Streit beim VfB Stuttgart Zwei Vollblutstürmer und ein Problem
Heiko Hinrichsen, 29.10.2011 10:02 Uhr
Trotz Aussprache: Freunde fürs Leben werden Cacau und Martin Harnik (links) wahrschinlich nicht mehr. Foto: Baumann
Trotz Aussprache: Freunde fürs Leben werden Cacau und Martin Harnik (links) wahrschinlich nicht mehr. Foto: Baumann
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Stuttgart - Es liegt an den Auswüchsen des Profifußballs, dass der Radioreporter in der Interviewzone der Mercedes-Benz-Arena nach dem glatten 3:0-Pokalerfolg des VfB über den FSV Frankfurt ohne eine Einschätzung von Martin Harnik auskommen musste. Schließlich fühlte sich der österreichische Nationalspieler in Diensten der Stuttgarter beim Anblick des Radiomannes an seine "unglückliche Minute" von Kaiserslautern erinnert.

Auf dem Betzenberg hatten die Stuttgarter Ende September ebenfalls sicher mit 2:0 gewonnen und konnten so ihre bis heute anhaltende Erfolgsserie manifestieren. Dennoch denkt der 24-jährige Harnik nicht gerne an den Nachklapp der Partie im Fritz-Walter-Stadion zurück. Denn die mit vier Bundesligatreffern und zwei Vorlagen erfolgreichste Offensivkraft hatte damals (unbewusst?) die Aufmerksamkeit auf ein VfB-Problemfeld gelenkt, dass bis heute nicht erfolgreich bearbeitet worden ist. Dabei geht es um den Kollegen Cacau.

Erst an der Seite von Mario Gomez fügte sich Cacau

"Er ist ein Vollblutstürmer. Wenn er selbst keine Tore schießt, dann ist er unzufrieden. Ich glaube, er lernt auch nicht mehr, dass er da auch mal mit dem Mannschaftserfolg zufrieden sein kann", das hatte Martin Harnik damals ins Mikrofon von Die Neue 107,7 gesagt - und damit ein Thema angestoßen, dass der Boulevard genüsslich als "Ego-Vorwurf" von Harnik gegen Cacau ausschlachtete. Dies geschah, obwohl Cacau auf dem Betzenberg das 1:0 gelungen war.

Schließlich ist der VfB-Kapitän Cacau auf dem Feld der persönlichen Eitelkeiten bereits vorbelastet. Schon zu Beginn seiner Stuttgarter Zeit sah sich der dienstälteste VfB-Profi, der 2003 aus Nürnberg kam, häufiger mit dem Vorwurf konfrontiert, er würde zuweilen nicht auf den besser postierten Nebenmann abspielen. Erst an der Seite von Mario Gomez fügte sich Cacau, geboren im brasilianischen SØo André, auch in die Rolle des Zuarbeiters - und wurde prompt deutscher Nationalspieler.

Harnik hat aus dem Interview gelernt

Neue Nahrung erhielt der aktuelle, vermeintliche Zwist zwischen Cacau und dem Kollegen Harnik im Spiel gegen Hoffenheim. Beim Stand von 2:0 kam der Deutsch-Brasilianer dem Deutsch-Österreicher derart in die Quere, dass Letzterer die große Chance vergab. "Natürlich habe ich mich da schwarzgeärgert", erklärt Martin Harnik, der mit dem Kollegen im Spiel bereits häufiger verbal aneinandergeraten ist, "denn ich hätte gerne das Tor gemacht. Es war eine falsche Entscheidung von Cacau, aber bestimmt kein Egoismus. Wir alle machen Fehler."

Überhaupt könne von einem angespannten Verhältnis zwischen den beiden VfB-Offensivkräfte keine Rede sein, versichert Harnik. Nach dem Hoffenheim-Spiel habe man sich ausgesprochen ("Cacau weiß selbst, dass er da besser weggeblieben wäre"). Und aus seinem Radiointerview von Kaiserslautern habe er selbst für die Zukunft gelernt. "Das war ja mit einem Lächeln gemeint", erklärt Harnik, "doch ich weiß jetzt, dass solche Dinge nicht in die Öffentlichkeit gehören."

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