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Studie zum Thema Elektromobilität Keine Prämie für Elektroautos

Klaus Zintz, vom 24.01.2010 09:03 Uhr
Ob man sich an solche Szenen gewöhnen muss? Politik und Wissenschaft sagen Ja. Das Elektroauto wird kommen. Foto: dpa
Ob man sich an solche Szenen gewöhnen muss? Politik und Wissenschaft sagen Ja. Das Elektroauto wird kommen. Foto: dpa
""Bei der Ausbildung von Ingenieuren müssen wir noch ein paar Schippen drauflegen.""
Dieter Spath, Akademie der Technikwissenschaften

Stuttgart - Wie kann Deutschland auf dem Gebiet der Elektroautos weltweit führend werden? Die Politik will, dass bis zum Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen eine Million Fahrzeuge mit einem elektrischen Antrieb unterwegs sind. Auf diese Weise soll die Bundesrepublik zum "Leitmarkt" für Elektromobilität werden. Eine von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) erstellte Studie hält es dagegen für wichtiger, dass Deutschland zum "Leitanbieter" für Elektromobilität werden sollte. Die Ergebnisse der Studie werden am Donnerstag in Stuttgart der Öffentlichkeit vorgestellt.

Regierung will investieren


Allgemein werden der Elektromobilität vor allem in den Städten glänzende Zukunftschancen eingeräumt, weil der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid gesenkt werden muss und zudem fossile Treibstoffe nicht unbegrenzt vorhanden sind. Damit Institute und Unternehmen genügend Geld für die nötige Forschung und Entwicklung von Elektroautos haben, hat die Bundesregierung bis zum Jahr 2011 zunächst einmal 500 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II zur Verfügung gestellt. Viele weitere Millionen, wenn nicht gar Milliarden, werden wohl folgen.

Dabei steht die Bundesrepublik mit ihren ehrgeizigen Plänen keineswegs allein da. So hat beispielsweise China für die Entwicklung effizienterer Antriebstechnologien rund eine Milliarde Euro bereitgestellt, weitere zwei Milliarden fließen in Pilotprojekte mit mehr als 10.000 Fahrzeugen. Auch die USA, Japan und Frankreich setzten große Hoffnungen in den Elektroantrieb und pumpen viel Geld in dessen Entwicklung.

Das Ziel der Bundesregierung, Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen, erfüllt die an der Acatech-Studie beteiligten Fachleute aus Forschung und Industrie mit einer gewissen Sorge: Sie befürchten, dass die Politik - ähnlich wie bei der Abwrackprämie - direkte Subventionen für den Kauf von Elektroautos beschließen könnte, um ihr Ziel von einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen zu erreichen. Da im europäischen Durchschnitt der Kauf eines Elektroautos nach den bisherigen Plänen mit rund 7000 Euro gefördert werden soll, würde diese Art der Subventionierung bis zum Jahr 2020 sieben Milliarden Euro kosten.

Elektroautos vor allem für die Reichen?


Dieter Spath, Vizepräsident der Acatech und Koordinator der Studie, glaubt allerdings, dass diese direkten Kaufsubventionen vor allem einer "wenig preissensiblen Kundengruppe" zugutekäme - nämlich denjenigen, die ein Elektroauto als Zweit- oder gar Drittfahrzeug allein für den Stadtverkehr kaufen würden. Diese Interessenten können sich ein vergleichsweise teures Elektrofahrzeug aber ebenso gut leisten - und sind oft auch bereit, aus Umwelt- oder Prestigegründen einen höheren Preis zu akzeptieren. "Warum sollen wir daher diese Käufergruppe subventionieren", fragt Spath, der in Stuttgart das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation leitet.

Die Acatech-Expertengruppe hält einen anderen Denkansatz für erfolgversprechender: "Bedeutsamer als die Schaffung eines subventionierten Leitmarkts Elektromobilität erscheint es daher, Deutschland zu einem Leitanbieter für marktfähige Elektromobilität zu machen", heißt es dazu in der Studie, die der StZ vorliegt. Dieses Ziel dürfte allerdings eher noch ambitionierter sein als die politische Vorstellung, dass sich Deutschland zum führenden Markt für Elektroautos entwickeln könnte. Denn gerade beim Hauptproblem der stromgetriebenen Autos, dem nach wie vor vergleichsweise geringen Stromspeichervermögen der Akkus, ist die Konkurrenz aus Fernost und den USA besonders stark.

"Hier müssen wir dringend dafür sorgen, verloren gegangenes Terrain wieder zurückzuerobern", gibt Spath die Marschrichtung vor. Zum einen bestimmt der Preis der Batterie maßgeblich den Fahrzeugpreis, zum anderen spielt dieses Bauteil mit einer Wertschöpfung von 30 bis 40 Prozent des Gesamtfahrzeugs eine dominante Rolle bei der Herstellung von Elektroautos.

