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Städtepartnerschaft Vaihingen - Melun „Ich wäre gerne großzügiger gewesen“

Annegret Jacobs, 22.01.2013 14:52 Uhr
Vaihingen Plötzlich war es dann alles ganz eilig: Anfang Mai 1985 traf in Vaihingen ein Brief aus Melun ein. Oui, die Stadt im französischen Departement Seine-et-Marne wolle sehr gerne eine Städtepartnerschaft mit dem Stuttgarter Stadtbezirk Vaihingen eingehen. Zwei Wochen später werde eine Delegation mit 200 Franzosen nach Vaihingen kommen, um das zu feiern. Herbert Burkhardt, damals Vaihingens Bezirksvorsteher, erinnert sich an den offiziellen Beginn der Partnerschaft.
Herr Burkhardt, Sie hatten damals zwei Wochen, um den Empfang für eine große Delegation zu organisieren. Das hört sich nicht nach viel Zeit an.
Das war es auch nicht. Zunächst einmal musste ich schauen, dass alle Gäste gut untergebracht wurden. Viele Hotels gab es nicht in Vaihingen, das meiste lief also über die Verbände wie den Bund der Kriegsheimkehrer und über die Vereine. Viele hatten ja bereits lange vor der offiziellen Städtepartnerschaft Kontakt nach Melun aufgenommen. Und irgendwie, ich weiß nicht genau wie, hat es am Ende alles geklappt – niemand musste auf der Straße übernachten.

Damit war es aber noch nicht getan...
Nein, wir wollten unsere Freunde aus Frankreich aus Anlass des 20-jährigen-Bestehens von Kontakten zwischen Vaihingen und Melun mit einem schönen Fest begrüßen. Dazu musste ein Rahmen geschaffen werden. Dann brauchten wir eine feierlich gestaltete Urkunde. Irgendwo haben wir dazu Büttenpapier aufgetrieben, meine Sekretärin hat eine besondere Schreibmaschine von IBM organisiert und dann noch am Feiertag, einen Tag vor der Ankunft der Franzosen, den Text getippt.

Dabei hätte es gar nicht so hektisch werden müssen. Die Partnerschaft hatte auf kommunaler Ebene einen langen Vorlauf.
Es war auf beiden Seiten schwierig, Vaihingen und Melun zusammenzubringen. In Vaihingen dachten viele: Wir haben etwa 40 000 Einwohner, Melun hat etwa 40 000 Einwohner – das passt doch. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, das Vaihingen ein Stadtbezirk, Melun aber die Hauptstadt eines Departements ist. Als Stadt hat es einen ganz anderen Hintergrund.

Wollten die Meluner also nicht?
Doch – aber am liebsten in einer Kombination aus Vaihingen und Stuttgart. Das aber wiederum ging nicht, weil Stuttgart im Gegensatz eine Landeshauptstadt ist. Außerdem gab es hier bereits eine französische Partnerstadt: Strasbourg.

Wie wurde das Problem überwunden?
Unter OB Manfred Rommel kam der Umschwung. CDU-Stadtrat Gerhart Hammerbacher hat sich sehr dafür eingesetzt, dass auch Stadtbezirke eine Partnerschaft eingehen können. Neben Vaihingen gab es auch in Zuffenhausen regen Austausch mit einer Stadt in Frankreich. Damit sollte das Engagement der Beteiligten gewürdigt werden. Und Rommel war damit einverstanden, hat die Delegationen aus Melun auch mehrmals bei sich im Rathaus empfangen und war auch manchmal in Vaihingen zu Gast.

Lehnten die Franzosen OB Rommel als Sohn des mythisch verehrten Generalfeldmarschalls der Wehrmacht nicht ab?
Nein, ganz und gar nicht. Rommel war für sie eine sehr schillernde Persönlichkeit und unheimlich faszinierend.

Ein Stadtbezirk und eine Departementshauptstadt – wie funktioniert da eine Partnerschaft?
Letztendlich überraschend gut. Der damalige Meluner Bürgermeister Jean Malpel hat die Partnerschaft einfach die „Freundschaft der Herzen“ genannt. Das hat vieles überspielt.

Was zum Beispiel?
Nun ja, Melun steht als Stadt ein ganz anderes Budget für die Partnerschaft zur Verfügung. Wir wurden deswegen in Frankreich immer großzügiger empfangen, als dies hier möglich war. Vaihingen hat damals von der Stadt ein Budget von 20 000 Mark zur Verfügung gestellt bekommen. Ich wäre den Franzosen oft gerne etwas großzügiger begegnet, als dies möglich war.

Haben Sie heute noch Kontakte nach Melun?
Ja, einige. Meine Frau und ich sind ja bestimmt zehnmal dort gewesen, zudem kann meine Frau gut Französisch sprechen und hat oft für mich übersetzt. Allerdings ist unser Kontakt zu den politischen Repräsentanten irgendwann abgebrochen. Im Gegensatz dazu schreiben wir uns mit einigen jüdischen Familien aus Melun noch immer regelmäßig Briefe.