Stuttgart 21 Bahn-Chef Grube rechnet nochmal nach

Von Jörg Nauke 

Die Deutsche Bahn rechnet die Kosten für Stuttgart 21 nochmal nach. Bahn-Chef Grube will den Rahmen von 4,52 Milliarden Euro einhalten.

Bahn-Chef Rüdiger Grube will nochmal nachrechnen. Foto: dpa
Bahn-Chef Rüdiger Grube will nochmal nachrechnen.Foto: dpa

Stuttgart - Die Veröffentlichung eines Dossiers mit 121 Risiken aus der Feder des ehemaligen Stuttgart-21-Bauleiters Hany Azer, das Mehrkosten von mehreren Milliarden Euro auflistet, sowie von Dokumenten, die deutlich machen, dass Parlamentariern zu früheren Zeiten die wahren Kosten vorenthalten wurden, hat nun auch die Politik beeindruckt: Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat vor einigen Tagen in einem Brief an den Bahn-Chef Rüdiger Grube "dringenden Gesprächsbedarf" angemeldet. Darüber berichtete die "Financial Times Deutschland". Der Regierungssprecher Rudi Hoogvliet bestätigte gegenüber der StZ das Schreiben und betonte, es sei mit dem Koalitionspartner SPD abgestimmt gewesen. Die Landesregierung bekräftige in dem Schreiben, dass sie zur Finanzierungszusage der Vorgängerregierung stehe - allerdings höchstens bis zur bekannten Obergrenze von 4,52 Milliarden Euro. In diesem Schreiben sei auch dokumentiert, dass die Bahn - sollten sich die Kosten für die Tieferlegung des Hauptbahnhofs, die Anbindung des Flughafens und den Anschluss an die Neubaustrecke erhöhen - "auf eigenes Risiko handelt", so Rudi Hoogvliet. Zur Beteiligung an Mehrkosten sei das Land auch nicht verpflichtet, wie ein Rechtsgutachten beweise.

Die Deutsche Bahn aktualisiert laut Zeitungsbericht grundlegend die Kosten- und Risikosituation. Das sei keine schnelle Routinearbeit. "Umfangreiche Vorbereitungsarbeiten" sind laut einem Brief von Grube an Kretschmann notwendig. Der Bahn-Chef verweise in dem Schreiben auf ein Treffen im September. Bis jetzt sei aber noch kein Termin für die nächste Lenkungskreissitzung bekannt, sagte Regierungssprecher Hoogvliet. Die Deutsche Bahn behauptet weiter, sie werde bis zum Ende der Bauzeit 2020/2021 den Kostenrahmen von 4,52 Milliarden Euro einhalten; das Ausschreibungsergebnis für ein 750 Millionen Euro umfassendes Tunnelbaupaket sei ein Beleg dafür. Weder Bahn noch beauftragte Baufirma Porr wollten sich allerdings über die Risikoaufteilung bei möglichen Kostensteigerungen äußern.

Zusatzkosten von 100 Millionen Euro

Kretschmann geht von Zusatzkosten bei Stuttgart 21 von rund 100 Millionen Euro aus, darunter allein 20 Millionen Euro für eine nicht eingeplante Zugsicherungstechnik. Die Nachbesserungen, die sich aus der Schlichtung ergeben wie der Erhalt der Gäubahn, die zweigleisige Anbindung des Flughafenbahnhofs, sofern er überhaupt am geplanten Ort gebaut werden kann, sowie optional die Vergrößerung der Wendlinger Kurve im Umfang von mehr als 100 Millionen Euro kämen hinzu.

Beeindruckt hat den Ministerpräsidenten das Risikodossier von Hany Azer - Papiere, die im "Stern" abgedruckt wurden, der Landesregierung als Vertragspartner bisher vorenthalten wurden. In einem Interview mit dem Magazin, das am Donnerstag erscheint, sagt er: "Das sind Dinge, die wir jetzt ändern können, wir gehen da ran im Rahmen unserer Möglichkeiten. Die Bahn muss erkennen, dass sie sich als ein Unternehmen, das dem Staat gehört, dieses Verhalten nicht erlauben kann."

Vorgänge offenlegen

Der Ärger über das Verhalten der Bahn hält den Widerstand in Stuttgart wach. Zur Montagsdemonstration kamen wieder einige Tausend Besucher. Zuvor hatte der Architekturhistoriker Wolfgang Voigt vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt beim 5. Plädoyer für den Südflügel die Landesregierung aufgefordert, die Proteste der Fachwelt ernst zu nehmen und "die Vorgänge seit 1997" offenzulegen.

Voigt sagte, "die angebliche Zustimmung der Denkmalpflege für Ingenhovens unterirdischen Bahnhof und für die Verstümmelung des Bonatz'schen Kulturdenkmals war die Folge eines von der abgewählten Landesregierung und einer von ihr abhängigen Behörde verhängten Maulkorbs". Den Fachleuten der neuen Regierung müsse eine "von politischer Pression unabhängige neue Bewertungsmöglichkeit gemacht werden". Heiner Geißlers Kompromissvorschlag sollte vorurteilsfrei geprüft werden. Der Südflügel könne über dem Tunnel erhalten bleiben, glaubt Voigt.

