ExklusivStuttgart 21 Abstellbahnhof: Bahn ändert Plan

Die Entwürfe für die nach wie vor nicht genehmigte Wartungsanlage in Untertürkheim im Rahmen von Stuttgart 21 werden zum wiederholten Mal überarbeitet. Ursprünglich wollte die Bahn Ende 2016 mit dem Bau beginnen – daraus wird nun nichts.

An der sogenannten Rettungszufahrt in Untertürkheim wird an den kommenden Wochenenden gearbeitet. Behinderungen im S-Bahnverkehr sind die Folge. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
An der sogenannten Rettungszufahrt in Untertürkheim wird an den kommenden Wochenenden gearbeitet. Behinderungen im S-Bahnverkehr sind die Folge.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Der Zeitdruck auf die Bahn bei der Realisierung von Stuttgart 21 wird abermals größer. Bei einer Veranstaltung in Untertürkheim präsentierte S-21-Chef Manfred Leger eine neue Zeitschiene für den Abstellbahnhof in dem Neckarvorort. Weil die Pläne für die Wartungsanlage abermals überarbeitet werden müssen, sind auch die bisherigen zeitlichen Prämissen Makulatur.

Laut Leger wird ein neuerlicher Antrag auf Baugenehmigung – die sogenannte Planfeststellung – erst im dritten Quartal 2016 eingereicht. Öffentlich debattiert werden sollen die Pläne dann vor den Sommerferien 2017 – verbunden mit der Hoffnung, im zweiten Quartal 2018 das Plazet der Genehmigungsbehörden in den Händen zu halten. Noch vor einem Jahr prognostizierte die Bahn, im Februar 2017 mit der Vergabe der Arbeiten und daran anschließend mit dem Bau zu beginnen. Diese Phase sollte insgesamt drei Jahre und zehn Monate dauern. Einen Beginn dieses Verfahrensschritts Mitte 2018 unterstellt, würde aber die Inbetriebnahme des Bahnhofs und des unterirdischen Tunnelrings in Stuttgart im Jahre 2021 unwahrscheinlich erscheinen lassen.

Bahn setzt auf kürzere Bauzeit

Die Bahn zeigt sich aber überzeugt, dass sich durch die neuerlichen Umplanungen, die Bauzeit auf zwei Jahre beschränken ließe. „Wir sind zuversichtlich, mit der neuen Planung sowohl den Lärmschutz für die Anwohner, den Bauablauf wie auch das Betriebskonzept deutlich zu verbessern“, erklärt S-21-Projektsprecher Jörg Hamann den neuerlichen Anlauf in Untertürkheim.

Insgesamt arbeitet die Bahn derzeit an den Details einer dritten Planversion. Der erste Entwurf stammt von 2004 und wurde öffentlich ausgelegt, ehe er im Jahr 2010 von der Bahn zurückgezogenen wurde. Davor ruhte das Verfahren offiziell. 2014 präsentierte der Schienenkonzern dann neue Überlegungen für die Wartungs- und Reinigungsanlagen auf den Flächen des ehemaligen Untertürkheimer Güterbahnhofs. Nun folgt also eine weitere Variante. Die unterscheidet sich von ihrer Vorgängerin dadurch, dass die Züge auf Gleisen rollen sollen, die weiter von der Wohnbebauung an der Augsburger Straße abgerückt sind. Dabei spielt vor allem der Lärmschutz für die Anwohner eine Rolle.

Selbst die Arbeiten für den Lärmschutz sind zu laut

Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung wäre schon der Bau der notwendigen Lärmschutzwand so laut gewesen, dass sich daraus wieder Ansprüche auf Lärmschutzfenster in den betroffenen Vierteln Untertürkheims ergeben hätten. Dies und auch eine abermalige Überprüfung der betrieblichen Anforderungen an die Anlage habe die Bahn dazu veranlasst die Pläne neu zu zeichnen.

Mit Verweis auf die laufende Detailplanung wollte sich der Projektsprecher nicht zu der Frage äußern, ob sich auch der Plan erledigt habe, weitere Abstellkapazitäten an den Bahnhöfen in Obertürkheim und Münster zu schaffen. Entsprechende Überlegungen hatten in den betroffenen Stadtbezirken für erhebliche Unruhe gesorgt. Gleichfalls unklar bleibt, ob die Bahn ihren eigentlich zu den Akten gelegten Pläne, sogenannte Überwerfungsbauwerke am Abstellbahnhof zu bauen, neues Leben einhaucht. Das sind Brücken und Unterführungen, die es erlauben, entgegenkommende Züge kreuzungsfrei aneinander vorbeizuführen. 2014 hatte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hinter den Verzicht auf diese Bauwerke ein dickes Fragezeichen gemacht. Er wolle auf keinen Fall, dass die Leistungsfähigkeit der Anlage darunter leide, sagte der Minister damals im Anschluss an eine Lenkungskreissitzung der Projektpartner Bahn, Land, Region und Stadt. Im selben Gremium hatte die Bahn im November 2015 noch einen Rohbaubeginn des Abstellbahnhofs für Ende 2016 in Aussicht gestellt.

