Streit mit der Bahn Ein Brunnen weniger in Peterstal

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Die Freyersbacher Schwarzwaldquellen in Bad Peterstal-Griesbach stellen den Betrieb ein und geben der Bahn AG die Schuld. Die hat ihre Schienenwege mit Herbiziden frei gehalten, die die Quelle verunreinigten.

Mit  dem Verkauf von Mineralwasser ist erst mal Schluss: die Freyersbacher Schwarzwaldwuellen machen zu. Foto: dpa
Mit dem Verkauf von Mineralwasser ist erst mal Schluss: die Freyersbacher Schwarzwaldwuellen machen zu.Foto: dpa

Bad Peterstal-Griesbach - Ausgerechnet im 175. Jubiläumsjahr soll Schluss sein: Die Freyersbacher Schwarzwaldquellen in Bad Peterstal-Griesbach (Ortenaukreis) werden ihren Betrieb bis Ende September einstellen. In einer Erklärung gibt das Freyersbacher-Team die Schuld dafür der Deutschen Bahn AG. Der jahrelange Rechtsstreit mit dem Unternehmen mit siebenstelligen Anwalts- und Gerichtskosten habe den Ausschlag gegeben, den „langen Kampf“ aufzugeben, sagte Bernd Raebel, der Geschäftsführer der Göppinger Brunnen-Union. Zu diesem Verbund gehört Freyersbacher seit 1981 und damit zu den Marken Aqua Römer, Deit, Römerquelle und Göppinger.

Bereits seit 23 Jahren stehen der älteste Peterstaler Mineralbrunnen und die Bahn AG in einem Rechtsstreit. Die Bahn hatte für die Freihaltung ihrer Schienenwege bei Bad Peterstal Unkrautvernichtungsmittel mit den Wirkstoffen Bromazil und Hexazinon verwendet. Diese Herbizide seien laut Geschäftsführer Raebel ins Tiefenwasser eingedrungen, „und kontaminierten dabei auch einen großen Teil unserer Mineralquellen“. Andere Brunnen waren nur geringfügig betroffen, aber Freyersbacher konnte viele Quellen nicht mehr nutzen, die chemische Landesuntersuchungsanstalt hatte sie stilllegen lassen. Den Wassermangel habe man „nicht annähernd“ kompensieren können, betont Raebel.

Der Streit über die Höhe des Schadenersatzes geht weiter

Das Unternehmen verklagte die Bahn auf Schadenersatz und bekam vor dem Bundesgerichtshof am 31. Mai 2007 im Grundsatz recht, doch habe die Bahn bisher nur einen geringen Teil der Kosten übernommen, der Streit geht weiter. Die Unsicherheiten und die hohen Verfahrenskosten hätten Investitionen in eine neue Abfüllanlage für PET-Flaschen verhindert. Jetzt sei für die anderen Mitglieder der Brunnen-Union eine Situation entstanden, da eine weitere Verlustübernahme auch die wirtschaftlich gesunden Betriebe gefährdet hätte. Ein Sprecher der Bahn in Stuttgart wollte die Entscheidung nicht kommentieren, wies aber darauf hin, dass für rund 3,3 Millionen Euro „die nachgewiesenen Schäden ersetzt wurden“. Strittig sei nach wie vor die Höhe des entgangenen Gewinns, Freyersbacher habe darüber jedoch „exorbitant hohe Vorstellungen“.

Gewerkschaft: Der Streit ist nur die halbe Wahrheit

Die Gewerkschaft Nahrung-Gaststätten-Genuss hält die Begründung nicht für plausibel, der kostspielige Rechtsstreit sei allenfalls die halbe Wahrheit. „Die Schließung wäre nicht nötig gewesen, aber man hat versäumt, den Brunnen strategisch neu aufzustellen, und hat ihn stattdessen vor sich hingammeln lassen“, geht der Gewerkschafter mit der Geschäftsführung hart ins Gericht. Man habe viel zu wenig Geld für Technik, aber auch für Marketing ausgegeben, noch nicht einmal eine Kampagne für das 175. Jubiläumsjahr sei geplant gewesen. Die Vorwürfe weist der Brunnen-Union-Geschäftsführer zurück. Man habe wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, „aber irgendwann ist mal alles ausgereizt“, sagt Bernd Raebel.