärt der Projektentwickler. Die Pläne haben sich seit 2010 deutlich verändert. „Wir wollen mehr Wohnungen und weniger Handel“, so Willwersch. Wie die Mieterstruktur in den Eberhard-Höfen ­genau aussehen wird, dazu können die Planer noch nichts sagen. Dass es aber an der Eberhard­straße 65 im Neubau wieder ein Theater geben wird, ist eher unwahrscheinlich. Ihre Entwürfe haben die neuen Besitzer der Stadt bereits vorgestellt. Der Baubürgermeister zeigt sich von der Idee angetan. „Mir gefallen die Pläne“, sagt Matthias Hahn (SPD). Der neue Entwurf sei deutlich besser als der aus dem Jahr 2010, so Hahn. „Es gibt weniger Handel und mehr Wohnen. Das Projekt ist jedoch auf der Basis des städtebaulichen Vertrags von damals machbar“, sagt der Baubürgermeister.

Baustart soll im Frühjahr 2015 sein

Den endgültigen Bauantrag wollen Willwersch und seine Kollegen im Herbst einreichen. Im Frühjahr 2015 könnte der Abriss des ehemaligen Gebäudes der Teppichgalerie beginnen. Wie hoch die Kosten sein werden, will der Projektentwickler momentan noch nicht verraten. Die Planer wollen mit dem, was sie „eine typische Stuttgarter Baulücke“ nennen, die Vorstellungen von OB Fritz Kuhn (Grüne) unterstützen. „Wir bauen Wohnungen mit kleinerer Grundfläche, ausreichend Radstellplätze, und wir planen Arbeiten und Wohnen an einem Ort“, so Willwersch.

Dem aktuellen Entwurf zufolge soll eine Passage entstehen. Hinter dem Bürogebäude an der Eberhardstraße werden die beiden Wohnhäuser einen schmalen, nach oben offenen Innenhof mit Durchgang nach vorn bilden. Und: „Wir bauen eine eigene Tiefgaragenzufahrt für Fahrräder“, so Willwersch, der mit seiner Projektgesellschaft W2 derzeit in Stuttgart einige deutliche Spuren hinterlässt. Derselben Konstellation wie beim Projekt Eberhard-Höfe entstammen die Pläne für das Theo 10 an der Theodor-Heuss-Straße und für die die Rosenberghöfe auf dem ehemaligen AOK-Areal nahe des Berliner Platzes.

Wenn das Projekt Eberhard-Höfe womöglich zwei Jahren nach Baustart abgeschlossen ist, dann wird in der direkten Nachbarschaft wahrscheinlich ebenfalls gebaut. Das Gebäude zwischen Tagblattturm und ehemaligen Gebäude der Teppichgalerie ist im Besitz der Stadt und soll in den kommenden Jahren neu entwickelt werden – womöglich als Ergebnis eine städtebaulichen Wettbewerbs. Zudem steht der Ausbau der Eberhardstraße bis zum Hegel-Haus mit dem Belag Stuttgarter Platte für das Jahr 2016 an – sofern der Gemeinderat die nötigen Mittel im kommenden Doppelhaushalt bewilligt.

13 Kommentare Kommentar schreiben

Schön ist: Die IGA ohne Schwebebahn oder die Altstadt ohne Milieu oder Stuttgart ohne Teppiche die es im SSV umsonst gibt.

braun: natürlich ist das kein richtiger denkmalschutz. aber was außer der fassade ist an dem gebäude schützenswert?

@ Herr Kopp:: Tatsächlich sind die Mitarbeiter und -arbeiterinnen im Denkmalschutzamt engagiert und kompetent. Problematisch wird es allerdings in Fällen wie dem Wengerterhaus im Westen: sobald ein Gutachten des (meistens ab Abriss interessierten) Eigentümers vorliegt, wird es widerspruchslos akzeptiert. Selbst dann wenn es durch und durch falsch ist. Die Antwort darauf, was erhaltenswert ist und was nicht, hängt also beileibe nicht immer von der Kompetenz und dem Engagement der Denkmalschützer ab. Noch ein erwähnenswertes Beispiel ist der Abriss eines der letzten bzw. des letzten Arbeiterhauses in der Möhringer Straße, bei dem zwar sogar die Decken- und Innenwandkonstruktionen noch dem Originalzustand entsprachen, aber die Substanz einfach so schlecht war, dass eine Rettung unverhältnismäßig erschien.

"@ Braun", wenn wir...: ... uns die Höflichkeiten schon sparen... Freilich ist es unaufrichtig und schäbig und obendrein auch einfach falsch. Alles was von Schuster und Teufel entschieden wurde - und nur gegen diese beiden richtete sich ihre wütende Anklage - könnte schon hundertfach von Kretschmann und Kuhn korrigiert sein. Und nur diese beiden Typen sind in diesem Moment an der Macht - und in der Verantwortung. Niemand sonst. Fakt ist: es juckt einfach keinen von beiden, an dem Problem der Bausubstanzvernichtung etwas zu ändern. Damit lassen sich keine Wählerstimmen abziehen. Das Thema hat nämlich so eine spröde, fast schon konservative Note. Nicht umsonst setzt die AfD sich als einzige Partei für eine teilweise Wiederherstellung des alten Stadtbildes ein... ! Wenden Sie sich mit ihrer Unzufriedenheit also an die Grünen, die alles versprechen, nichts halten und ungestraft damit durchkommen.

@Eberhard Braun, 14:24 Uhr: Sie wissen, wie man die Architektur solcher Häuser früher genannt hat? Vorne hui - hinten pfui. Schauen Sie sich das Haus mal von hinten an und selbst Ihnen wird nichts mehr auffallen, was da noch denkmalwürdig wäre. Ich weiß zudem nicht, was von dem Gebäude im Inneren noch wirklich erhaltenswert wäre, aber dafür sind die Fachleute vom Denkmalamt zuständig. Auch wenn Sie es nicht glauben wollen, diese Leute sind hochqualifiziert und sehr an der Erhaltung von Erhaltenswertem interessiert.

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