Kornwestheim - Ja sagen zur Windkraft, wo immer es möglich ist – dieses Forderung hat Umweltminister Franz Untersteller jüngst bei einem Neujahrsempfang ausgegeben. Die Kornwestheimer Familie Seiler nimmt die Aufforderung wörtlich: Sie hat eine Windturbine auf ihr Hausdach montieren lassen – die erste in der Stadt.
Reibungslose Bauarbeiten
Die Bauarbeiten seien reibungslos verlaufen, berichtet Udo Seiler. Am Morgen sei der Kran vor dem Gebäude in der Stuttgarter Straße in Position gebracht und eine Fahrbahn teilweise gesperrt worden. „Ein Teil des Dachs musste abgedeckt werden“, erklärt der Hausherr. Er ist froh darüber, dass der Schnee während der Bauarbeiten nicht zu hoch auf den Ziegeln lag und es ein sonniger Tag war. Regen hätte das Vorhaben von vornherein ausgebremst.
Denn dann wäre es kaum möglich gewesen, das Traggerüst aus Edelstahl auf das Dach zu hieven und sicher an den Dachbalken und in der Betondecke zu verschrauben. An dem Stahlmasten wurde die Turbine mit einem Durchmesser von zwei Metern befestigt. Gummipuffer verhindern, dass Geräusche der laufenden Maschine in die Wohnräume übertragen werden.
Mini-Windrad aus Rotterdam
Monatelang hatten die Seilers an der besten Lösung für ihre eigene kleine Windkraftanlage getüftelt. Eigentlich hätte die Turbine schon im Zuge der Rohbauarbeiten – die Familie errichtete ein Privat- und Geschäftshaus – montiert werden sollen. „Auf einer Ausstellung haben wir die Idee dafür gewissermaßen gestohlen“, erzählt Seiler schmunzelnd. Eine Genehmigung braucht es in Baden-Württemberg und Bayern für den Bau der Mini-Windräder nicht. Doch eines für den Hausgebrauch zu finden, erwies sich als schwieriger als gedacht. Die Kornwestheimer wurden schließlich bei EnerWit fündig. Das Unternehmen vertreibt in Rotterdam produzierte Turbinen. Die Anlagen kosten zwischen 8000 und 12 000 Euro, je nachdem, wie hoch der Aufwand für die Montage ist. Der Name der Turbinen, donQi, erinnert an Don Quichotte, der bekanntlich gegen Windmühlenflügel kämpfte.
680 Kilogramm CO2 weniger pro Jahr
Im Fall der Seilers wird es aber wohl keinen Kampf gegen Windmühlen geben – vielmehr sollen die Flügel der Windmühle für die Familie arbeiten. Die Aufgabe der ummantelten Turbine, die wie ein Flugzeugtriebwerk aussieht ist die Stromerzeugung. Die für ein Windrad ungewöhnliche Form verhindert störende Schlagschatten sowie Lichtreflexionen und die Maschine soll nicht lauter werden als Windrauschen in den Bäumen. „Über das Jahr erwarten wir eine Stromerzeugung zwischen 1400 und 2000 Kilowattstunden“, sagt Udo Seiler, der es als Ingenieur seit Jahren mit Projekten zur Energieerzeugung zu tun hat. Auf diese Weise könne die Familie jährlich mindestens 680 Kilogramm CO2 einsparen. „Wir haben unser Haus nach neuesten Technologien bauen lassen und unterschreiten die Vorgaben für energieeffizientes Bauen um mehr als 30 Prozent“, berichtet der Ingenieur.
Strom für den Eigenbedarf
Während der Strom, den eine zusätzliche Fotovoltaikanlage auf dem Dach produziert, ins öffentliche Netz eingespeist wird, wollen die Seilers den von der Windanlage erzeugten Strom selbst verbrauchen – unter anderem, um eine Wärmepumpe zu betreiben. Noch läuft die Anlage allerdings nicht. Zwar hat die Montage reibungslos funktioniert und die Turbine richtet sich wie gewünscht nach dem Wind aus. Strom kann sie aber erst erzeugen, wenn der Zähler geliefert worden ist. Dann fehlt nur noch der Wind – bei einer Stärke von 2,5 Metern pro Stunde läuft die Turbine an. „Wir leben nicht an der Nordseeküste und das Haus steht auch nicht exponiert auf einem Hügel“, sagt Udo Seiler. Wie viel die Anlage wirklich leisten werde, zeige sich daher erst in den kommenden Monaten. Der Ingenieur setzt aber darauf, dass sich der kombinierte Einsatz regenerativer Energien rechnen wird. Das erklärte Ziel der Familie ist es, so viel Energie mit den hauseigenen Anlagen zu erzeugen, wie die Bewohner des Hauses verbrauchen.

23 Mal Stuttgart – wir stellen Ihnen alle 23 Stadtbezirke vor >>

Spielerei oder Spinnerei?
Offensichtlich wurde hier ins Blaue hinein operiert. So hat der Betreffende wohl keine Kenntnis über die Windgeschwindigkeiten vor Ort. Diese liegen in Kornwestheim 10 Meter über Grund, bei etwa der Einschaltgeschwindigkeit dieser Anlage. Die Leistung der Anlage für den Bereich 2,5 bis 5 m/s ist minimal und liegt bei max. 5 -10 % der Nennleistung. Es ist also fraglich, ob damit überhaupt eine Wärempumpe verläßlich betrieben werden kann. Die Wahrscheinlichkeit eines Ertrags von 1400 Kilowattstunden oder größer ist eher gering. Unterstellt trotzdem mal die 1400 Kilowattstunden, liegt die Amortisationszeit vor Steuer, bei Investitionskosten von durchschnittlich 10.000 Euro und unterstellt man auf die Dauer von 20 Jahren einen durchschnittlichen Strompreis von 40 Cent, dann bei knapp 18 Jahren. Wartungskosten kämen dann auch noch hinzu. Nicht umsonst hat der Dipl. Ingenieur Heiner Dörner aus Heilbronn, vor kurzem auf einer Veranstaltung im Klinikum Löwenstein vor dem Bau einer solchen Anlage gewarnt und dass auch aus bautechnischen u. gesundheitlichen Gründen. Herr Dörner muss es wissen, da er nicht nur Windkraftfan ist, sondern auch auf dem Gebiet der Windkraft tätig war und noch heute an der Uni in Stuttgart Vorlesungen gibt.