Studien zum Lesen auf E-Books Pixel statt Druckerschwärze

Von Eva Wolfangel 

Gehört der auf Papier gedruckte Lesestoff dank Laptop, Tablet und E-Reader bald der Vergangenheit an? Die Wissenschaftler sind sich uneins darüber, wie sich die elektronischen Medien auf unser Leseverhalten tatsächlich auswirken.

Immer mehr Menschen greifen beim Lesestoff zum Angebot von E-Books. Foto: dpa
Immer mehr Menschen greifen beim Lesestoff zum Angebot von E-Books. Foto: dpa

Stuttgart - Auf der Suche nach Informationen surft man durchs Netz, liest rasch die aktuellen Schlagzeilen, lässt sich Studien, Aufsätze oder Fachtexte per Mail zuschicken und überfliegt sie am Bildschirm. Aber wenn der Inhalt wichtig scheint, werden die Dokumente ausgedruckt, zentrale Passagen unterstrichen und die Blätter einem Kollegen auf den Tisch gelegt. Das papierlose Büro ist ein Mythos – bis heute. Und selbst der wissenschaftliche Nachwuchs, sonst Vorreiter, wenn es darum geht, neue Technologien zu nutzen, liebt anscheinend die gute alte Zettelwirtschaft.

Die Studenten der Nationalen Universität Taiwan beispielsweise: im Jahr 2011 wurden sie zu ihrem Leseverhalten befragt. Sie würden einen Text zunächst online überfliegen, um ihn dann für ein besseres Verständnis auszudrucken, erklärten die Jungakademiker mehrheitlich. Nicht immer sind die Untersuchungen so eindeutig. Die Forscher streiten teilweise sehr emotional darüber, was sich leichter lesen lässt: gedruckte oder gepixelte Buchstaben? Vieles deutet darauf hin: Wer gründlich lesen will, ist mit Printmedien wohl besser bedient. So fand Anne Mangen, Expertin für Leseforschung an der norwegischen Universität Stavanger, in diesem Jahr heraus, dass Studenten, die einen Text auf Papier lasen, einen Verständnistest besser bestanden als jene Hochschüler, die den Text als PDF-Datei auf dem Bildschirm vor sich sahen. „Man hat mehr freie Kapazitäten für das Textverständnis“, zitiert das Fachblatt „Scientific American“ die Studienleiterin. Untersuchungen aus den USA kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Scrollen oder klicken benötigt offenbar mehr Aufmerksamkeit als das Blättern durch Papierstapel. Die zahlreichen Extras von Online-Texten – Verweise, Grafiken, Bilderstrecken oder Videos – verleiten oft zusätzlich zum oberflächlichen Lesen.

Klicken zieht Aufmerksamkeit ab

Doch das gilt nicht für alle Leser. Eine Studie der Universität Mainz ergab jüngst, dass ältere Menschen Texte auf Tablets viel leichter erfassen als gedruckte Inhalte. „Der kognitive Aufwand ist für die älteren Probanden geringer als auf der Papierseite“, sagt die Linguistin Franziska Kretzschmar. Zwar wurde diese Untersuchung vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels finanziert, aber plausibel sind die Ergebnisse dennoch: Wer am Bildschirm liest, kann die Schriftgröße selbst bestimmen. Ein Vorteil für Menschen mit Sehproblemen.