Start-up-Programm in New York Starthilfe auf dem Markt der unbegrenzten Möglichkeiten

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Investorensuche an der Wall Street? Die Deutsch-Amerikanische Handelskammer New York will mit einem Erkundungsprogramm in Manhattan deutschen Start-ups die Tür zum amerikanischen Markt öffnen. Organisiert wird das von Stuttgart aus.

Die Teilnehmer aus Deutschland bekommen auch Termine mit Investoren aus dem Umfeld der New Yorker Wall Street – das Training für die eigene Präsentation ist inklusive. Foto: dpa
Die Teilnehmer aus Deutschland bekommen auch Termine mit Investoren aus dem Umfeld der New Yorker Wall Street – das Training für die eigene Präsentation ist inklusive.Foto: dpa

Stuttgart - Think big – „denke in großen Dimensionen“ – das ist ein amerikanischer Slogan, den Andrea Diewald von der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer New York gerne mehr Gründern aus ganz Deutschland, aber insbesondere auch aus Baden-Württemberg, einimpfen würde.

Seit Anfang 2014 gibt es nämlich für jeweils 15 Start-up-Unternehmen aus der Bundesrepublik die Chance, mitten in Manhattan potenzielle Kunden und Investoren zu treffen und sich gleichzeitig intensiv über alle Aspekte einer Expansion auf den US-Markt zu informieren.„Deutsche Start-ups haben den amerikanischen Markt oft zu spät im Blick“, sagt Diewald, die von Stuttgart aus das Programm namens „Step NYC“ betreut.

Sie hält aus amerikanischer Sicht gerade die technologiebasierten Gründer aus dem deutschen Südwesten für sehr attraktiv – aber bislang für vergleichsweise zurückhaltend. „Oft heißt es: Lasst uns erst einmal den deutschen, dann den europäischen Markt erschließen“, sagt Diewald. Manchmal schrecke die Entfernung vom Heimatstandort ab. Häufig hätten deutsche Gründer auch zu viel Respekt vor möglichen, unbekannten Fallstricken. Und manchmal fehle schlicht der Ehrgeiz: „Aber die USA sind und bleiben der größte Binnenmarkt der Welt. Wer hier durchstartet, kann als Unternehmen gleich in eine ganz andere Größenordnung vorstoßen.“

Die Bewerbungsfrist für das aktuelle Programm läuft

Die 72 Firmen, die in fünf Runden bisher in einem dicht gedrängten, fünftägigen Programm durch Manhattan geschleust wurden, kamen nicht nur inspiriert zurück. Einige hatten anschließend auch teils millionenschwere Aufträge in der Tasche – wie das Frankfurter Start-up Busy Lamp, das für Unternehmen eine Software zur besseren Verwaltung juristischer Angelegenheiten anbietet.

Für Mauz und Wauz, einen Waiblinger Anbieter von Tiersnack-Boxen, bildete der New-York-Austausch den Startschuss, um auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Und auch Simple Show, ein aus Stuttgart stammender Anbieter von Erklärvideos, ist unter anderem aufgrund des Austauschprogramms inzwischen fest auf dem amerikanischen Markt verankert.

Insgesamt 14 Teilnehmer haben anschließend eigene Tochterfirmen in den Vereinigten Staaten gegründet, sieben haben Risikokapitalgeber gefunden. Die Bewerbungsfrist für die aktuelle Runde im Frühjahr läuft zurzeit.

Die Deutsch-Amerikanische Handelskammer in New York ist dank einer Außenstelle in Kalifornien auch für das Silicon Valley zuständig. Dennoch habe man sich nicht nur wegen der Bedeutung als zweitgrößtes Start-up-Zentrum der USA für New York entschieden, sagt Diewald. In der Stadt wurden im Jahr 2014 insgesamt 4,6 Milliarden Dollar an Risikokapital investiert (rund 4,2 Milliarden Euro laut aktuellem Kurs).

Allein in New York floss damit in jenem Jahr rund Dreieinhalbmal soviel Geld wie in ganz Deutschland. Es gibt auch andere Gründe. „Das Silicon Valley ist überlaufen und da bekommen sie oft nur schwer Termine bei Investoren,“ sagt Diewald. Und nicht zuletzt: Die Flugstunden, die New York näher liegt als Kalifornien, seien durchaus von Vorteil.

Kein Förderprogramm, sondern eine Dienstleistung

Die einwöchige Tour, bei der man dank der gut vernetzten New Yorker Handelskammer auch bei potenten Wall-Street-Investoren anklopfen kann, ist kein Förderprogramm. „Wir sind Dienstleister“, sagt Diewald und erklärt damit die Tatsache, dass die beteiligten Unternehmen sich neben den Reise- und Unterbringungskosten auch mit 3000 Euro am Aufwand beteiligen müssen. „Das ist natürlich für junge Unternehmen viel Geld“, sagt Diewald. Aber sie sehe diese Firmen deshalb auch als Kunden: „Ich bemühe mich so weit wie möglich, deren Bedürfnisse zu berücksichtigen“.

Dazu gehört eingangs eine Beratung, ob sie für das Programm überhaupt die Richtigen sind. Die Teilnehmer sollten beispielsweise schon eine erste Finanzierungsrunde von mindestens 250 000 Euro hinter sich haben oder entsprechende Umsätze vorweisen. Je konkreter der amerikanische Markt im Visier sei, umso mehr habe man vom Programm. „Aber auch ein Unternehmen, das die USA erst einmal sondieren möchte, ist willkommen.“ Besonders geeignet sind Technologiefirmen. Aber auch Firmen mit Angeboten für die Finanzwelt oder aus der Medizintechnik seien interessant.

Dass das Programm von Stuttgart aus koordiniert wird, hat mit der Leidenschaft und dem Engagement von Andrea Diewald zu tun, die von ihrem Ein-Frau-Büro aus unermüdlich bei Start-ups für das Programm wirbt. Sie hatte vor ihrer Rückkehr nach Stuttgart länger in New York für die Handelskammer gearbeitet – und erkannte das Potenzial einer besseren deutsch-amerikanischen Vernetzung.

Sie versucht nun möglichen Teilnehmern amerikanischen Marketinggeist ans Herz zu legen. Viele technologieorientierte Gründer insbesondere aus dem Wissenschaftsbereich zögerten bisher mit dem Weg über den Atlantik, sagt Diewald. „Manche Unternehmen bräuchten halt, wie das in den USA üblich ist, einen Menschen, der Lust hat an der Expansion und das von der Rampe bringt“, sagt sie. Eben: Think big.

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