Stereotype in Schulbüchern Migration: ein Kapitel für sich

Von Petra Mostbacher-Dix 

Eine Islamwissenschaftlerin hat bei einem Vortrag in der Stadtbibliothek Vorurteile und negative Klischees in Schulbüchern über Menschen mit ausländischen Wurzeln kritisiert. Oft kommen diese Leute in dem Unterrichtsmaterial schlecht weg.

In vielen Schulbüchern kommen Menschen mit ausländischen Wurzeln so schlecht weg, dass das Unterrichtsmaterial Integration eher erschwert als fördert. Foto: dpa
In vielen Schulbüchern kommen Menschen mit ausländischen Wurzeln so schlecht weg, dass das Unterrichtsmaterial Integration eher erschwert als fördert. Foto: dpa

Stuttgart - Nach Stuttgart ist sie gerne gekommen – und in die Stadtbibliothek Stuttgart: Riem Spielhaus, Leiterin der Abteilung Schulbuch und Gesellschaft am Georg-Eckert-Institut in Braunschweig. „In Berlin-Neukölln wird Multikulti problematisiert. In Stuttgart haben 40 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund – und alle finden es gut“, sagte sie. Spielhaus sprach in der Reihe Einwanderungsland Deutschland über „Migration im Schulbuch“. Denn: Klassenzimmer werden kulturell vielfältiger, dies sollen die Bildungsmedien spiegeln.

Die Kultusministerkonferenz hatte 2013 empfohlen, dass Schule Vielfalt als Normalität und Potenzial für alle wahrnehmen und die vielschichtige, herkunftsbezogene Heterogenität der Schüler berücksichtigen solle. Im Jahr darauf führten daher die Forscher des Georg-Eckert-Instituts die Studie „Migration und Integration im Schulbuch“ durch. 65 aktuelle Schulbücher aus fünf Bundesländern wurden untersucht, wie diese sachlich, zeitlich, sozial, räumlich sowie pädagogisch-didaktisch Migration und Integration darstellen.

Klischees über Ausländer und Migranten

Die Ergebnisse zeigten unter anderem, dass die problematisierende, konfliktträchtig, krisenhafte Darstellung von Migration überwiegt. Unterschieden würde nicht bei unterschiedlichen Begriffen wie „Ausländer“, „Fremde“, „Migranten“ und „Menschen mit Migrationshintergrund“. „Migranten sind meist Armutsflüchtlinge. Illegale, Notleidende, herkunfts- und religionsbezogene Gruppenbezeichnungen werden als kulturalisierende Stereotype und undifferenziert verwendet – ,die Türken’ oder ,die Muslime’ “, so Spielhaus. Migranten würden als Hilfeempfangende dargestellt. „Menschen, die aufgrund ihrer Kompetenzen oder ihres Berufs im Ausland tätig sind, kommen quasi nicht vor.“

Die Forscher entwickelten daher Empfehlungen, die mit Mitarbeitern der Schulbuchverlage und deren Autoren – das sind meist Lehrer – diskutiert und zum Teil schon umgesetzt wurden. Dazu gehört etwa, dass Autoren mit Migrationshintergrund und ein kritisches Lektorat mit Fachleuten einbezogen werden sollten. „Auch Themen wie Diversität – das ist die gesellschaftliche Realität – , müssen qua Lehrplan in Lehrerausbildung und Fortbildung einfließen. Das vermissen übrigens viele Studierende“, so Spielhaus.