Stocamine Unter der Erde verrottet Giftmüll
Bärbel Nückles, 09.01.2011 18:24 Uhr
Seit dem Großbrand von 2002 ist es um Stocamine still geworden. Im Untergrund aber bewegt sich der Stollen. Foto: Darek Szuster
Seit dem Großbrand von 2002 ist es um Stocamine still geworden. Im Untergrund aber bewegt sich der Stollen. Foto: Darek Szuster
Stocamine - Der Stollen zerbröselt. Metallscharniere halten das glitzernde Massiv aus Salzstein zusammen und im Schacht nebenan stapeln sich bis unter die Decke die Säcke mit Sondermüll. 44.000 Tonnen Abfälle - asbest-, zyanid- und quecksilberhaltige Materie, verseuchte Erde, Elektroabfälle und verbrannter Hausmüll - lagern in einer stillgelegten Kalimine im elsässischen Wittelsheim, einem Städtchen im Nordwesten von Mühlhausen, knapp 30 Kilometer vom französischen Rheinufer entfernt.

Beim Blick über die Säcke von der erhöhten Position einer Trittleiter aus, lässt sich in der staubigen Luft das Ende des 230 Meter langen Stollens nur erahnen. In die untere Schicht haben sich die Holzpaletten zwischen den eine halbe Tonne schweren Säcken tief eingegraben. "Ideal ist das nicht", gesteht der Generaldirektor von Stocamine, Bernard Gensburger. Jedenfalls sieht es aus, als ob sie sich nur unter großen Schwierigkeiten wieder trennen ließen.

Stocamine heißt Frankreichs größte Sondermülldeponie unter Tage. Ihr Name ist eine Kombination aus den französischen Wörtern für Lagerung und Bergwerk. Seit dem 10.September 2002 ist er mit dem verheerenden Brand in einem der Stollen der Kalimine Joseph-Else verbunden. Erst nach zwei Monaten gelang es den Löschtrupps, den Brandherd aus asbesthaltigen Dachteilen und Müll aus einer Fabrik für Pflanzenschutzmittel, die miteinander reagiert hatten, zu tilgen. Seither ruht der Lagerbetrieb. Ein Prozess gegen die Betreiberfirma endete mit der Verurteilung des verantwortlichen Direktors zu einer Bewährungsstrafe. Er hatte eine Ladung angenommen, für die Stocamine keine Genehmigung hatte.

Nicht nur die verbliebenen 16 Angestellten von Stocamine - die meisten sind ehemalige Minenarbeiter - warten bis heute auf eine Entscheidung. Auch die Öffentlichkeit wurde spätestens im Frühjahr 2010 auf den Missstand aufmerksam. Zuerst warnte die regionale Umweltbehörde vor der Gefahr für das Grundwasser am Oberrhein, die aus dem unterirdischen Giftmülllager droht. Im Spätsommer bekräftigte eine Untersuchung des französischen Bergbauinstituts das Szenario. "Dass das Grundwasser eines Tages die Oberhand gewinnt, ist kein Risiko, sondern ein Naturphänomen", sagt Bernard Gensburger durch seine Atemschutzmaske. Er verrät ein offenes Geheimnis, wenn er in seiner sehr unaufgeregten Art sagt: "Es gibt zwei Arten von Bergwerken: solche, die schon unter Wasser stehen, und solche, denen das noch bevorsteht."

Kommentare (1)
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JAN
10
SAM, 09:01 Uhr

Unters Sofa kehren ...

Ich bin für Recycling, Wiederaufbereitung, geschlossene Kreisläufe, Müllvermeidung. Das Verscharren unter der Erde ist keine gute Lösung.