Streik am Flughafen Stuttgart Lange Schlangen vor der Sicherheitskontrolle

Von bb/dpa 

Seit 3 Uhr am Morgen streikt das Sicherheitspersonal am Flughafen Stuttgart. Vor der Sicherheitskontrolle hatte sich schon am frühen Morgen eine lange Schlange gebildet. Am Vormittag entspannte sich die Lage, Reisende sollten aber den ganzen Tag mehr Zeit einplanen.

Am Freitag müssen Reisende am Flughafen Stuttgart mehr Zeit einplanen: Das Sicherheitspersonal streikt, am Security-Check kam es zu langen Wartezeiten. Foto: www.7aktuell.de | Florian Gerlach 21 Bilder
Am Freitag müssen Reisende am Flughafen Stuttgart mehr Zeit einplanen: Das Sicherheitspersonal streikt, am Security-Check kam es zu langen Wartezeiten.Foto: www.7aktuell.de | Florian Gerlach

Stuttgart - Fluggäste in Stuttgart müssen sich am Freitag in Geduld üben. Im Tarifkonflikt um die Bezahlung der 19.000 Beschäftigten der Wach- und Sicherheitsbranche im Südwesten bestreikt die Gewerkschaft Verdi seit 3 Uhr am Morgen den Stuttgarter Flughafen. Bereits am frühen Morgen hatten sich lange Schlangen vor der Sicherheitskontrolle gebildet. Wegen des Ausstands waren die Sicherheitschecks lediglich an einem von drei Terminals möglich.

Gegen 7.20 Uhr hatten an die 2000 Passagiere auf ihre Abfertigung gewartet, die Verspätung bei den Abflügen betrug am Morgen 15 bis 20 Minuten, zu Ausfällen im Flugverkehr kam es aber nicht. Da freitags viele Wochenendpendler fliegen, ist der Andrang dem Flughafen zufolge an diesem Tag entsprechend größer als an anderen Werktagen.

Am Vormittag hatte sich die Lage etwas enspannt, nachdem die Morgenflüge abgehoben hatten. "Die Schlagen an der Abfertigung haben sich abgebaut, momentan läuft es relativ rund", so eine Flughafensprecherin. "Wir hoffen, dass es über den Tag so bleibt." Insgesamt waren für den Tag 239 Flüge geplant, mehr als 10.000 Passagiere bekamen den Ausstand zu spüren. Der Airport verteilte Getränke an die Wartenden.

Passagiere sollten mehr Zeit einplanen

Passagieren wurde geraten so früh wie irgend möglich am Flughafen zu sein und sich vorher über mögliche Verspätungen zu informieren. Der Check-in des Stuttgarter Flughafens öffnet um 4 Uhr, um 6 Uhr kann der erste Flieger abheben.

Auch für den Nachmittag, wenn der Flugplan wieder dichter wird, rechnete der Flughafen mit längeren Wartezeiten. Der Ausstand soll bis 22 Uhr dauern. Betroffen sind sowohl Personalkontrollen als auch die der Passagiere sowie die Frachtkontrollen, hieß es bei Verdi.

"Lohnforderung nicht angemessen"

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft kritisierten den Warnstreik als unverhältnismäßig. „Verdi instrumentalisiert die Sicherheitskontrollen an Flughäfen für ihre überhöhten Forderungen“, erklärte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch. In dieses Horn stieß auch Flughafen-Geschäftsführer Walter Schoefer. Die Lohnforderung sei weder wirtschaftlich angemessen noch der Tätigkeit entsprechend, erklärte er. „Zu streiken ohne jede Vorankündigung und das über einen kompletten Flugtag, ist ebenfalls außer Verhältnis und für die Fluggäste nicht zumutbar.“

Die Verhandlungen in dem Tarifstreit waren im Dezember ohne Ergebnis abgebrochen worden. Ziel der Gewerkschaft ist es, den Stundenlohn der untersten Lohngruppe von 9,20 Euro auf zehn Euro anzuheben. Die Arbeitgeberseite habe Lohnsteigerungen ab Januar um 2,7 Prozent und um weitere 2,6 Prozent von 2016 an geboten. Dieses Angebot sei aber nicht akzeptabel, da die Beschäftigten in der Sicherheitsbranche damit weiter im Niedriglohnbereich blieben, hieß es bei Verdi. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Dienstag (20. Januar) angesetzt.

