Streit zwischen Mannheimer Museum und Wikipedia Museumschef droht mit Klage

Von Johanna Eberhardt 

Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim wehren sich dagegen, dass Wikipedia das Foto eines Gemäldes – ein Portrait von Richard Wagner – von Caesar Willich ungefragt nutzt. Bis zum 25. Juli gibt es eine Frist – das Museum würde auch klagen, um die Urheberrechte zu wahren.

Streitgegenstand: Porträt Richard Wagners,  1862 gemalt von Christian Willich. Foto: REM
Streitgegenstand: Porträt Richard Wagners, 1862 gemalt von Christian Willich. Foto: REM

Mannheim - Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen (REM) wollen es nicht länger hinnehmen, dass große Internetplattformen Bilder aus ihrem Haus ohne ihre Erlaubnis für „gemeinfrei“ erklären und zur weiteren kostenlosen Verwendung ins Netz stellen. „Wir wollen verhindern, dass bei uns ein rechtsfreier Raum entsteht, indem sich die großen internationalen Konzerne einfach auf das amerikanische Recht zurückziehen und so unser Material, das sie nicht rechtmäßig erworben haben, von Dritten für kommerzielle Geschichten verwendet wird“, sagte der Generaldirektor der REM, Alfried Wieczorek. „Wir setzen uns dafür ein, dass die Ansprüche unserer Autoren und Fotografen gewahrt bleiben; sie leben ja von ihrer Arbeit, da wird es für jeden bedrohlich, wenn das Urheberrecht komplett ausgehöhlt wird“, findet der Museumschef.

Sein Haus hat daher seit Anfang des Jahres in insgesamt 40 Fällen Abmahnungen verschickt. In den allermeisten Fällen habe man sich anschließend gütlich mit den Nutzern geeinigt, erklärt Wieczorek. Gestritten wird allerdings weiterhin um eine Veröffentlichung bei Wikipedia. In ihr geht um ein Porträt von Richard Wagner. Gemalt hat es einst im Jahre 1862 Christian Willich, heute gehört das Gemälde den REM, wo es in der Theatersammlung hängt. Vor etwa 25 Jahren hat ein Hausfotograf des Museums ein Foto davon gemacht, das 1992 in einem Buch veröffentlicht wurde.

Das Foto ist in einem Artikel über Willich im Internetlexikon zu finden

Von dort hat das Bild dann offenbar seinen Weg zu Wikipedia gefunden. In dem Internetlexikon schmückt es einen Artikel über den Maler Willich. Auf Basis der Veröffentlichung des Fotos dort habe inzwischen ein amerikanischer Händler Tassen, Taschen und andere Werbeartikel mit dem Konterfei des Komponisten bedruckt und „ein Riesengeschäft“ gemacht, berichtet Wieczorek. „Ein solches Merchandising wollen wir nicht ohne unsere Zustimmung – das wollen wir selbst in der Hand behalten“, erklärt er. Man könne ja auch „nicht einfach durch den Louvre gehen, die Mona Lisa fotografieren und das Bild dann verwenden“, meint er.

Wikipedia sehe das allerdings „komplett anders“, berichtet er. Die Verantwortlichen dort hätten es bisher abgelehnt, das Bild zu entfernen oder eine Lizenzgebühr zu zahlen. Nach einer offiziellen Abmahnung hätten sie inzwischen um eine Fristverlängerung gebeten, die nach Angaben des Museums noch bis zum 25. Juli läuft.

Auf der Wikipedia-Seite zu Willich gibt es inzwischen einen Hinweis darauf, dass die REM derzeit gegen die Nutzung des Fotos vorgehen: „Das vorliegende Gemälde ist gemeinfrei, da der Maler länger als 70 Jahre tot ist“, heißt es dort. „Nach der hier vertreten Auffassung ist die Fotografie des Gemäldes nicht urheberrechtlich schützensfähig“. Dem hat der Mannheimer Museumschef widersprochen: „Wir werden den harten Weg gehen und notfalls Klage erheben; wir wollen die Position der Urheber wahren und auch durchfechten.“