Strenggläubige scheitern Keine Schule für "Gemeinde Gottes"
dpa, 11.02.2010 16:03 Uhr
Unterricht (Featurebild) Foto: AP
Unterricht (Featurebild) Foto: AP
Stuttgart - Die strenggläubige "Gemeinde Gottes" ist erneut damit gescheitert, in Neuenstadt (Kreis Heilbronn) eine private Grund- und Hauptschule zu gründen. Das Regierungspräsidium Stuttgart lehnte nach Angaben vom Donnerstag einen weiteren Antrag auf Genehmigung der "Privaten Christlichen Schule der Gemeinde Gottes" ab. Der Verein "Die Evangeliums Posaune e.V." erfülle als Schulträger nicht die Voraussetzungen für eine Genehmigung der Bekenntnisschule als Ersatzschule, sagte ein Sprecher der Behörde. Die vom Privatschulgesetz geforderte Gleichwertigkeit der Lehrziele sei nicht gesichert. Mitte 2009 hatte das Regierungspräsidium schon einmal einen Antrag der "Gemeinde Gottes" abgelehnt.

Ein Dutzend Eltern weigert sich seither ihre Kinder an eine öffentliche oder eine anerkannte private Schule zu schicken. Die freikirchliche Gemeinde hatte längere Zeit eine Bekenntnisschule ohne Genehmigung betrieben, weil sie unter anderem die an öffentlichen Schulen gelehrte Sexualkunde im Biologie-Unterricht ablehnt. Das Regierungspräsidium hatte daraufhin gegen die Eltern wegen Verletzung der Schulpflicht ein Zwangsgeld von 1000 Euro pro Kind verhängt.

Keine Sexualkunde im Biologieunterricht


Im Konzept für die gewünschte private Grund- und Hauptschule würden Lerninhalte, Unterrichtsmethoden und pädagogische Grundlagen nur verkürzt dargestellt, teilte die Behörde weiter mit. Sie wichen teils erheblich von den verbindlichen Vorgaben des Bildungsplans für Grund- und Hauptschulen ab. Das Regierungspräsidium wertet dies als "Eigenheiten des konkreten Bekenntnisses, die sich insbesondere in der strikten Trennung von der übrigen Gesellschaft und der Absolutsetzung der eigenen Werte äußern."

Der Verein habe nicht überzeugend dargelegt, dass die im Bildungsplan verankerten Erziehungsziele wie etwa das Üben von Kritik, das Wagen von Konflikten, das Erfahren von Identität durch das Treffen eigener Entscheidungen erreicht werden. Auch gebe es kein plausibles Finanzierungskonzept für die Schule. Zudem bestünden Zweifel, ob ausreichend Lehrer zur Verfügung stehen.

Familien sind nach Österreich umgezogen


Die betroffenen Mütter haben sich derzeit nach Angaben des Regierungspräsidiums mit ihren schulpflichtigen Kindern aus Baden- Württemberg abgemeldet und sind nach Österreich gezogen. Ob dies auf Dauer geschah, werde von den Einwohnermeldeämtern beobachtet. Sollte sich herausstellen, dass die schulpflichtigen Kinder mit ihren Eltern ihren dauerhaften Wohnsitz in Österreich behalten, unterstünden sie nicht mehr der deutschen Schulpflicht. Das Regierungspräsidium müsste dann das Zwangsgeldverfahren gegen die Eltern einstellen.
Kommentare (3)
Anzeigen
FEB
17
Stuttgarter Bürger, 18:16 Uhr

@bekien / Schulpflicht

@ bekien / "Jeder kann entscheiden, was aus seinem Spross wird." Dieser Satz entspricht nicht dem Menschenbild und der Gesetzeslage einer zivilisierten Gemeinschaft. Sie haben schon darin recht, dass das Elternrecht natürlich hohen Rang hat, aber eben keinen unbeschränkten. Kinder sind nicht einfach Eigentum der Eltern, sondern haben ihre eigene Würde und eigene Rechte, können z.B. noch vor ihrer Volljährigkeit ihre Religion -oder Nichtreligion- bestimmen, und auch der moderne Verfassungsstaat hat Rechte gegenüber seinen Bürgern. So besteht in Deutschland seit Jahrhunderten (z.T. seit dem 16. Jhdt.!) eine allgemeine Schulpflicht, die sich alles in allem segensreich ausgewirkt hat. Wenn Sie mit Lehrinhalten oder einzelnen Lehrern nicht zufrieden sind, können Sie als Eltern vorstellig werden; Sie haben unter Umständen auch die Wahl zwischen verschiedenen Schulen. Selbst Privatschulen mit spezieller Ausrichtung sind gestattet; sie müssen sich aber im wesentlichen an den staatlichen Lehrplänen orientieren. Nicht jede abstruse Sekte kann eine Schule eröffnen und nicht jeder, der sich das zutraut, kann seine Kinder zuhause unterrichten. Das wäre ja noch schöner! Wem dies alles nicht passt, der darf nicht in eine Gesellschaft wie die unsrige einwandern, oder er muss in Staaten ziehen, die keine allgemeine Schulpflicht haben.

FEB
17
volker s., 17:39 Uhr

Schule ?

Auch wenn die staatlichen Schulen immer schlechter werden und ein Umdenken hier dringend erforderlich ist, finde ich es sehr gut, dass es diese "Schule" nicht geben wird. Wir haben genug religiöse Fanatiker, da brauchen wir nicht noch eine Schule die diese heranzieht.

FEB
17
bekien, 17:27 Uhr

die Macht der Schule

Was für eine Macht die Schule hier hat ist ohne Worte. Es sind nicht eure Kinder, es sind unsere in Liebe gezeugten Kinder, die ihr leider mit viel Versagen nicht mehr im Griff habt. Ich finde, jeder kann entscheiden, was aus seinem Spross wird. Da hat eine Institution Schule, die leider schon lange versagt hat nichts mehr mitzusprechen. SChließlich geht es um die weite Zukunft der Kinder und die gilt es, zu verantworten.