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7 Kommentare Kommentar schreiben

Wie viel Leid und Angst für eine handvoll Taler?: Wenn man sich nochmal einverleibt, welchem Druck alle Mitarbeiter am Airport und nicht nur hier, sondern in vielen Firmen täglich Stand halten sollen, Schikanen ausgesetzt sind, vor Angstsprühern, Fallensteller und Petzern inneres Fracksausen bekommen, dann wäre für mich so gesehen sogar schon fast ein Schmerzensgeld fällig. Dann aber nach Hause kommen, müde und ausgelaugt der Familie entgegen treten und am Monatsende auch noch Rechenkünstler spielen müssen, dann ist die Arbeitswelt schon eine andere, als es bei den heutigen Rentner und deren Erzählungen früher war. Wer geht heute noch gerne freiwillig zur Arbeit? (gute Arbeitnehmer gibt es Gott sei Dank noch viele!) Eigentlich schade, denn ein Miteinander ist immer positiver, als ein sich gegenseitiges Ausspielen. Doch hierzu ein kleiner Beitrag, der nicht uninteressant ist. +++ http://www.welt.de/wirtschaft/article114509375/Zehntausende-verstecken-Depression-vor-dem-Chef.html+++ Frage: Muss das sein? Sollten wir alle miteinander mal einen anderen Kurs nehmen, um so mehr Produktivität zu produzieren? Wertschätzung, das ist es für mich, was den Kohl hier fett machen könnte. Nur so ein Gedanke von einem Motzkigele

So, so?: Dann schraubt mal die Gehälter der oberen Etagen etwas herunter, dann klappt es auch mit den Gehälter für die Menschen, die Eure Drecksarbeit leisten. Einfach mal ein Fairplay in der Verteilung der Einnahmen. Wer Gewinne erwirtschaftet und seine Mitarbeiter nicht wertschätzt, der benötigt nun mal einen Streik vor der eigenen Haustür. Streiks sind so nötig, wie eine Notoperation, wenn es darum geht, wieder gesund zu werden. Also? Wenn der Virus im Unternehmen angekommen ist, ist eine Heilung nur möglich, wenn mit klarem Kopf und angemessenen Angeboten am Verhandlungstisch darüber entschieden wird. Arbeitnehmergesetze sind ebenso einzuhalten, wie die Verträge der Arbeitgeber (sofern diese in Ordnung sind!). Wenn der Streik vor der eigenen Haustüre angekommen ist, ist schon lange der Wurm drin. Was wollt ihr dann? Ruhe oder Aufstand? Von dem großen Kuchen (Gewinn) hat der Arbeiter auch sein Recht, nicht nur Krümels zu ernten! Ohne die Arbeiter, wäre jeder Unternehmer auf sich allein gestellt. Die Wertschätzung der Mitarbeiter und die dafür saubere und faire Entlohnung ist es, warum die Menschen mit der Gewerkschaft vor die Türe treten. Streikbrecher und wie in diesem Fall die Passagiere haben sind in dem Moment zu ignorieren, denn hier geht es einzig und allein um die private Existenz jedes Mitarbeiters und diese ist genauso zu respektieren, wie das Überleben eines Unternehmers. Wer seit Jahren fette Gewinne erntet, soll nicht klagen! Hier muss ganz klar eine gesunde Balance her, um so wieder Frieden in die Stube des Unternehmens zu bekommen. Nur ein Miteinander ermöglicht dies. Allen Beteiligten wünsche ich nun gute Nerven und viel Erfolg. Gruß vom mitfühlenden Motzkigele

