InterviewStuttgart-21-Architekt Christoph Ingenhoven „Das neue Quartier ist der Star“

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Mitten in der Innenstadt biete sich die Jahrhundertchance, ein Quartier zu schaffen, das noch besser sei als die großen Vorbilder Kopenhagen oder Amsterdam. Doch die Zeit dränge, mahnt der Architekt Christoph Ingenhoven im Interview.

Christoph Ingenhoven schwebt ein Quartier vor, beim dem sich Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeitaktivitäten „unter einem Dach“ befinden. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Christoph Ingenhoven schwebt ein Quartier vor, beim dem sich Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeitaktivitäten „unter einem Dach“ befinden.Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Fast 20 Jahre ist es her, dass das Büro von Christoph Ingenhoven den Wettbewerb für den Neubau des Hauptbahnhofs gewonnen hat. Der Architekt ist zuversichtlich, dass die Umsetzung der Pläne, die das Umfeld miteinbeziehen, nun endlich mit mehr Elan angegangen wird. Mitten in der Innenstadt biete sich die Jahrhundertchance, ein Quartier zu schaffen, das noch besser sei als die großen Vorbilder Kopenhagen oder Amsterdam. Doch die Zeit dränge, mahnt der Architekt.

Herr Ingenhoven, die Stadt hat das Büro Mediator GmbH Mediation - Konfliktberatung in Berlin mit der Bürgerbeteiligung für das Rosensteinviertel beauftragt. Ein erster Schritt in die von Ihnen geforderte städtebauliche Debatte?
Auf alle Fälle. Vor allem weil wir ja alle noch unter dem Eindruck der Konflikte um den Bahnhof stehen. Dass man nun versucht, die Ideen und Gedanken der Bürgerschaft einzubeziehen, kann ich nur unterstützen.
Haben Sie keine Bedenken, dass der städtebauliche Diskurs von der nicht endenden wollenden Debatte um die Sinnhaftigkeit von Stuttgart 21 überlagert wird?
Ich glaube an die Vernunft der Menschen, die einsehen werden, dass man mit bestimmten Gegebenheiten leben muss. Selbst wenn man sich daran womöglich einst gerieben hat. Objektiv betrachtet ist es eine große Chance. Die sollte man sich nicht verderben lassen durch eine rückwärtsgerichtete Diskussion.
Zuletzt ist der Eindruck entstanden, dass Sie sich mehr Dynamik in der Diskussion wünschen würden.
Sicherlich spielt für die Rathaus – wie auch für die Landesspitze auch immer die Überlegung eine Rolle, als Bahnhofsgegner ins Amt gekommen zu sein. Vor diesem Hintergrund hat es mich natürlich sehr gefreut, dass Herr Kuhn zugesagt hat: ,Ich war zwar nicht ausdrücklicher Unterstützer des ursprünglichen Bahnhofsprojekts, aber als gewählter Bürgermeister möchte ich daran mitwirken, dass daraus etwas Überzeugendes und Zukunftsträchtiges wird‘. Und zwar aus dem Bahnhof selber, aber auch aus dem ganzen Umfeld, das Stadt und Bahnhof verbindet. In diesem Sinne hat es mehrere Gespräche gegeben, zuletzt auch mit dem Baubürgermeister, Herrn Pätzold. Es sind weitere im November und Dezember vereinbart, also sind wir da gut aufgehoben.
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54 KommentareKommentar schreiben

Glaspalast DU: Hat schon was dieser Glaspalast, ob sich Ingenhoven da bei den Haushaltgeräten umgesehen hat ? Sieht stark nach Dörrautomat aus !

Glaspalast DU: Hat schon was dieser Glaspalast, ob sich Ingenhoven da bei den Haushaltgeräten umgesehen hat ? Sieht stark nach Dörrautomat aus !

Glaspalast aus Düsseldorf: Na, is doch doll: Ingenhovens Dörrautomat.

Vernunft ?: "Ich glaube an die Vernunft der Menschen" und aus Vernunftgründen werden dann Fluchttreppenhäuser ans Ende der Bahnsteige gesetzt ? In diesen "sehr schönen poetischen lichtdurchfluteten Räumen" sollen sicher knarzende Lautsprecherdurchsagen nicht mehr stören oder sollen die dann gar auf musische Weise vorgetragen werden ? Auch die wunderbare Zusammenkunft der Reisenden auf nur noch halb soviel Bahnsteigen verspricht ein Erlebnis der besonderen Art zu werden. Der viele Freiraum wird uns Bahnkunden da sicher beglücken. Die Koffer können trotz schiefen Bahnsteigen bei sovielen Menschen gar nicht wegrollen-genial. Herr Ingenhoven, es ist so ein großes Glück für sie, dass sie an die Vernunft der Menschen glauben. Ich sehe schon der neue Bahnhof wird gar kein Wolkenkuckucksheim.

Jahrhundertchance:: Herr Ingenhoven sprach von der Lichtaugen-Ödnis des „Straßburger Platzes“ (wo in Visualisierungen tatsächlich Menschen wimmeln und Großbäume wachsen - auch auf dem Bild dieses Artikels!) als „Straßburger Garten“. Und in seinem weiß-leuchtenden Bahnhof (mit weißen Gleisen) würden 5% des Tageslichts ankommen und das sei „sehr hell“. Er rühmt auch die Belüftung durch die Tunnels (alle Tunnels müffeln mit der Zeit). Seine „Jahrhundertchance“ ist schon deutlich vertan mit einem künftig schlechteren Bahnhof unter Teil-Zerstörung des Stuttgarter Tafelsilbers Schlossgarten und Bonatzbahnhof. „Wärst du doch in Düsseldorf geblieben“.

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