Streit um Fundtiere Blaue Briefe aus dem Tierheim

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Bisher kassieren die Tierschutzvereine im Kreis Göppingen zehn Prozent der Hundesteuer. Jetzt fordern sie mehr Geld von den Gemeinden und drohen damit, sonst keine Fundtiere mehr aufzunehmen.

Die Aufnahme von Fundhunden ist auch ein finanzielles Problem. Foto: StZ
Die Aufnahme von Fundhunden ist auch ein finanzielles Problem.Foto: StZ

Göppingen - Nicht alle Tiere sind so teuer wie Grisu. Nachdem der junge Windhund-Jagdhund-Mischling im Dezember im Göppinger Tierheim abgegeben worden war, stellte sich heraus, dass er an einem angeborenen Herzfehler litt. Es folgte eine Operation für 1200 Euro. Andere Tiere müssen nur entwurmt und kastriert werden. Doch auch da komme oft ein dreistelliger Betrag zusammen, der die Kasse belaste, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Uschi Noll. Hinzu addierten sich Kosten für Futter, Tierpfleger und Gebäudeunterhaltung. „Wir leben vom Ersparten.“ 60 000 Euro habe man im vergangenen Jahr vom Sparbuch nehmen müssen.

Kündigung zum Jahresende

Den beiden anderen Aufnahmestellen für Fundtiere im Kreis Göppingen, der Katzenhilfe Donzdorf und dem Geislinger Tierheim, geht es nicht anders. „Unsere Kosten werden nur zu etwa 40 Prozent gedeckt“, sagt der Katzenhilfe-Chef Carl Friedrich Giese. Im Auftrag der drei Einrichtungen hat er Briefe an alle Rathäuser im Kreis versandt. Darin kündigt er die vertraglich zugesicherte Aufnahme der Fundtiere fristgerecht zum 31. Dezember 2016.

Bisher kümmern sich die drei Einrichtungen um alle Fundtiere, egal ob Hund, Katze oder Kanarienvogel, und kassieren dafür zehn Prozent des Hundesteueraufkommens der Städte und Gemeinden. Auf 90 000 Euro belief sich diese Summe zuletzt. Das sei vor allem für die Kommunen eine gute Lösung gewesen, sagt Giese. Die hätten in 15 Jahren 1,5 Millionen Euro gespart. Jetzt will er deutlich mehr und droht: „Wenn wir keine neue Vereinbarung hinbekommen, müssen wir jedes Tier der betreffenden Gemeinde in Rechnung stellen.“

Die Wasserschildkröte ist Sache der Gemeinde

Das wäre eine hoch bürokatische Lösung und doch noch besser als die Alternative. „Wenn wir uns selbst um die Fundhunde kümmern müssten, wäre das bestimmt um ein vielfaches teurer“, hat der Donzdorfer Bürgermeister Martin Stölzle erkannt. Der Vorsitzende der Bürgermeisterversammlung im Kreis besitzt selbst einen weißen Schäferhund und hat durchaus Verständnis für die Wünsche der Tierschützer. Bei der nächsten Sprengelversammlung im März will er das Problem mit den Kollegen besprechen. Rein rechtlich sind die Kommunen in der Pflicht. Das hat der Mannheimer Verwaltungsgerichtshof im Fall einer Katze und einer Wasserschildkröte, die auf der Gemarkung der Gemeinde Dettingen unter Teck gefunden worden waren, erst im Sommer bestätigt (Az.: 1 S 570/14).

Denkbar ist, dass in einem neuen Vertrag auch die Kopplung mit der Hundesteuer abgeschafft wird. „Wir nehmen ja nicht nur Hunde auf“, sagt Giese. Zudem führe sie dazu, dass sich die Gemeinden recht unterschiedlich an der Finanzierung beteiligten, je nachdem wie hoch ihre Hundesteuer ausfalle. So verlangen Göppingen, Uhingen und Ebersbach 108 Euro, Geislingen 120 und Eislingen gar 144 Euro pro Hund, während es in Wäschenbeuren nur 72 Euro sind. Stuttgart beteiligt sich deshalb mit einer Pauschale pro Einwohner an den Tierheimkosten. Sie beträgt 79 Cent, was Giese allerdings zu wenig wäre. „Wir liegen auf jeden Fall über 90 Cent“, sagt er.

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