Studie zu Betreuungsgeld "Herdprämie" bremst frühkindliche Bildung

Von SIR/dpa 

Vor einem Jahr wurde es eingeführt, doch noch immer ist die Kritik am Betreuungsgeld nicht verstummt. Jetzt bringt eine Studie an den Tag: Das Lieblingsprojekt der CSU hält offenbar einen erheblichen Teil von Migrantenfamilien und bildungsfernen Eltern davon ab, ihre Kleinkinder in eine Kita zu schicken.

Das Betreuungsgeld wird von Kritikern auch abschätzig Herdprämie genannt. Foto: dpa-Zentralbild
Das Betreuungsgeld wird von Kritikern auch abschätzig "Herdprämie" genannt.Foto: dpa-Zentralbild

Vor einem Jahr wurde es eingeführt, doch noch immer ist die Kritik am Betreuungsgeld nicht verstummt. Jetzt bringt eine Studie an den Tag: Das Lieblingsprojekt der CSU hält offenbar einen erheblichen Teil von Migrantenfamilien und bildungsfernen Eltern davon ab, ihre Kleinkinder in eine Kita zu schicken.

Berlin - Das vor einem Jahr eingeführte Betreuungsgeld hält einen erheblichen Teil von Migrantenfamilien und bildungsfernen Eltern offensichtlich davon ab, ihre Kleinkinder in eine Kita zu schicken.

Dies ist das Ergebnis einer Befragung von über 100.000 Eltern mit Kindern unter drei Jahren durch das Deutsche Jugendinstitut und die Universität Dortmund. Demnach stellt das Betreuungsgeld besonders für sozial benachteiligte Familien einen Anreiz dar, kein staatliches Angebot frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung zu nutzen, heißt es im Abschlussbericht der Untersuchung.

CSU weist Kritik zurück

Die Ergebnisse der Wissenschaftler bestätigen die Kritiker des noch von der schwarz-gelben Vorgängerregierung beschlossenen Betreuungsgeldes. Es war auf maßgeblichen Druck der CSU eingeführt worden. SPD und Grüne bekräftigten am Wochenende ihre Kritik, die CSU wies die Vorwürfe zurück.

Seit August 2013 erhalten Eltern, die für ihre Kleinkinder weder einen Kita-Platz noch eine Tagesmutter in Anspruch nehmen, vom 15. Lebensmonat bis zum dritten Lebensjahr monatlich 100 Euro. Ab 1. August dieses Jahres wird das Betreuungsgeld auf 150 Euro erhöht.

In der Studie nannten von jenen Eltern, die keine Berufsausbildung oder nur einen Hauptschulabschluss haben, 54 Prozent das Betreuungsgeld als Grund dafür, dass sie ihre Kleinkinder nicht in eine Kita schicken. Bei Familien mit mittlerer Reife reduziert sich dieser Anteil auf 14 Prozent, bei Akademikern gar auf 8 Prozent.

Von den Familien mit Migrationshintergrund, die keine Betreuung für ihr Kleinkind wünschten, führten 25 Prozent das Betreuungsgeld als Begründung an. Bei deutschstämmigen Familien lag dieser Anteil lediglich bei 13 Prozent.

Studie: Falsche Anreize

Laut den Autoren zeigen die Befunde, dass das Betreuungsgeld zu einer sozial ungleichen Inanspruchnahme von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung beiträgt. Die Geldprämie setze gerade bei jenen Familien falsche Anreize, für deren Kinder frühkindliche Bildungsangebote und Sprachförderung besonders wichtig seien.

Die Chefin der bayerischen Staatskanzlei, Christine Haderthauer, wies die Kritik zurück. "Bei Ein- und Zweijährigen eine Besser-/Schlechter-Diskussion zwischen Elternzuwendung und Kita anzuzetteln, ist ein ideologischer Tiefschlag sondersgleichen gegen alle Eltern von Kleinkindern", sagte die CSU-Politikerin.

Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) bezeichnete das Betreuungsgeld als "Erfolgsgeschichte." Es gebe keine Indizien dafür, dass hauptsächlich arme Einwandererfamilien das Geld beantragten. In Bayern werde das Betreuungsgeld von allen Einkommensschichten bezogen und von deutschen wie nichtdeutschen Eltern.

