Stuttgart 21 auf den Fildern Kritiker wollen Gutachter direkt befragen

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Auf der Tagesordnung der Erörterung des Filderabschnitts von Stuttgart steht am Montag und Dienstag nächster Woche ziemlich unverdächtig „Planrechtfertigung“. Dahinter könnte sich aber weiterer Konfliktstoff verbergen.

Beim Eröterungsverfahren zu Stuttgart 21 auf den Fildern wittern die Kritiker Morgenluft. Foto: dpa
Beim Eröterungsverfahren zu Stuttgart 21 auf den Fildern wittern die Kritiker Morgenluft.Foto: dpa

Stuttgart - Auf der Tagesordnung der Erörterung des S-21-Filderabschnitts für den Montag und Dienstag nächster Woche steht ziemlich unverdächtig „Planrechtfertigung“. Dahinter könnte sich aber weiterer Konfliktstoff verbergen – die Projektkritiker vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 und von der Internetplattform Wikireal wollen dann zur Sprache bringen, dass aus ihrer Sicht der neue Tiefbahnhof in Stuttgart „deutlich weniger leistet als der bestehende Kopfbahnhof“, also dort weniger Züge fahren können als heute.

Wenn dies nachgewiesen werde, entfielen die planungsrechtlichen Grundlagen für das Projekt nicht nur auf den Fildern, sagte am Mittwoch Werner Sauerborn vom Aktionsbündnis, „da geht es um den Sinn des Ganzen“. Das Regierungspräsidium erklärte bereits, dass die Leistungsfähigkeit des Projekts auch im Verfahren für einen Teilabschnitt erörtert werden müsste.

Dabei stützen sich die Gegner auf Einschätzungen des Projektkritikers Christoph Engelhardt von Wikireal, der im Auftrag des Umweltverbands BUND im Dezember vergangenen Jahres eine umfangreiche Stellungnahme verfasste, auf die die Bahn im Juli 2014 reagiert hatte und die nun Engelhardt mit einer erneuten mehr als 100-seitigen Replik kontert.

Kritik: Argumente der Bahn sind „methodisch falsch“

„Keinen einzigen unserer Kritikpunkte hat die Bahn ausräumen können“, sagte Engelhardt am Mittwoch. Ihre Argumentationen seien „methodisch falsch und ohne wissenschaftlichen Beleg“. So sei deutlich geworden, dass die Bahn bei ihrer Berechnung der Leistungsfähigkeit der neuen unterirdischen Station zu kurze Halte- und Abfertigungszeiten angesetzt und mögliche große Verspätungen ausgeklammert habe. Bei der S-Bahn habe sie eine höhere Pünktlichkeit angenommen, als in den vergangenen Jahren erzielt worden sei. „Die Bahn hat sich bis auf die Knochen blamiert“, erklärte Engelhardt, der mit mehr als 220 Anträgen die Bahn zu einer umfassenden Stellungnahme zwingen will.

Der S-21-Kritiker wirft zahlreichen Gutachtern der Bahn, vor allem den Professoren Gerhard Heimerl, Wulf Schwanhäußer und Ullrich Martin vor, unzulässig dem neuen Tiefbahnhof eine höhere Kapazität als dem Kopfbahnhof zuzumessen, dies aber nicht zu belegen. So liege die Stundenkapazität der neuen Station bei maximal 32 bis 35 Zügen, die des Kopfbahnhofs aber bei mindestens 38. Dennoch berufe sich die Bahn mehrfach auf diese Wissenschaftler. Engelhardt sprach von „massiven Fehlern, unvollständigen und irreführenden Darstellungen“, die „den Leistungsrückbau systematisch verschleiern“ würden.

Forderung: Auch Bahn-Vorstand soll befragt werden

In mehreren Anträgen fordert er deshalb, dass Heimerl, Schwanhäußer und Martin ihre Aussagen während der Erörterung am Montag und Dienstag öffentlich erläutern und dies mitgeschnitten wird. Auch der Bahn-Vorstand Volker Kefer solle zu seinen Einschätzungen befragt werden können. Die Öffentlichkeit habe die Schlichtung und den Stresstest direkt verfolgen können, dies müsse nun auch bei der Erörterung möglich sein, begründete Engelhardt. Die Bahn hatte im Vorfeld der Erörterung mehrfach die Kritikpunkte Engelhardts pauschal zurückgewiesen.