Deutsche Unternehmen auf dem Vormarsch


Doch auch wenn bei der Lithium-Ionen-Batterietechnik ein gewisser Nachholbedarf besteht, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Deutschland auch hier ganz vorne mit dabei ist - zum Beispiel dank interessanter neuer Entwicklungen in der Nanotechnologie. In anderen Bereichen, etwa bei den Elektromotoren und deren Regelung, sind deutsche Unternehmen ohnehin gut aufgestellt. Insbesondere die Region rund um Stuttgart kann dabei dank der langjährigen Forschung auf dem Gebiet der Brennstoffzellentechnik - die ebenfalls mit einem Elektroantrieb arbeitet - weltweit hervorragend mithalten.

Die an der Acatech-Studie beteiligten Experten haben sich auch Gedanken darüber gemacht, wie Deutschland zum Leitanbieter für "marktfähige" Elektromobilität werden kann. "Dazu sind die auf die Ressorts verteilten Mittel zur Förderung etwa von Batterie- und Antriebstechnologien zu bündeln", wird in der Studie gefordert. Als einen "ersten Schritt zum schnellen Maßnahmentransfer" könnte die Politik eine "nationale Plattform Elektromobilität" unter Federführung von einem oder zwei Bundesministerien einrichten. Dies käme der Forschung und Entwicklung zugute - und nicht, wie es in der Studie heißt, dem "kurzfristigen Konsum".

Neue Wege in der Ausbildung


Die Experten weisen auch darauf hin, dass die Entwicklung von Elektroautos tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen wird. "Die Elektromobilität im städtischen Kurzstreckenverkehr bietet die Chance einer völlig neuen Nutzung des Autos", meint Spath. Dazu reiche es vermutlich nicht, bereits vorhandene Modelle wie etwa den Smart oder den Mini zu elektrifizieren. Vielmehr könne es durchaus sein, dass man "Denkblockaden überwinden" und weg vom klassischen Universalauto zu anderen Lösungen kommen müsse.

Neue Strukturen sind zudem in der Ausbildung gefragt: "Auch hier müssen wir noch ein paar Schippen drauflegen", fordert Spath. So wird etwa im Maschinenbau eine fächerübergreifende Anpassung der Lehrinhalte nötig werden. Aber nicht nur für Planung, Entwicklung und Bau von Elektroautos sind neue Fähigkeiten gefragt, sondern auch bei deren Reparatur und Wartung in den Werkstätten. Hier fordert die Studie ebenfalls "eine grundlegende Umstellung des Kompetenzprofils".
Kommentare (3)
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JAN
25
23:44 Uhr, geschrieben von Hamburg Goes Green
Elektromobilität in Hamburg
Bereits in den nächsten Jahrzehnten wird die politische und wirtschaftliche Stabilität der Weltgemeinschaft gefährdet sein. Selbst wenn die Nachfrage nach Öl auf dem gegenwärtigen Niveau bleibt, wird die Welt die Liefermenge von vier mal Saudi-Arabien zur Aufrechterhaltung der Produktion und die Liefermenge von sechs mal Saudi Arabien benötigen, um die erwartete Nachfrage bis 2030 zu befriedigen. Für die Weltgemeinschaft sind zwei Probleme von existenzieller Bedeutung: Eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung und das bei niedrigem CO2-Ausstoß. Sinkende Energieressourcen und der Klimawandel sind zwei Seiten derselben Medaille, daher ist das Ziel von Hamburg Goes Green die bezahlbare Mobilität auf elektrischer Basis und die preiswerte Versorgung mit erneuerbaren Energien.
JAN
25
19:16 Uhr, geschrieben von Fan
Elektroautos
..... Kauf eines Elektroautos nach den bisherigen Plänen mit rund 7000 Euro gefördert werden soll ..... Das wäre super! (Hoffentlich auch für Vollhybrid.)
JAN
25
18:08 Uhr, geschrieben von Roland Mösl
So bestimmt nicht
2020 wird BYD wohl 1 Millon Elektroautos in weniger als 2 Monaten produizieren. Es ist lächerlich dies als Ziel für ganz Deutschland zu nennen. Weiterhin dürfen 2 Takt "Knatter Stink" Mopeds in Deutschland verkauft werden, obwohl in der 50ccm Klasse Elektroroller besser sind http://politik.pege.org/2009-gleiches-recht/ Gegen das erste offizielle Elektroautorennen gibt es in Deutschland eine Nachrichtensperre. http://auto.pege.org/2010/nachrichtensperre.htm Es gibt noch immer keine neuen Bauvorschriften die eine Steckdose bei jeden Stellplatz vorschreiben (in Frankreich ab 2012 Bauvorschrift)
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