Start-up MyCleaner Zum Schluss gibt’s noch ein Reifendressing

Von pho 

MyCleaner ist ein Start-up aus Degerloch, das Autopflege am Wunschort anbietet. Die Inspiration dazu nahmen die Gründer aus dem Gangsterfilm Pulp Fiction.

Auftragen und polieren: Sabiti Lindondo arbeitet als Cleaner. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Auftragen und polieren: Sabiti Lindondo arbeitet als Cleaner.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Im Prinzip ist eine Autowäsche genauso einfach, wie es Mr. Miyagi, der Trainer von Karate Kid im gleichnamigen Film, erklärt: „Auftragen rechte Hand. Polieren linke Hand.“ Und Atmen nicht vergessen. Viele stressgeplagte Berufstätige wollen aber nicht mehr selbst Hand ans Auto anlegen – die Zeiten, in denen der Samstag für die liebevolle Pflege des eigenen Vehikels reserviert war, sind vorbei.

Darauf baut die Geschäftsidee von MyCleaner , einem Start-up mit Sitz in Stuttgart-Degerloch, auf. Das Unternehmen bietet eine Autoreinigung auf Bestellung am Wunschort, sprich: zu Hause, während man beim Friseur oder im Büro ist. „Die optimale Zeit für eine Autoreinigung ist während der Arbeitszeit“, findet Slawa Kister, Geschäftsführer und einer der Gründer von MyCleaner. Auf die Idee kam er, als der Unternehmensberater in Belgien tätig war und dort die Dienste eines lokalen Autoreinigers mit Hol- und Bringservice nutzte. „Das müsste doch auch als Marke und mit Vernetzung gehen“, dachte Kister.

Inspiration aus Pulp Fiction

Die Idee lag ein paar Jahre brach, ehe der gelernte Maschinenbauer sie bei einer Mitfahrgelegenheit dem Medizintechnik-Studenten Abdula Hamed erzählte. Zusammen mit Hameds Bruder Mohamed und Kisters Frau Natalia gründeten die beiden im Jahr 2011 MyCleaner, zuerst mit Sitz in Remseck am Neckar, später dann in Stuttgart. „Früher waren wir die Vollzeit-Cleaner, um erste Erfahrungen zu sammeln“, erzählt Mohamed Hamed.

Cleaner ist die Bezeichnung für jene, die die Autos reinigen und polieren. Auch hier kam die Inspiration aus der Filmwelt. Nicht Leon, der Profikiller, sondern Winston Wolf, der ruppige, aber effiziente Tatortreiniger-Gangster aus „Pulp Fiction“ gespielt von Harvey Keitel. Die Cleaner sollen wie Wolf sein: schnell vor Ort und den Auftrag erledigen, ohne Spuren zu hinterlassen – nur mit dem Unterschied, dass das Geschäft der Cleaner eben nicht gegen das Gesetz verstößt. „Wobei ein verschmutztes Auto auch kriminell ist“, scherzt Kister.

Pro Reinigung 200 Milliliter Flüssigkeit

Möglich wird die Vor-Ort-Reinigung durch den sparsamen Einsatz von Flüssigkeit: Etwa 200 Milliliter Reinigungsmittel brauche es, damit der Wagen außen wieder glänzt, sagt Kister. Kein Wasser, kein Schaum, alles biologisch abbaubar – deswegen kann man den Wagen auch an der Straße putzen, ohne die saftigen Strafen der Kommune fürchten zu müssen. „In einer Waschanlage verbrauche ich etwa 600 Liter Wasser“, sagt Kister.

In Kooperation mit einem Hersteller von Reinigungsmitteln haben Kister und Hamed ihre eigene Produktlinie herausgebracht: eins für den Sommer, eins für den Winter, ein Allzweckreiniger für den Innenraum und ein Oberflächen-Finish, intern auch „Reifendressing“ genannt. Der Innenraumreiniger kostet zwölf Euro, für 16 Euro gibt es die drei anderen Fläschchen à 500 Milliliter, das reiche für drei Autowäschen, sagt Kister. Eine Außenreinigung kostet 19 Euro, innen 39 Euro. Alles weitere kostet extra, beispielsweise Flecken entfernen oder das Autoinnere desinfizieren. Damit kostet eine Rundum-Reinigung bei MyCleaner deutlich mehr als in einer Waschstraße, ist dafür aber gründlicher und besser für die Umwelt.

2000 Autos pro Monat

Knapp 2000 Autos wäscht MyCleaner derzeit jeden Monat, vor allem für Unternehmen und Carsharing-Anbieter. Der Umsatz lag 2015 laut Kister im siebenstelligen Bereich. Für das Start-up arbeiten 50 Mitarbeiter, 35 davon als Cleaner. MyCleaner ist an 13 deutschen Standorten verfügbar, unter anderem in Leipzig, München, Frankfurt und Stuttgart. Die Gründer wollen 2016 weiter expandieren, auch aufs Land mit Hilfe von Franchise-Modellen. Kister denkt aber noch größer: „Wir wollen europaweit der Marktführer für Autoreinigung werden.“ Geplant ist eine App, mit der der Kunde buchen und bezahlen und der Cleaner seine Arbeit dokumentieren kann, auch in Form von Vorher-Nachher-Fotos.

Das hätte auch Sabiti Lindondo in einem Fall gerne gemacht. Der Kongolese ist seit Oktober bei MyCleaner. Über 100 Autos hat er seitdem gereinigt. Aus Erfahrung weiß er: Es sind nicht die großen Autos, die besonders verdreckt sind, sondern die kleinen. „Eines davon war seit elf Jahren nicht mehr gereinigt worden. Außen und innen lagerten Moos und Schimmel. Zuerst dachte ich, das sei ein Härtetest mit versteckter Kamera“, erzählt er. War es aber nicht. Lindondo biss die Zähne zusammen und reinigte den fahrenden Komposthaufen. Geatmet hat er dabei ein bisschen seltener als Mr. Miyagi empfiehlt.