Hingegen sieht sich Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) in seiner Kritik bestätigt. Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern und von Migranten werde der Zugang zu frühkindlicher Bildung verwehrt. "Gerade bei der Sprachförderung zeigt sich, wie wertvoll die Betreuung und Bildung in einer Kita ist." Hamburg klagt vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe gegen das Betreuungsgeld-Gesetz. Mit einer Entscheidung wird im kommenden Jahr gerechnet.

Auch die rot-grüne Regierungskoalition in Nordrhein-Westfalen erneuerte ihre Kritk. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass das Betreuungsgeld am Bedarf der Familien vorbeigeht", sagte die Landtags-Fraktionsvize Britta Altenkamp (SPD). Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Sigrid Beer, fügte hinzu: "Erwiesen ist, dass das Betreuungsgeld die Bildungsungleichheit verschärft und damit falsche Anreize setzt."

Im ersten Quartal 2014 bezogen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 145 769 Eltern Betreuungsgeld. Am häufigsten wurde es in Bayern nachgefragt. Allein dort gab es 33 500 Bezieher.

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Welche Studie?: In den StN schreibt ein Forist, dass es eine aktuelle Studie gar nicht gibt. Es handelt sich anscheinend um eine Befragung von Eltern nach ihren Absichten im Jahr 2013. Es hat mich schon gewundert, dass man diese Studie nirgends findet und auch nicht nachlesen kann. ____________ Ich wäre also sehr dankbar, wenn jemand einen Link zu dieser "Studie" angeben könnte. __________ Was stutzig macht: In diesem Artikel steht, dass es in Bayern 33.500 Bezieher gäbe, bundesweit 145.769 (erstes Vierteljahr 2014). Hingegen kam vor 14 Tagen ein Artikel über das Betreuungsgeld mit folgenden Zahlen: "Mittlerweile sind bundesweit mehr als 280.000 Anträge eingegangen. Spitzenreiter ist aber nicht Baden-Württemberg.......... ______In Baden-Württemberg waren bis Ende Juni 61 062 Anträge eingegangen, 58 865 wurden bewilligt. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit 70 578 Anträgen bis Ende Juni. Dahinter folgt Bayern mit rund 68 000 Anträgen ebenfalls bis Ende Juni." Link: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.baden-wuerttemberg-60-000-antraege-auf-betreuungsgeld.b8cd99be-983f-435e-8b1d-c4ee41e9c6b8.html ______________ Wie auch immer, nicht jeder will sein Kind gemäss der Linken Ideologie erziehen lassen und das ist gut so.

Meiner Meinung nach: sind die € 1000.- pro Monat für jeden Kita-Platz unter 3 Jahren hinausgeworfenes Geld, denn frühkindliche Bildung nach rot-/grüner Lesart ist mindestens Quatsch, wenn nicht noch Schlimmeres. Dennoch würde ich jedem, der das will/braucht, zugestehen es zu tun. Dagegen sind die € 150.- Betreuungsgeld im Vergleich zu den Kita-Kosten doch Peanuts und außerdem wesentlich besser angelegt. Jeder der diesen Weg gehen möchte, sollte es auch dürfen. Es geht in den ersten Lebensmonaten und -jahren eines Menschen um Bindung, Annahme, geliebt werden und gewollt sein... und nicht primär um Wissen! Das kommt später, aufbauend auf einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung. Wer also den Menschen (Vater, Mutter, Kind(er), Familien) in den Mittelpunkt stellt kommt zu anderen Schlussfolgerungen als wenn wirtschaftliche Gesichtspunkte an erster Stelle stehen.

ist ja schröcklich: wenn eltern ihre kinder nicht schon im krabbelalter dem staat überlassen. wobei eine teilnahme am täglich kitabetrieb den kindern nicht viel bringt. meine enkelin ist beinahe schon vier, seit 2 1/2 jahren in der kita und spricht immer noch nicht chinesisch.

