Standorte in Stuttgart Eidechsen verhindern Flüchtlingsunterkunft

Von Jörg Nauke 

Der Gemeinderat entscheidet am Donnerstag über die sechste Tranche der Flüchtlingsunterkünfte in Stuttgart, in der Plätze für 933 Bewohner entstehen soll. Die Unterkunft auf den Schlotwiesen scheidet aus Artenschutzgründen aus.

In Hofen gibt es bereits drei Systembauten. Der Plan, zwei weitere Gebäude in der Nachbarschaft zu errichten, ist nun endgültig vom Tisch. In Hofen wäre  in unzulässiger Weise in den Lebensraum von Eidechsen eingegriffen worden. Foto: Linsenmann
In Hofen gibt es bereits drei Systembauten. Der Plan, zwei weitere Gebäude in der Nachbarschaft zu errichten, ist nun endgültig vom Tisch. In Hofen wäre in unzulässiger Weise in den Lebensraum von Eidechsen eingegriffen worden.Foto: Linsenmann

Stuttgart - Der Gemeinderat wird am Donnerstag gegen die Stimmen der AfD die sechste Tranche von Flüchtlingsunterkünften in der bewährten Systembauweise beschließen. Im Technischen Ausschuss sind zwar Bedenken geäußert und unzählige Alternativvorschläge zu den fünf von der Stadtverwaltung bevorzugten präsentiert worden, im Grundsatz sind die meisten aber mit der Arbeit der Stadt zufrieden und tragen die Auswahl mit zwei Änderungen mit: In Zuffenhausen wird eine Alternative untersucht, und in Hofen haben Eidechsen den städtischen Plan durchkreuzt. Bürgermeister Michael Föll (CDU) hat deutlich gemacht, dass er zwar über alle Vorschläge diskutieren, aber kaum einen akzeptieren könne – es sei denn, der öffentliche Druck wird zu groß oder Gesetze sprechen dagegen.

Föll machte deutlich, dass es vielen von Bürgern vorgeschlagenen Arealen entweder an der Genehmigungsfähigkeit oder der „nutzungsspezifischen Eignung“ mangele. Sie sind etwa zu klein für mindestens zwei Systembauten. Oder sie sind nicht rasch verfügbar – man braucht aber bis Jahresende weitere 1500 Plätze und 2200, wenn es das Ziel sein soll, die fünf belegten Turnhallen wieder frei zu machen. Und schließlich setzt die Stadt voraus, dass eine empfohlene Fläche nicht schon anders verplant ist, etwa für Wohnungsbau oder eine Gewerbenutzung.

In der sechsten Tranche entsteht Platz für 933 Bewohner

Das schränkt die Suche naturgemäß ein und erschwert sie – zumal es nun um die bereits sechste Tranche geht, in der diesmal Platz für 933 Flüchtlinge geschaffen werden soll. Ergänzend hinzu kommt eine befristete Anmietung in der Johannesstraße im Westen mit rund 90 Plätzen. Vorgeschlagen hat die Verwaltung, vier bereits bestehende Standorte zu erweitern und einen neuen auszuweisen – bei der Bezirkssportanlage Schlotwiese in Zuffenhausen.

Dort waren fünf Systembauten mit 396 Plätzen geplant. Nach Bekanntwerden dieser Vorhaben Mitte Januar hat es vereinzelte Proteste gegeben; vor allem in Zuffenhausen wegen der Schlotwiesen-Pläne, außerdem in Hofen, wo an der Wagrain­straße drei bestehende Gebäude mit 243 Plätzen um zwei Systembauten für 153 Flüchtlinge ergänzt werden sollte.

Der Widerstand war erfolgreich und letztlich dem Umstand zu verdanken, dass in unzulässiger Weise in den Lebensraum von Eidechsen eingegriffen würde. Eine Vergrämung wäre nicht fachgerecht, weil im vorhandenen Habitat bereits jene geflüchteten Eidechsen leben, die für den Bau der Golf-Driving-Range und die ersten Systembauten weichen mussten. SPD-Fraktionschef Martin Körner fand, dass der Artenschutz unterstützt werden müsse, hier die Verhältnismäßigkeit aber nicht mehr stimme. Michael Conz (FDP) sagte: „Endlich haben die Eidechsen etwas Gutes getan.“

Die Stadt prüft Alternativen in Freiberg

Als Alternative ist jetzt eine 4800 Quadratmeter große städtische Fläche im Bereich Stamitzweg/Himmelsleiter in Freiberg vorgesehen. Teile davon sind als Kleingärten verpachtet. Dort könnten bis zu drei Systembauten entstehen. Während laut Föll der Vorschlag Wagrainstraße „zurückgezogen“ ist, wurde der Schlotwiesen-Standort nur „zurückgestellt“, und zwar bis Ende März, dann ist die Alternative geprüft. Dabei handelt es sich um zwei Grundstücke an der Ecke Franken-/Ludwigsburger Straße in Zuffenhausen. Die Stadt verhandelt mit zwei Grundstückseigentümern, ein Ergebnis steht aus.

