Streit in Weinstadt beigelegt Geocacher und Jäger klären Reviergrenzen

Von Holger Niederberger 

Nach intensiven Debatten bleibt Geocachen in Weinstadt eingeschränkt möglich.

Nachdem sich Jäger und Geocacher verständigt haben, gelten jetzt klare Regeln im Wald. Foto: Pascal Thiel
Nachdem sich Jäger und Geocacher verständigt haben, gelten jetzt klare Regeln im Wald. Foto: Pascal Thiel

Weinstadt - Das Geocaching bleibt in Weinstadt erlaubt – jedoch mit Einschränkungen. Künftig dürfen Caches nur noch bei Tageslicht und höchstens drei Meter rechts und links von Waldwegen ausgelegt und gesucht werden. Sollten bereits ausgelegte Caches diesen Regelungen nicht entsprechen, werden sie entfernt. „Damit ist das erste Konfliktthema jetzt bereinigt“, resümiert Gerhard Senss. Der begeisterte Geocacher aus Weinstadt war einer der Teilnehmer, die von Oberbürgermeister Michael Scharmann kürzlich gemeinsam mit Vertretern der Jägerschaft zu einem Runden Tisch eingeladen wurden. Sie wollten einen Kompromiss aushandeln, nachdem der Wald zur Konfliktzone geworden war. „Uns ging es in vor allem darum, die Vorurteile uns Geocachern gegenüber abzubauen“, erklärt Gerhard Senss. Auch solle geklärt werden, „wo wir unserem Hobby nachgehen können, ohne dabei Tiere zu stören oder uns gar selbst in Gefahr zu bringen.“ Aus Sicht der Jägerschaft verlief die Gesprächsrunde sehr harmonisch: „Wir haben überaus einvernehmlich diskutiert und sind mit dem Ergebnis vollauf zufrieden“, erklärt der Ehrenkreisjägermeister Günther Heissenberger aus Weinstadt.

Moderne Schnitzeljagd mit GPS

Das mittlerweile weit verbreitete Hobby Geocaching ist eine Mischung aus Schatzsuche und Schnitzeljagd, die durch moderne GPS-Technik unterstützt wird. Ein Geocacher legt einen Cache aus, indem er eine wasserdichte Dose an einem beliebigen Ort in der Natur versteckt und danach die Koordinaten des Verstecks auf einer Geocaching-Plattform im Internet veröffentlicht. Andere Cacher suchen diese Dosen dann mit Hilfe von GPS-Geräten, tragen ihren Besuch in ein Logbuch vor Ort ein und verstecken die Dose dann wieder am selben Platz für den nächsten Geocacher.

„Uns geht es dabei nicht, wie oft behauptet wird, nur um die Caches“, hebt Gerhard Senss hervor, „uns liegt auch der Umweltschutz sehr am Herzen. Wir sehen die Natur eben aus eine ganz anderen Perspektive.“ Genau diese Sichtweise wurde allerdings von der örtlichen Jägerschaft als ein Problem gesehen. Sie hatte kritisiert, dass die Schatzsucher nachts mit Stirnlampen durch den Wald zögen und auf Bäume kletterten, um die im Dunkeln fluoreszierenden Caches zu finden. Da diese Aktionen zudem in einer Schutzzone für Schwarzwild und Rehe liegt, hatte die Stadt Geocaching in dem betroffenen Gebiet rund um den Karlstein untersagt. Daraufhin hatte die Plattform geocaching.com Weinstadt jedoch komplett als Sperrgebiet ausgewiesen. „Ich habe daher veranlasst, dass das Caching auch weiterhin genehmigungsfrei erfolgen kann“, stellte Oberbürgermeister Michael Scharmann dazu im Februar diesen Jahres fest.

Kommunikation ist alles

Bei der Gesprächsrunde mit den Vertretern der beiden grundverschiedenen Leidenschaften habe man sich „in einem guten Einvernehmen auf verschiedene Kompromisse geeinigt, um auch weiterhin ein gutes Miteinander zu pflegen“, stellte Weinstadts Pressesprecher Jochen Beglau hinterher fest. Um Missverständnissen in der Zukunft vorzubeugen, vereinbarten alle Beteiligten eine „konstruktive Kommunikation der kurzen Wege“, so Jochen Beglau. Beide Seiten haben für die Zukunft gemeinsame Aktionen wie Reinigungsaktionen verabredet und wollen sich dann über ihre Praxiserfahrungen austauschen. „Ich freue mich, dass wir nun eine einvernehmliche Lösung gefunden haben, die alle Seiten zufriedenstellt“, bilanziert Michael Scharmann seinen Runden Tisch. „Daran wird deutlich, wie wichtig es ist, im direkten Gespräch miteinander Lösungen zu erarbeiten.“ Wie lange der Frieden im Wald anhält, bleibt jedoch abzuwarten.