Streik - ein Zeichen für einen Virus im Unternehmen: Immer, wenn in einem Unternehmen rechtlich ein Ungleichgewicht entstanden ist, hat das Unternehmen quasi einen Virus. Sei es die Arbeitsbedingungen, oder die Entlohnung. Dafür ist eigens und allein der Arbeitgeber verantwortlich. Nur eine Gewerkschaft kann da der Arbeiterwelt den Rücken stärken. Die Tatsache, dass die Wertschätzung der Arbeiter in großen Unternehmen immer mehr in den Keller gefallen ist und die oberen Etagen mit den Gehältern von der Schaffenskraft (Gewinn) profitieren, ist schon seit langem Standard. Nur warum leisten sich große Unternehmen solch eine haarsträubende Firmenpolitik? Warum wird die Wertschätzung der Mitarbeiter so mit Füßen getreten? Warum muss es also dann zu einem Streik kommen? Meines Erachtens, weil die Arbeitgeber es provozieren. Wenn ein Streik ins Hause kommt, ist der Infarkt bereits vorhanden. Nur mit Hilfe einer Gewerkschaft ist es möglich, hier für einen fairen Ausgleich zu sorgen. Ich sehen einen Streik so wichtig an, wie eine nötige Operation an einem kranken Menschen. Wenn es dazu dient, dass der Arbeiter so die Möglichkeit hat, wieder Wertschätzung zu erfahren (Arbeitnehmergesetze sind keine Schikane und sind genau so zu respektieren, wie selbstverständlich auch die, der Arbeitgeber!), dann finde ich es gut, dass es Gewerkschaften gibt. Nur sie sind es, die als Streitschlichter an die Spitze treten, um so im Unternehmen für klare Fronten zu sorgen. Schon seit Jahrzehnten haben sie für uns Arbeiter das erwirtschaftet, auf dem sich Millionen von Arbeitern stützen können "Tarifverträge"! Spielregeln gehören auch in die Arbeitswelt und die sind es, von "beiden Seiten" eingehalten zu werden. Wie viele Großunternehmen hier mutwillig daran arbeiten, diese auszuhebeln, ist uns allen hinreichend bekannt. Deshalb finde ich, die Wertschätzung der Arbeitgeber seinen Arbeitern gegenüber so wichtig und deshalb ist es nötig, gerade durch einen Streik, hier dem Arbeitnehmer klar zu signalisieren "Hallo, Virus an Board!". Ein Streik ist, wie Herr Wuttig schon sagte "Kein Werfen mit Wattebällchen" . Einsicht und annehmbare Angebote und dann zurück an den Verhandlungstisch! Es geht um die private Existenz der Arbeiter! Allen Beteiligten wünsche ich nun viel Glück! Gruß vom Motzkigele

Das rote Jäckchen...: Und schon zieht man schnell das rote Jäckchen an und verbreitet gediegenes Halb- (oder Nicht-)Wissen. Von "rechtlichem Ungleichgewicht", "fetten Gewinnen" und "hohen Gehältern der oberen Etagen" ist die Rede. Fangen wir mal mit den fetten Gewinnen an, die aber so fett leider nicht sind (dies zu wissen bedingt aber, Geschäftsberichte lesen zu können). Womit sonst, als mit diesen "fetten" Gewinnen sind privatwirtschaftliche Unternehmen heute in der Lage, Investitionen zu tätigen, die sowohl der Aufrechterhaltung des Betriebes als solches als auch den Mitarbeitern im Einzelnen zugute kommen? Flat-TV im Aufenthaltsraum, Wasserspender, steuerfreie Shopping-Card, betriebliche Altersvorsorge...was hätte Frau KIenzle denn noch gerne? Vielleicht einen Dienstwagen für jeden? Auch bei den Gehältern muß irgendwas an mir vorbei gegangen sein. Sollten tatsächlich die anmaßenden 17,50 €/Std. für einen Luftsicherheitsassistenten §5 zum Tragen kommen, so verdient ein LuftAss mit 180 h im Monat (weniger arbeitet ein Stationsleiter z.B. mit Sicherheit nicht) zuzüglich 44,- € steuerfreie Zahlung auf die Shopping-Card (hat ein Stationsleiter nicht) und zuzüglich der einschlägigen Schicht- und Wochenendzuschläge (hat ein Stationsleiter auch nicht) nur noch unwesentlich weniger als der Chef des Ladens. Herzlichen Glückwunsch! Ginge es nur um die Anhebung der untersten Lohngruppe von 9,20 auf 10 €, so könnte sich ja noch Verständnis regen und der Streik im weiteren Sinne als Solidaritäts-Streik gewertet werden. So aber beginnt dieses Verständnis bei mir deutlich zu bröckeln. In 2011 lag dieser Stundenlohn noch bei 11,- €. Wasser predigen und Wein saufen...dieser Satz fällt mir da ein, wenn ich mir die mäßige Prozeßtiefe dieser Tätigkeit und die zuweilen gebotene Qualität betrachte. Ich weiß ja nicht, von welchem Flughafen SIE reden, Frau Kienzle...aber vom Stuttgarter Flughafen bestimmt nicht.

