Studie der Verbraucherzentrale Hersteller erschweren die Reparaturen

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Wer Geräte lange nutzt, schont die Umwelt. Doch das wird Kunden nicht einfach gemacht. Das zeigt eine Umfrage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bei Herstellern.

Weil  viele Haushaltsgeräte sich oft nicht mehr reparieren lassen, landen sie auf dem Elektroschrott. Dort werden sie ausgeschlachtet. Foto: Getty
Weil viele Haushaltsgeräte sich oft nicht mehr reparieren lassen, landen sie auf dem Elektroschrott. Dort werden sie ausgeschlachtet. Foto: Getty

Berlin - Jeder kennt die Misere: Ob Waschmaschine, Föhn, Bügeleisen oder Toaster – Haushaltsgeräte geben früher oder später den Geist auf und lassen sich dann nur teuer oder überhaupt nicht reparieren. So landen die Produkte auf dem Müll, die Elektroschrottberge wachsen. Wertvolle Rohstoffe und Ressourcen gehen verloren und müssen für neue Waren eingesetzt werden. Das kurbelt zwar die Wirtschaft an, schadet aber Umwelt und Klima. Ärgerlich ist deshalb das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW). Demnach wird Verbrauchern die Reparatur von Haushaltsgeräten unnötig erschwert. Die VZ NRW hatte 32 Hersteller befragt, zu denen 45 Marken gehören. Nur ein einziger Anbieter erfüllt demnach wichtige Anforderungen, um defekte Geräte möglichst leicht wieder instandsetzen zu können.

„Mit einigen wenigen Maßnahmen könnten Geräte besser repariert und so länger genutzt werden“, sagt János Sebestyén von der VZ NRW. Erstens sollten Hersteller ihre Reparaturanleitungen zugänglich machen. Bisher bekommen diese Hilfen meist nur Vertragswerkstätten, aber keine oft preiswerteren freien Werkstätten Reparatur-Cafés. Zweitens sollten auch Ersatzteile besser verfügbar sein. Und drittens sollten Geräte ohne Schaden und Spezialwerkzeug zu öffnen sein, damit Fachleute Defekte schnell beseitigen können. „So würde auch der Wettbewerb auf dem Reparaturmarkt gefördert“, betont Sebestyén.

Doch daran scheint die Branche wenig Interesse zu haben. Nur 19 Hersteller mit 26 Marken nahmen sich überhaupt die Zeit, den Fragebogen der größten deutschen Verbraucherzentrale zu beantworten. Von 17 Marken kam keine Auskunft, darunter Schwergewichte wie Samsung (Südkorea) und Gorenje (Türkei). Auch die Lidl-Eigenmarke Silvercrest und Oral B von Braun antworteten nur ausweichend.

Ein Familienunternehmen aus dem Sauerland verhält sich vorbildlich

Das Ergebnis der Studie ist dennoch bemerkenswert. Denn mit dem kleinen Unternehmen Cloer Elektrogeräte aus Arnsberg-Neheim im Sauerland liegt ein deutscher Familienbetrieb vorne, der als einziger Anbieter angab, alle drei Anforderungen zu erfüllen. Anleitungen und Ersatzteile zur Reparatur werden demnach Werkstätten ebenso wie Verbrauchern zur Verfügung gestellt. Und Toaster, Kaffeemaschinen und Wasserkocher seien leicht zu öffnen. „Das zeigt, dass mehr Reparaturfreundlichkeit möglich ist“, sagt Sebestyén, „andere Anbieter sollten sich daran ein Beispiel nehmen“. Wie die Umfrage beweist, gibt es jede Menge Verbesserungsbedarf. So gaben nur sieben Marken an, Reparaturanleitungen auch außerhalb von Vertragswerkstätten bereitzustellen. Und nur bei neun Marken sind alle Produkte leicht zu öffnen. Bei zehn Marken dagegen räumten die Hersteller ein, dass Produkte schwierig oder gar nicht zu öffnen seien.

„Einige Marken bieten in verschiedenen Produktkategorien sogar ausschließlich Geräte an, die nicht ohne Zerstörung geöffnet werden können“, sagt der VZ-Experte. Besonders negativ falle Grundig auf. Die einstige deutsche Traditionsmarke, die in türkischer Hand ist, produziere in gleich acht Produktgruppen solche Geräte. Bei Philips wiederum seien Föhne, Wasserkocher, Toaster, elektrische Zahnbürsten und Rasierer nicht zerstörungsfrei zu öffnen.

Beide Unternehmen liefern für die betroffenen Kleingeräte laut VZ auch keine Ersatzteile an freie Werkstätten und Verbraucher. Einige Hersteller argumentieren, man verhindere so, dass Laien die elektrischen Geräte unsachgemäß öffnen und sich oder andere gefährden. Das überzeugt Sebestyén nicht: „Natürlich soll kein Laie diese Geräte öffnen – aber einem Fachmann wird die Reparatur so auch unnötig erschwert oder gar unmöglich gemacht. Das ist nicht akzeptabel.“

Das Umweltbundesamt sieht „großen Handlungsbedarf“

Das Umweltbundesamt begrüßt die Studie. „Es gibt großen Handlungsbedarf zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Reparaturen“, betont Susann Krause, die Expertin für Abfallvermeidung. So sollte die Politik dafür sorgen, dass zumindest bei großen Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen und Trocknern Reparaturanleitungen und Ersatzteile auch für freie Werkstätten verfügbar sein sollten. Bei Autoreparaturen sei mit der EU-Verordnung 715/2007 diese Regelung schon seit Jahren durchgesetzt worden.

Zudem seien Reparaturen auch wegen der hohen Mehrwertsteuer von 19 Prozent so teuer, sagt Krause. Die EU-Regeln erlaubten aber ausdrücklich niedrigere Sätze. „Diesen Spielraum sollte die Bundesregierung zügig nutzen“, sagt Krause. Das Umweltbundesamt empfiehlt der Politik überdies, die Branche zu verpflichten, Produkte so zu gestalten, dass sie reparaturfreundlicher werden. Hierzu will die EU-Kommission bis Anfang 2019 Vorschläge für Normen erarbeiten.

Generell sei mehr Markttransparenz nötig, so Krause. Die Produktangaben zur Reparaturfähigkeit müssten verbessert werden. Den Verbrauchern rät die Expertin, beim Kauf auf den „Blauen Engel“ zu achten. Das begehrte Zeichen erhalten nur besonders nachhaltige Produkte, die energieeffizient und ressourcenschonend sein müssen.