Stand-up-Paddling in Ludwigsburg Ein Balanceakt auf dem Neckar

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Anna Bröll erkundet in Ludwigsburg stehend auf einem Board den Neckar und seine Ufer. Sie ist Trainerin für Stand-up-Paddling und schult Novizen. Der Trendsport aus Hawaii erfreut sich auch hierzulande zunehmender Beliebtheit – selbst im Winter.

Anna Bröll sagt, mit ein bisschen  Übung  lerne jeder Neuling  schnell, im Stehen auf dem Board zu paddeln. Foto: factum/Granville
Anna Bröll sagt, mit ein bisschen Übung lerne jeder Neuling schnell, im Stehen auf dem Board zu paddeln.Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Es ist eine etwas wackelige Angelegenheit, ein Balanceakt auf dem Neckar. Der Neuling startet zunächst am besten knieend auf dem sogenannten Stand-up-Paddling-Board, das etwa so groß ist wie ein gewöhnliches Surfbrett – nur ein Stück breiter. Anna Bröll zeigt, wie es geht. Sieht ganz einfach aus bei ihr, aber die Frau hat ja viel Routine.

Die 29-jährige Sportskanone hat in Heilbronn Tourismusmanagement studiert. Sie arbeitet seit ein paar Monaten als Trainerin für Stand-up-Paddling auf dem Neckar und auf der Enz – auch im Winter. Ja, es gebe tatsächlich Menschen, die während der kalten Jahreszeit diese neue Trendsportart aus Hawaii ausprobieren wollten. Dieser milde Februartag mit strahlendem Sonnenschein fühlt sich indes fast wie Frühsommer an. Die Luft hat gut 15 Grad. Zwei Boards liegen parallel zum Steg am Neckarufer in Ludwigsburg-Hoheneck. Also dann, der Neoprenanzug sitzt passgenau, die Schwimmweste ist festgezurrt: das Paddel quer zum Board stellen, vorsichtig vom Ufer auf das ganz leicht im Wasser schwankende Brett steigen und dann sachte abstoßen.

„Du hast eine ganz andere Perspektive“

Im Nu nimmt die Neckarströmung den knieenden Paddler ganz langsam mit in Fließrichtung Marbach. Jetzt der kritische Moment: „Schön breitbeinig hinstellen“, ruft Anna Bröll und grinst. Die Meisterin hat gut lachen, sie steht längst auf ihrem Brett – wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung – und paddelt gegen die Strömung hin zur Neckarbrücke. Gelernt ist halt gelernt.

Fast jeder ihrer Schüler habe den Dreh schon nach ein paar Minuten raus, spätestens nach einer halben Stunde, sagt Anna Bröll, die bei den Zugvögeln arbeitet, einem Veranstalter, der seit mehr als drei Jahrzehnten Kanutouren und Kanukurse veranstaltet. Und seit Neuestem auch Stand-up-Paddling, kurz SUP genannt. Anna Bröll ist in ihrer Jugend viel und gerne Wildwasserkajak gefahren. Dann hat sie SUP für sich entdeckt. Der Vorteil? „Du hast eine ganz andere Perspektive.“

In der Tat, wer auf so einem Brett steht und gemütlich vor sich hin paddelt, der hat einen guten Überblick und kann seinen Blick schweifen lassen, zum Neckarweihinger Kirchturm zum Beispiel, oder er beobachtet die Neckarschiffe, die vorbeiziehen. Es gelte allerdings ein paar Grundregeln zu beachten, sagt die Trainerin. Erstens das Thema Sicherheit: jeder Neuling sollte unbedingt einen Neoprenanzug tragen. Für den Fall der Fälle. Denn wer in den Neckar plumpst, der landet in kaltem Wasser. Zurzeit hat der Fluss nur rund sieben Grad. Es sollte immer mit Schwimmweste gepaddelt werden. Und auf den Schiffsverkehr müsse der Paddler stets achten, also regelmäßig auch nach hinten gucken. Die großen Frachtkähne können nicht ausweichen, der Paddler sollte in Ufernähe bleiben.

Mehrtägige Touren mit wasserdichter Pastiktonne

Anna Bröll zum Thema Naturschutz: „Nie in die renaturierten Flussabschnitte fahren, also zum Beispiel in die Zugwiesen, das ist verboten.“ Und zum Thema Technik: SUP sei ganz einfach. Das Paddel so weit vorne wie möglich ins Wasser eintauchen, dann aber nur bis zum Körper ziehen. „Am besten zunächst immer abwechseln, links, rechts, links, rechts.“ Nach ein bisschen Übung könne der Neuling den „J-Schlag“ ausprobieren, am Ende eines jeden Zugs das Paddel im Wasser lassen und zur Seite wegdrücken, also den Buchstaben J ins Wasser schreiben. Wem das gelinge, der müsse nicht ständig die Schlaghand wechseln und fahre trotzdem geradeaus und nicht im Kreis. Die letzte eiserne Regel: Rauchen auf dem Board ist tabu.

Wer will, der könne sich eine kleine, wasserdichte Pastiktonne auf das Brett schnallen und ein paar Utensilien mitnehmen, sagt die Trainerin. Es gebe Stand-up-Paddler, die mehrtägige Touren unternehmen. Mit der Strömung sollte es möglich sein, mindestens drei Kilometer pro Stunde zu schaffen. Wer also genügend Kondition hat, der kommt an einem langen Tag auf dem Neckar ein gutes Stück voran. Aber so eine Tour dürfte im Sommer wesentlich mehr Spaß machen als im Winter.

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