Luftsicherheit: Herr Heßelmann, ehemaliger Stationsleiter des Flughafen Stuttgart, eigentlich wundern mich solche Worte von Ihnen nicht! Trotzdem Respekt sowas auch noch öffentlich zu posten! Spricht da der Neid? Oder ist es die Frage, ob Sie selbst lieber an der Kontrollstelle geblieben wären. Ach ne, in den 2 Monaten, in denen Sie mit dem "Fußvolk" gearbeitet haben, haben Sie ja schon gesehen, dass die Arbeit weder psychisch noch physisch belastend ist. Das ist ja wohl ein schlechter Scherz. Hätten Sie sich mehr für Ihre Mitarbeiter interessiert, wäre Ihnen vielleicht auch nicht entgangen, dass sehr viele schon jahrelang Frühschicht machen, der Lärmpegel in manchen Terminals kaum auszuhalten ist und vieles mehr. Und die 6 Wochen Schulung sind ja laut Ihnen auch ein Witz...

Hätte man das früher gewusst!: Oh, der werte Herr Heßelmann ist also bekannt als ein unguter Kollege? Nun, wie er hier schreibt, kann man sich sicher sein, dass er eher für Stress und Hektik sorgt, als ein Verständnis für die Menschen, die im Akkord und unter ständigem Hochdruck, sowie der ständigen Gefahr (Terror wollte ich nicht aussprechen!) ihre Arbeit verrichten. Oh herrje, solche sieht man dann gerner von hinten, als an der Front. Im übrigen habe ich mir sagen lassen, dass nach der 6 wöchigen Schulung die Polizei die Prüfung abnimmt. Ergo? Was will er denn? Solche sind mit Sicherheit wie Sand im Getriebe und sorgen wenig für Ruhe in einem Unternehmen. Schade, unendlich schade. Aber Fakt wiederum ist doch auch, dass viele nur Jahresverträge haben und einige doch fest angestellt sind. Was mögen jene wohl über den geschriebenen Kommentar von Herrn Heßelmann denken. Ich will´s gar nicht erst wissen, welches Zeugnis er da auf den Tisch geknallt bekäme! Ihnen noch ein angenehmes Arbeiten am Airport wünscht das Motzkigele

Sind Sie gar unzufrieden mit Ihrem Verdienst?: Ja, ich rede vom Manfred Rommel Airport! Ihre kollegiale Einstellung "wenn ich mir die mäßige Prozeßtiefe dieser Tätigkeit und die zuweilen gebotene Qualität betrachte." ist schon beeindruckend! Oh wie diese Aussage klingt? Wie viel Gift? Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Gehalt, dem Umfeld, den Kollegen? Gönnen Sie manchen nicht die Butter auf dem Brot? Die Menschen in den roten Jäckchen benötigen schlicht einfach mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen. Punkt! Das Berufsleben ist kein Schlotzer und bedarf nach getaner Arbeit Bargeld und nicht nur einen warmen Händedruck. Bekommen Sie gelegentlich auch Genickstarre, wenn sie so oft nach unten blicken müssen auf die, die Ihres Erachtens ungeeignet sind und eigentlich froh sein müssten, überhaupt am Airport arbeiten zu dürfen? Es sind alles Bruttolöhne, die je nach Steuerklasse schlicht und ergreifend dann mit dem Nettogehalt zum Leben reichen sollten. Die Lebenshaltungskosten, sowie die Mieten bekommen die Leute mit den roten Jäckchen leider nirgendwo um sonst. Oft hängen Familien mit Kindern an diesem Einkommen. Auch egal? Na, lieber Herr Heßelmann, Sie haben aber ganz viel Verständnis für die Kollegen, die bald vielleicht mit dem Dienstwagen zur Arbeit kommen. Dann aber bitte mit freiem Parkplatz und einem Shuttle Service zum Arbeitsplatz. Ach, ein Diensthandy hätte ich fast noch vergessen! Freiflüge wären auch nicht schlecht! Mal sehen, was Verdi da rausholt. Was meinen Sie dazu? Etwas mehr Verständnis wäre schon angebracht. Nun, ich wünsche den Kollegen trotzdem von ganzem Herzen viel Glück bei der Tarifverhandlung. Sie auch? Geben Sie sich doch einen Ruck! So schwer kann das doch nicht sein. Oder? Gruß vom Motzkigele

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