Stolpersteine Schild ist keine Volksverhetzung

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Der lange Streit um zwei Stolpersteine in Heslach scheint endgültig erledigt. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart verfolgt eine Anzeige nicht weiter.

An diesen Stolpersteinen hat sich ein Streit entzündet. Foto: Steinert
An diesen Stolpersteinen hat sich ein Streit entzündet.Foto: Steinert

Stuttgart - Die Staatsanwaltschaft Stuttgart verfolgt eine Anzeige gegen ein Heslacher Ehepaar, das sich seit Herbst 2010 gegen zwei Stolpersteine vor seinem Wohnhaus wehrt, nicht weiter. Das Schild, das das Ehepaar als Gegenentwurf gegen die Stolpersteine angebracht hat, erfülle nicht den Tatbestand der Volksverhetzung, schreibt die Staatsanwaltschaft jetzt.

Zivilrechtlich gescheitert

Die Stolperstein-Initiative Süd hatte im Oktober 2010 zwei Gedenkwürfel für die jüdischen Mitbürger Max und Mathilde Henle verlegt; nach ihren Recherchen war die Hohentwielstraße der letzte freiwillige Wohnsitz der Henles vor ihrem Umzug 1939 in ein sogenanntes Judenhaus. Max Henle starb 1942 im Sammellager auf dem Killesberg, Mathilde Henle kurz darauf in Theresienstadt. Das Ehepaar Erbslöh sah in den Stolpersteinen eine ungerechtfertigte Schuldzuweisung an ihre Vorfahren; den Henles sei damals fristgerecht wegen Eigenbedarfs gekündigt worden. Eine zivilrechtliche Klage gewann das Ehepaar aber nicht. Daraufhin brachte es das Schild an: „Hier wohnten unbehelligt Max und Mathilde Henle 1.4.1932 bis 30.3.1939“. Der Kölner Historiker Hans Hesse zeigte das Ehepaar daraufhin im Januar an.

Differenzierte Begründung

Die Begründung der Einstellung des Verfahrens ist differenziert. Darin heißt es: Das Verhalten des Ehepaars sei „historisch und moralisch fragwürdig, und es erscheint abstrakt geeignet, nationalsozialistisches Unrecht zu verharmlosen.“ Die Darstellung „unbehelligten“ Lebens werde den Lebensbedingungen jüdischer Mitbürger Ende der 1930er Jahre „kaum gerecht“. Da sich die Tafel aber alleine auf die Wohnsituation der Henles in der Hohentwielstraße beziehe, könne nicht mit der notwendigen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass vorsätzlich nationalsozialistisches Unrecht verharmlost werden sollte. Das Ermittlungsverfahren ist deshalb eingestellt worden. fal

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9 KommentareKommentar schreiben

Bitte differenziert betrachten.: Mit pauschalen Aussagen wird man zuweilen den Begebenheiten zwischen 1933 und 1939 nicht gerecht. Ein Hinweis: Marcel Reich-Ranicki legte 1938 sein Abitur in Deutschland ab.

Diese Klage ist das allerletzte!: Hat dieser sogenannte 'Historiker' nichts besseres zu tun?

Klemperer lesen!: Wer meint, dass Juden in Deutschland zwischen 1933 und 1939 'unbehelligt' waren, sollte dringend die Tagebücher von Victor Klemperer lesen. Tatsache ist, dass in dieser ganzen Zeit jüdische Deutsche mit Programm und Nachdruck in ganz Deutschland schikaniert, entrechtigt, enteignet und mit Gewalt überzogen wurden. Wer so etwas leugnet, nimmt automatisch Sicht und Seite der Täter ein. Abscheu!

Stolpersteine: Die Stolpersteine sind dezent in den Gehweg eingelassen worden und machen das Schicksal jüdischer Mitbürger in unserer Stadt während der NS Zeit sichtbar. Ich finde das wichtig und gut. Man kann sich ja vorstellen wessen geistes Kind in einem Wohnt wenn man sich gegen das Erinnern derart zu Wehr setzt.

Affenzirkus: Die Einstellung des Verfahren sehe ich als richtig an. Allerdings, wenn dem Gericht nichts anderes als so eine dämliche 'Begründung' einfällt,..fällt mir nicht mehr ein. ....Aber, das hat nichts zu sagen, mich wundert in dem 'Recht-Staat' schon längst nichts mehr.

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