Mehrere tausend Eidechsen müssen umziehen

Unabhängig davon welcher Plan letztendlich in Untertürkheim umgesetzt wird, wartet auf die Bahnbauer zunächst eine Menge Kleinarbeit. Auf dem für den Bau vorgesehenen Areal leben nach Manfred Legers Angaben zwischen 5000 und 6000 geschützte Eidechsen. Die Tiere müssen alle einzeln eingefangen und umgesiedelt werden. Wo die neue Heimat der Reptilien – im Fachjargon Ersatzhabitat genannt – sein wird, steht noch nicht fest. „Das müssen wir noch finden“, sagte Manfred Leger am Dienstag in Untertürkheim.

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242 Kommentare Kommentar schreiben

S21: Stuttgart 21 ist so ein Leistungswunder.. das kommt offensichtlich auch ganz ohne Abstellbahnhof aus.

Ausschreibung: mich wundert es, dass die Bahn diesen Quatsch noch gar nicht ausgeschrieben hat. Beim Flughafen verfährt sie doch genauso: keine funktionierende Planung, keine Genehmigung und schon gar keine Finanzierung. Ist das eine peinliche Nummer..

Richtig, dafür hat ja nun die Deutsche Bahn AG gleich 3 Baustellen: Die Neuplanung des Abstellbahnhofs, die Ausschreibung an noch nicht genehmigten Bauvorhaben auf den Fildern und, nicht zu vergessen, die anstehende Kostenexplosion sowie die sich immer weiter abzeichnenden Verluste der Bahn und das ganze mit dem Aktiengesetz vereinbaren zu können. Und das alles beim BESTGEPLANTESTEN UND BESTKALKULIERTESTEN BAHNPROJEKT ALLER ZEITEN. ... Je nervöser und hilfloser die Deutsche Bahn AG mit den anfallenden Problemen agiert, umso mehr fliegen ihr sowie FM eben die großmauligen Behauptungen von damals um die Ohren. Ein Grund mehr, auf unserer Seite gelassen zu bleiben! --- Oben bleiben!

Tja: allem Gemaule zum Trotz ist es eben immer sinnvoll, Planungen an veränderte Umstände anzupassen. Speziell in diesem Fall, wo noch Zeit genug ist.

Herr F. Maier, Sie schrieben: "Speziell in diesem Fall, wo noch Zeit genug ist.". Wann hofft man mit S21 fertig sein? Oder sind Sie zur Erkenntnis gelangt, dass der Trog noch so lange braucht, dass der Abstellbahnhof "noch genug Zeit" hat? Und könnten Sie uns bitte die Ihrer Meinung nach "veränderte Umstände" auch mitteilen oder wäre dies zuviel verlangt? ----- Und Herr F. Maier, überlegen Sie eigentlich oder schreiben Sie nur drauf los. Es scheint Ihnen nämlich praktisch egal zu sein, dass bei vielen Ihrer Kommentare der Realitätsbezug komplett fehlt.

Immer wieder amüsant, wie FM und O. versuchen, das Planungschaos der Deutschen Bahn AG in schöne Worte (besser gesagt in flauschige Watte) zu packen. FM schreibt im Prinzip daselbe wie O., nur mit etwas anderen Worten. Beide sehen die anfallenden Planänderungen als "Optimierung". Nun ja, was hat dann das Planungsbüro in den letzten 22 Jahren in ihrem "banalen Alltag" denn nun zusammengeplant? ... O. hat sich an anderer Stelle allerdings mit den schönen Worten zum Planungschaos der Bahn mehr Mühe gegeben, und mit der Verzögerung der Fertigstellung von S21 sogar den Vorteil gesehen, daß in dieser Zeit weitere Umplanungen stattfinden können, um eben - geflügeltes Wort - noch mehr zu "optimieren". Ja wohin optimieren sie denn? Wo laufen sie denn? Wo laufen sie denn alle hin? Kann man den Engpaß S21 noch mehr optimieren??? --- Oben bleiben!

So müssen: die Kosten nicht vor der Aufsichtsratsitzung in die Rechnung aufgenommen werden. Dann wäre das Geld aus. Es gibt keinen Grund nicht irgendeinen Ingenieursquatsch planfestzustellen, solange gibt es nichts Vorhandenes was zu optimieren wäre. Das EBA zeigte sich völlig schmerzfrei in der Vergangenheit, es gibt dabei keine Unschuld mehr zu verlieren. Und Lärm kann kein Argument sein. Bei jeder Lärmprognose lag der Gutachter zuungunsten von Anwohner meilenweit daneben. Beim Filderabschnitt sah man , dass zur Not auf der falschen Hausseite gemessen, oder dass ein Zug als Lärmquelle völlig unterschlagen wurde. Nach 11 Jahren Nicken wie WackelElvis auf dem Armaturenbrett ist die einzige ernstzunehmende Simulation die von Behörden bei der Seriosität der Genehmigungen. Da fanden sich wie bei der Bauaufsicht nur Wege sich aus der Verantwortung zu genehmigen.

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