AfD-Stadtrat Eberhard Brett wurde für seine Aussage kritisiert, die Stadt plane „Luxusvillen“ für Flüchtlinge; er errechnete eine monatliche Kaltmiete von 50 Euro pro Quadratmeter. Das sei ungerecht und nicht finanzierbar. Michael Föll sagte, die Monatsmiete betrage etwa 250 Euro pro Person. Auf dem privaten Wohnungsmarkt gebe es keine vergleichbaren Angebote.

12 Kommentare Kommentar schreiben

AfD: Dagegen sein ist einfach. Wo sind die Lösungsvorschläge der AfD für die Unterbringung der Flüchtlinge? Wo und wie soll neuer Wohnraum geschaffen werden?

Golfclub - Eidechsen: Die Driving Range ist doch wie im Artikel geschrieben jetzt frei von Eidechsen - wieso baut man nicht dort?

Golf?: Dann müssten wir den Flüchtlingen aber auch einige Schläger und Bälle zur Verfügung stellen - allerdings wäre dieser Kulturschock zu heftig ;-)) Ansonsten ist die Idee charmant ...

Mit den Flüchtlingen ist wie : wie mit dem Feinstaub: Flüchtlingsunterkünfte sollen beim Plebs aufgebaut werden, selbiger soll auch die Kosten tragen. Ähnlich beim Feinstaub: der Plebs soll sich in die S-Bahnen drücken oder mit dem Fahrrad fahren. Dafür sind dann für die oberen Gesellschaften die Straßen frei.

Zahlenspielerei!: Sehr geehrte Herren Brett und Föll - ich finde es schön zu sehen, wie man mit Zahlen Politik machen kann/will. Denn am Ende haben Sie ja beide recht mit ihren genannten Zahlen. Herr Föll spricht von 250€ Miete pro Person und Monat - hört sich moderat an und ist wohl tatsächlich auf dem Wohnungsmarkt so nicht möglich. Herr Brett spricht von 50€ pro Quadratmeter im Monat - und hat damit leider auch recht. Laut Angaben zu den Systembauten haben die dortigen Zimmer ca. 14m² Fläche und sind für 3 Personen gedacht. Macht pro Person ca. 5m². Somit ergeben sich aus den 250€ Miete pro Person die Herr Föll nennt zwangsläufig die 50€ pro m², die Herr Brett nennt. Warum Herr Brett kritisert wird obwohl er am Ende das Gleiche sagt wie Herr Föll ist mir schleierhaft. Vor allem, da jeder Bürger Mietpreise im Verhältnis Euro pro m² kennt - mit Monatsmieten pro Person kann man glaube ich weniger anfangen. Und wenn man auf 15m² 3 Personen unterbringen kann, warum dann nicht in einer 50m²-Wohnung 'nur' 6 Personen? Und für 1500€ bekommt man auch in Stuttgart 50-m²-Wohnungen soweit ich weiß.

Rechnung korrekt?: Ich kenne die Systembauten nicht im Detail. Aber: Haben Sie bei den 15 m² auch die Nebenräume wie Küche, Bad, WC, Flur, und eventuelle Gemeinschaftsräume mit einbezogen? Dann stimmt die Rechnung mit den 50 € pro m² vermutlich nicht mehr, und die anderen Räume einer Wohnung außer dem Zimmer selbst sind auch der Grund, warum man von einer 3-er Belegung eines 15 m² Zimmers nicht proportional der Fläche die Belegung auf eine entsprechende Wohnung hochrechnen kann.

Flüchtlingsunterkünfte: Weshalb werden eigentlich keine Flüchtlingsunterkünfte auf dem Killesberg oder dem Frauenkopf gebaut. Da wohnen wohl zu viele Promis !?

Vergangenheit: Killesberg wird wohl schon gemacht. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.fluechtlinge-am-killesberg-hilfsbereitschaft-ist-bereits-da.a4cbf245-d96a-4b16-9eb9-0b6f3fa6ab3e.html Wobei sich der Killesberg aus historischer Sicht eigentlich verbietet (von dort wurden während des 2. Weltkrieges Juden deportiert).

Deportation: Guter Hinweis, aber ein klitzekleines Bisschen Wiedergutmachung darf auch erlaubt sein :-)

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