Integration verlangt mehr: Dass die Geldzahlung sich als Schuss in den Ofen, als schlecht für die Integration erweisen würde, haben die Kritiker dieser sogenannten "Herdprämie" von Anfang an gesagt. Eingeführt wurde diese, weil die CSU das so wollte. Das heißt, anders ausgedrückt, dass die CSU die Integration der Migrantenkinder hintertrieb. Integration kann nur funktionieren, wenn diese Kinder von frühester Kindheit an mit Kindern aus anderem Background zusammen eine Einrichtung besuchen, in der sie nicht umhin kommen die Alltagssprache zu erlernen. Dass man dabei nicht auf Freiwilligkeit setzen darf, dürfte klar sein. Sobald irgend etwas freiwillig ist, heißt das vielfach, dass es nicht befolgt oder durchgeführt werden wird, denn wer in unserer Gesellschaft macht schon etwas Fakultatives. Deshalb muss ein verpflichtender Kindergartenbesuch eingeführt werden, der für alle Kinder, egal ob sie aus Migrantenfamilien oder einheimischen Familien stammen, verpflichtend ist. Um dies zu verwirklichen, müsste man einfach den Buschkowsky-Plan umsetzen. Ob das die CSU auch mittragen würde? Immerhin diente dies der Integration. In diesem Zusammenhang wird auch immer gerne von sogenannten bildungsfernen Schichten gesprochen. Doch was heißt bildungsfern eigentlich? Eigentlich bedeutet das ja, dass die Betroffenen über keinerlei Bildung verfügen, also niemals eine Schule von innen gesehen haben. Jedoch wird dieser Ausdruck fehlerhaft und falsch darstellend als Ausdruck für Personen mit niedrigem Schulabschluss verwandt und ist dadurch extrem beleidigend und irreführend. Vielmehr sollte man das Problem beim Namen nennen und nicht falsche Ausdrücke schaffen. Leider gibt es jedoch auch immer wieder Personen, die alles was schlecht ist der SPD und anderen Parteien, die nicht CDU/CSU oder FDP heißen in die Schuhe zu schieben. Das kennt man aber auch aus der Geschichte. Diese Personen müssen das letzte Jahr verschlafen haben, denn es war nicht die SPD, die dieses Prestigeprojekt ihr Eigen nannte, sondern die sogenannte christliche Partei aus dem weiß-blauen Bayern. Bevor man der SPD oder den Grünen Terror oder Diktatur unterstellt, sollte mal das Geschichtsbuch wälzen und sich über Angriffe auf die Pressefreiheit informieren.

Lufthoheit über Kinderbetten: Was das Linke Kartell so alles vor hat, kennen wir seit Olaf Scholz (SPD), der die Lufthoheit über die Kinderbetten für den (linken) Staat wollte und will. ________________ Dazu ein Zitat aus der Wirtschaftswoche: "Da redet eine ganz Gesellschaft von Vielfalt, von individueller Förderung, von der Suche nach Talenten, die wir ja so dringend brauchen – erlaubt sich aber gesellschaftspolitisch auf Einbahnstraße zu schalten. Diversity – ein gern genutztes Schlagwort der selbsternannten, toleranten Moderne, sie gilt nur für die möglichst vielfältige sexuelle Ausrichtung des Menschen, seltsamer Weise aber nicht für unterschiedliche Erziehungsstile, Lebensstile, unterschiedliche Weltanschauungen, unterschiedliche Wertvorstellungen………….__________ Die SPD warb im vergangenen Wahlkampf mit dem Slogan „Das WIR entscheidet“ – eine Drohung für jeden selbständig denkenden Menschen und eine Ansage an das Individuum: Du bist nur im Kollektiv wertvoll. Konsequent steuert die Familien- und damit die Gesellschaftspolitik der SPD schon lange auf eine völlige Beseitigung des Privaten hin, in einhelliger Allianz mit den Bedürfnissen des Kapitals und mit freundlicher Unterstützung der Damen Feministinnen – wird aber allen Ernstes als soziale Politik verkauft._____________ Die Erringung der „Lufthoheit über den Kinderbetten“, die Olaf Scholz einst ausrief, ist längst Programm: Verteufelung des Betreuungsgeldes, das Familien Raum für Privates lassen würde, der Ausbau der U3-Betreuung, damit möglichst jedes Kind spätestens nach einem Jahr in staatliche Hand kommt, erste Stimmen zur Einführung einer Kitapflicht, um auch die letzten störrischen Eltern einfach zu zwingen, sich ihrer Kinder und somit des elterlichen Erziehungsauftrages zu entledigen.____________ Ganztagskitas, flächendecken Ganztagsschulen, Frauenvollbeschäftigung. Einheitsschulen, in denen niemand schneller vorankommen soll, weil es die Gleichheit stören würde. __________Endziel: Familie nur noch als WG mit abendlicher Quality-Time am gemeinsamen Kühlschrank.“

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