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48 KommentareKommentar schreiben

Schwarzer Ritter ohne (?) Furcht und viel Tadel der dunklen Mächtefkriter: Sollten Sie, ob ihrer Kenntnisse vob Nachbar Eisenbeiß die Wette bereits abfeschlossen haben? Dannkäme ich womöglich zu spät, um auf auf einfachste Weise 10.00 EUR zu verdienen. Denn selbstverständlich halte ich mit ____________________________________________________________Nachbar Eisenbeiß zwecks Klärung der technischen Details senden sie doch einmal eine eine formlose Mail an andromeda52@gmx.net

Nachbar Eisenbeiß: Ach, wo ist mein spritziger, schnell auffassender Jones geblieben? Es ist offenbar nur noch der mürrische, begriffsstutzige Nachbar Eisenbeiß übrig geblieben. ============ Alles, was Sie jetzt wieder- und wiederkäuen (an was erinnert mich – nein, das schreibe ich jetzt nicht), habe ich Ihnen schon sehr geduldig mehrmals erklärt, z.B. die Sache mit den Risiken, lesen Sie es bitte einfach nach.========= Sehr interessant finde ich Ihre Anmerkungen bezüglich Herrn Dr. Kefer – Sie können Ihre Behauptungen sicherlich belegen? ========== Was die Vergaben anbelangt, so sind SIE doch bestens informiert, mehrere Ihrer Männer sitzen im Verkehrsministerium, nicht nur unser Pannenminister, nein auch 54 Wühlmäuse, z.T. aus der Parkschänder-Szene, da muss Ihnen doch das Herz aufgehen, oder?=========== Und auch die Sache mit der Betriebsqualität ist eindeutig geklärt. Premium heißt eben nicht gut, sondern sehr gut; Verspätungen werden im Bahnhof abgebaut. Lesen Sie einfach das Gutachten von sma nochmals in Ruhe durch, entspannen Sie sich. Möge der Heilige Franz stets mit Ihnen sein. Ihr getreuer Schwarzer Ritter ohne Furcht und Tadel.

Recht muss Recht bleiben, und Unrecht darf nicht Recht werden: Nun wird also nochmal schnell 'nachgerechnet', was denn 'Stuttgart 21' so kosten soll. Gute Idee. Nur: Gebaut wird sowieso nicht. Jedenfalls nicht 'Stuttgart 21'. Die Bahn hat nicht das Recht zu bauen, weil 5 von 6 Abschnitten immer noch nicht planfestgestellt sind. Die Gegner haben allerdings das Recht, auf die Strasse zu gehen, sogar diese Bauarbeiten zu stören oder in irgend einer anderen Art zu unterbinden, weil inzwischen bekannt geworden ist, dass die Bahn AG die Öffentlichkeit (einschließlich dem Bundestag und dem Verwaltungsgerichtshof) sowie ihre Vertragspartner belogen hat. 'Stuttgart 21' ist also nicht demokratisch oder sonstwie legitimiert, sondern ein Vergehen an der öffentlichen Landes- und Bundeskasse. Es gibt zu wenige Menschen wie Herrn Palmer, die nicht bequem geworden sind und den Finger in die Wunde legen. 'Stuttgart 21' leistet nicht mehr, als der Kopfbahnhof leisten kann, sondern weniger. Und kostet den Steuerzahler (ja, vor allem den in Baden-Württemberg) Millarden an Euro. Die Menschen wollen aber lieber ein zukunftstarkes Stuttgart.

Plötzlich neue Nachberechnungen - 'S21' ist am Ende: Sieh an, es geht doch. 16 Jahre lang hat die Bahn die Kosten und Risiken klein gerechnet, Parlamente, Justiz und Öffentlichkeit getäuscht. Scheinbar brauchte es eine herbe Niederlage für die Bahn, wie sie sie in Form des Vorschlags von SMA auf den Tisch gekommen ist: S21 ade, der Kombibahnhof kommt (also ein verkleinertes K21 mit 4 Durchgangsgleisen). Nun wird in Geheimverhandlungen zwischen Grube, Kretschmann und Merkel beschlossen, wie alle Seiten ohne Gesichtsverlust wieder herauskommen (vor allem die Bahn, die sich vollständig in 'Stuttgart 21' verrannt hat). Nun müssen also neue 'Nachberechnungen' her, sprich, die wahren Kosten kommen nun auf den Tisch, wenn auch nur hinter verschlossenen Türen. Grube wird Kretschmann eingestehen, dass er 'Stuttgart 21' eigentlich auch gar nicht will, sondern nur die Kohle, die die Bahn vom Steuerzahler dadurch bekommt. Kretschmann wird Nils Schmid anweisen, noch ein paar Milliönchen zuzuschießen, und schon kommt er, der Kombibahnhof, nach Züricher Vorbild. Und alle sind glücklich und zufrieden, sogar die CDU und die Bahn, vor allem dann, wenn das ganze Ding doch noch 'Stuttgart 21 Kombi' oder so ähnlich getauft wird. Der Filz kann behaupten, S21 wird gebaut, der Rest der Bevölkerung freut sich über einen modernen Kopfbahnhof. Aber bitte: Die neuen Tiefbahnhofgleise in Richtung der S-Bahn-Tunnelröhre legen, nicht quer. Wir wollen keine Grundwasserabsenkung, keine Austrocknung der umgebenden Vegetation (v.a. im Schlossgarten) und keine Mineralwassergefährdung.

Grube will rechnen?: Achtung, Achtung: größter Witz des Jahres...Grube will rechnen...!!!=============Sammelt schon mal Taschenrechner und Rechenschieber und lasst sie dem Oberrechner der Nation, dem 'ehrbaren Kaufmann' als kleine Spende zukommen...brüllvorlach=============

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