InterviewStefan Niggemeier von Bildblog Wer für Bildblog spendet

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Der Bildblog ist nach einer kurzen Pause zu Beginn des Jahres dank Spenden wieder aktiv. Wer spendet da, die Lügenpresse-Leute?
Eher unsere langjährigen Leser und Journalisten. Von der Menge war ich sehr positiv überrascht. Für die ‚Lügenpresse’-Leute sind wir womöglich zu harmlos.
Sie sind auch beim ebenfalls spendenfinanzierten Portal Krautreporter dabei. Glauben Sie an Journalismus auf Spendenbasis?
Ich glaube, dass die Zukunft des Journalismus auch davon abhängt, ob die Leute dafür zahlen. Ich finde den Gedanken der Werbefinanzierung eigentlich wunderbar: dass man den Leser nicht mit Bezahlen behelligen muss, sondern dass da ein Werbebanner ist. Aber etwas wie Bildblog kann man damit nicht finanzieren, und an vielen Stellen im Onlinejournalismus sieht man, wohin die ausschließliche Werbefinanzierung führen kann: Wenn verzweifelt versucht wird, Klicks zu generieren, wie Werbeformen immer aufdringlicher werden. Ich fand Krautreporter so spannend, weil es ein Versuch ist, ob Leute zahlen - ohne dass Inhalte weggesperrt werden.
Und doch scheint Krautreporter vor allem ein Forum zu sein, auf dem die Journalisten machen, worauf sie Lust haben. Eine Vollabdeckung mit Nachrichten wird auf keinem nutzerfinanzierten Portalen geleistet.
Das stimmt. Aber viele Verlage gehen ja immer mehr auf Paid Content. Darin besteht zumindest die Chance, sich der Logik der Werbefinanzierung zu entziehen: dass man nicht mehr auf jeden Hype aufspringt, sondern sich gut überlegt, was man macht. Ich glaube, dass Leute in Zukunft mehr für gute Inhalte zahlen müssen.
In einem Doppelinterview hat mein pensionierter Kollege Borgmann die These vertreten, die jungen Journalisten seien an der Krise mit Schuld – weil sie nicht wissen, wie man richtig journalistisch arbeitet.
Ich kann mir vorstellen, dass der Onlinejournalismus einen negativen Einfluss hat, weil er sehr vom Herdentrieb geprägt ist. Aber das muss nicht so sein und bleiben. Ich glaube, dass man sich die Arbeitsbedingungen schaffen muss und dass Leute dabei sind, das zu tun. Mir gefällt zum Beispiels das Wissenschaftsmagazin Substanz: eine Reportage pro Woche, wahnsinnig aufwendig. Das sind Nischenangebote, aber ich glaube und hoffe, dass es irgendwann eine größere Gegenbewegung geben wird. Online stehen derzeit immer dieselben Häppchen, optimiert oft nicht für Menschen, sondern Suchmaschinen. Aber man macht es sich zu leicht, wenn man das auf die jungen Hüpfer aus der Onlineredaktion schiebt.
Sie waren da gerade frisch wieder weg, aber beim Spiegel gab es unter dem Chefredakteur Wolfgang Büchner doch genau diese Diskussion: wie gut Online Print tut.
,Spiegel Online’ und das Magazin sind wahnsinnig erfolgreiche Marken. Man müsste geradezu verrückt sein, Spiegel Online hinter eine Paywall zu stecken – die sind mit ihrer Werbefinanzierung ja gut im Rennen. Ich fand den Gedanken von Büchner merkwürdig, alles zusammenzuwerfen. Ich glaube, dass das sehr unterschiedliche Medien sind. Dass die Redaktionen sich mehr austauschen, man sich kennt und abspricht – das passiert ja schon. Die Auseinandersetzung war komplexer, als sie nach außen dargestellt wurde. Es ging nicht wirklich um die Privilegien von Print.
Sondern?
Zum Beispiel darum, ob das sinnvoll ist, gemeinsame Ressortleitungen zu schaffen. Das sind ja unterschiedliche Medien mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Logiken und Erfahrungen. Und es ging an vielen Stellen auch um die Person Wolfgang Büchner, um die Frage, wie geschickt er da vorgegangen ist.