Steueraffäre Die Sparkassen planen ohne Fahrenschon

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Auf einem Krisentreffen in Hannover wollen die Sparkassen den Neuanfang einläuten. Niedersächsischer Sparkassenpräsident Mang hat gute Chancen, künftiger DSGV-Chef zu werden.

Hat keine Zukunft mehr als Sparkassenpräsident: Georg Fahrenschon Foto: dpa
Hat keine Zukunft mehr als Sparkassenpräsident: Georg Fahrenschon Foto: dpa

Berlin - Die Sparkassen haben ihrem amtierenden Präsidenten Georg Fahrenschon eine letzte Frist gesetzt: Wenn die Verbandsvorsteher am Dienstag zu einem Krisentreffen in Hannover zusammenkommen, wollen sie den personellen Neuanfang beschließen. Der über eine Steueraffäre gestolperte Fahrenschon, der einst bayerischer Finanzminister war, hat bis dahin Zeit, seinen Rücktritt einzureichen. Wenn er dieser Aufforderung nicht folgt, wird er abberufen. Selbst der bayerische Sparkassenverband, der Fahrenschon bis zuletzt gestützt hat, hat das Vertrauen verloren. Fahrenschon ist nicht mehr zu halten, lautet die einhellige Meinung in der weitverzweigten Sparkassenorganisation. Zu Unmut führt nicht nur das Steuerdelikt des 49-Jährigen. Weil er die Einkommen- und Umsatzsteuererklärungen bis zu vier Jahre später abgegeben hat, erließ die Münchner Justiz einen Strafbefehl. Dagegen will Fahrenschon vorgehen, doch das ist für die Sparkassen ohne Belang. Sie fühlen sich von ihrem Präsidenten hinters Licht geführt, weil er sich trotz der schweren Vorwürfe gegen ihn wieder wählen lassen wollte. Die Verbandsgremien ließ er über den Ärger mit der Justiz im Unklaren. Darin sehen die Sparkassen eine Täuschung.

Es gibt zudem Hinweise, dass die Steuerdelikte von größerer Tragweite sind als Fahrenschon eingeräumt hat. Es geht nicht nur um zu späte Einkommensteuerzahlungen. Als Aufsichtsratschef der Deka-Bank und der Berliner Sparkasse soll Fahrenschon Umsatzsteuer in Rechnung gestellt haben, die er erst Jahre später beim Fiskus abführte.

Der Neuanfang an der Spitze ist sicher

Der Neuanfang an der Spitze ist beschlossene Sache. Da Fahrenschons Amtszeit im Mai 2018 abgelaufen wäre, kann er keine hohe Abfindung erwarten. Auf dem Treffen in Hannover soll das weitere Vorgehen besprochen werden. Dem Vernehmen nach soll in Hannover noch nicht der künftige DSGV-Präsident gekürt werden. Nach Informationen unserer Zeitung ist eine Übergangslösung vorgesehen. Die gewählten Vizepräsidenten sollen Fahrenschons Geschäfte weiterführen: Das bringt den ersten Vizepräsidenten Thomas Mang, der Präsident des Sparkassenverbandes Niedersachsen ist, in eine herausgehobene Stellung. Ihm zur Seite stehen die Stellvertreter aus Baden-Württemberg und Hessen: Helmut Schleweis, Vorstandschef der Sparkasse Heidelberg, ist Obmann der Sparkassenvorstände. Herbert Hans Grüntker, Vorstandschef der Landesbank Hessen-Thüringen, vertritt im Präsidium die Landesbanken. Die Amtsführung liegt zunächst in den Händen dieser drei Herren.

Wie es dann an der Spitze weitergeht, soll später geklärt werden. Wie es aus Sparkassenkreisen zu erfahren ist, sei es für die Organisation klar, dass der neue DSGV-Präsident aus der Sparkassenorganisation kommen soll. „Es muss jemand sein, der die Organisation von innen kennt“, heißt es. Die Sparkassen begründen dies damit, dass die Steueraffäre Fahrenschons großen Schaden angerichtet habe. Auf ein Wagnis mit einem Seitenwechsler aus der Politik will sich die Gruppe nicht mehr einlassen. Damit zeichnet sich ab, dass der als Kandidat genannte Finanzstaatssekretär Michael Meister (CDU) kaum Chancen hat.

Vizepräsident Mang hat die größten Chancen

Wie Entscheidungen aus der Vergangenheit zeigen, dürfte einer der Vizepräsidenten die größten Aussichten haben. Nach Informationen unserer Zeitung ist Thomas Mang (57) aus Niedersachsen aussichtsreichster Bewerber. Er gilt als fachlich versiert und ist als DSGV-Vize mit allen Themen vertraut. Als Vorteil erweist sich auch, dass Mang bereits in der Zeit von 2000 bis 2003 als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DSGV tätig war. Allein seine Kontakte in die Bundespolitik seien ausbaufähig, ist zu hören. Mangs Name wird am häufigsten genannt. Der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider zählt nicht zum engsten Bewerberfeld. Er will, so ist zu hören, im Ländle bleiben. Als hoch qualifiziert und politisch gut vernetzt gilt Michael Breuer, Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes in Düsseldorf. Er verfügt über Erfahrungen in der Landespolitik. Doch nicht alle Gremienmitglieder sind von seiner Durchsetzungsfähigkeit überzeugt. Deshalb dürfte Thomas Mang aus Niedersachsen die besten Karten haben. Er machte zwar zuletzt beim Krisenmanagement um Fahrenschon keine gute Figur. Aber das wird weniger ihm, sondern Fahrenschon angelastet.