KommentarStalking-Prozess in Stuttgart Ein konsequentes Urteil

Von George Stavrakis 

Das Landgericht Stuttgart hat einen Stalker für den Tod eines seiner Opfer verantwortlich gemacht. Das Gericht hat konsequent und richtig geurteilt, meint Gerichtsreporter George Stavrakis.

Stalker üben meist übers Telefon Terror auf ihre Opfer aus. (Symbolbild) Foto: dpa
Stalker üben meist übers Telefon Terror auf ihre Opfer aus. (Symbolbild)Foto: dpa

Stuttgart - Ein Mann quält reihenweise Frauen und deren Angehörige bis aufs Blut – mit Telefonterror, mit Sachbeschädigungen, mit Todesdrohungen. Ein Stalker übelster Sorte. Eine der Frauen hat nicht die Kraft, diese Pein auszuhalten. Sie nimmt sich in tiefster Verzweiflung das Leben.

Die 1. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart hat den Mann wegen Nachstellung mit Todesfolge verurteilt. Ein konsequentes Urteil, das von Rückgrat und von großer Souveränität zeugt. Immerhin war die Staatsanwaltschaft eingeknickt und hatte argumentiert, rein juristisch sei der Täter nicht schuld am Tod der Frau.

Die 1. Strafkammer hat ein Zeichen gesetzt

Das Gericht sieht es anders und liegt damit richtig. Die Bösartigkeit und Widerlichkeit der Taten des voll schuldfähigen, also keineswegs psychisch kranken Angeklagten ist kaum zu überbieten und lässt erahnen, in welchen Zustand er die Opfer versetzt hat – bis hin zum Suizid. Das ist ruchlos, das ist unverzeihlich, und es ist zu Recht hart bestraft worden.

Immer wieder ist zu hören, wie stumpf das Schwert des Gewaltschutzgesetzes gegen Stalker sei. Vor allem Frauen fühlen sich alleingelassen und verzweifeln, wenn sie Stalking-Terror ausgesetzt sind. Die Täter müssen deshalb konsequent verfolgt und abgeurteilt werden, denn sie machen ihren Opfern das Leben zur Hölle. Ungezählte Stalking-Selbsthilfegruppen können ein bitteres Lied davon singen.

Die 1. Strafkammer hat ein Zeichen gesetzt. Sie hat mutig und in der Sache nach Recht und Gesetz richtig geurteilt. Es ist zu hoffen, dass das Urteil Bestand hat.

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1 KommentarKommentar schreiben

Ein "Zeichen"? Strafrecht hat Schuld zu beweisen, nicht "Widerlichkeit": Danke! Dieser sich vor Emotion fast überschlagende Kommentar eines Gerichtsreporters zeigt sehr deutlich, woran es bei diesem ganzen Themenbereich krankt. Objektivität? Einzelfallbezogenheit? Ach was! Hier wird ein Ausnahmefall zum "Typus", die "unzähligen Stalking-Selbsthilfegruppen" sind ja schon Beweis für ausufernde Missstände. In einem solchen medialen Klima ist es leicht, jeden (!) Mann bei Bedarf in eine solche Ecke zu stellen, in der der Verurteilte hier heute (zurecht) steht, sobald Mann auch nur ansatzweise Reaktionen auf eine einseitige Trennung zeigt, sich bspw. gegen Kindesentzug, Umgangsboykott, Falschbeschuldigungen von Ex-Partnerinnen zur Wehr setzt. Professionelle Unvoreingenommenheit ist regelhaft weder von Journalisten noch von Strafverfolgern zu erwarten! Die ausufernde geschlechtsspezifische Gesetzgebung im Bereich Stalking/Gewaltschutz für Frauen ist nur insoweit ein "stumpfes Schwert", indem es "bösartiges" Stalking und Bedrohungen wie hier nicht verhindert - wie man wieder sieht! Ansonsten ist es Allzweckmittel, um in Paarkonflikten auch 2016 noch einfachst die Rollen zu verteilen. Der BGH wird das Urteil zweifellos aufheben, die Kausalität ist trotz "Widerlichkeit" nämlich bloße Behauptung.

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