Stuttgart 21 Bahn entsorgt Aushub außerhalb der Region

Markus Heffner, 04.05.2012 06:55 Uhr

Stuttgart - Um die Kosten von Stuttgart 21 zu senken, hat die Bahn im jüngsten Lenkungskreis angekündigt, ein Sechspunkteprogramm aufsetzen zu wollen. Dabei sollen auch externe Beratungsfirmen beauftragt werden, um Einsparpotenziale bei dem auf 4,526 Milliarden Euro gedeckelten Projekt aufzuspüren. Sie sollen unter anderem die Personalplanung durchleuchten, die vorgeschlagenen Materialien überprüfen sowie nach Optimierungsmöglichkeiten bei der Zusammenarbeit mit den ausführenden Firmen suchen. So soll etwa ein gemeinsames Büro eingerichtet werden, in dem die Vertreter der Bahn und der verschiedenen Unternehmen zusammensitzen.

Ein Teil des Sparprogramms ist zudem das Baulogistikkonzept, das laut dem Bahn-Technikvorstand Volker Kefer eben mit Blick auf die Kosten noch einmal komplett geändert wurde. Demnach sieht der neue Prozess vor, die Erdmassen in spezielle Container zu füllen, die auf dem Gelände am inneren Nordbahnhof komplett von Lastwagen auf Güterzüge umgeladen werden können.

Am Zielort werden die Container mit ihrer Fracht dann wieder auf Lastwagen verladen und zur Deponie gefahren. Im Vergleich zur ursprünglichen Planung, die herkömmliche Lastwagen und eine Fremdvergabe für das zusätzliche Be- und Entladen vorgesehen hatte, würde man sich dabei mehrere Zwischenschritte beim Umschlag der Ladung sparen, so Kefer. Zudem könne die Bahn damit den Anteil an den Eigenleistungen erhöhen, also dadurch weitere Kosten einsparen.

Die Bahn muss Logistikstraßen bauen

Vor allem aber versetzt die Änderung des Logistikkonzepts die Bahn in die flexiblere Lage, bei der Entsorgung des Containerinhalts über die kostengünstige Schiene aus einer Vielzahl von auch weiter entfernten Deponien wählen zu können. Das alte Konzept hatte vorgesehen, einen erheblichen Anteil der Erdmassen direkt mit Lastwagen zu Sammelstellen im nahen Umland zu fahren. Die Preise der Deponien in der Region Stuttgart hätten aber massiv angezogen, so Bahn-Vorstand Kefer, „seit die Arbeiten an Stuttgart 21 konkrete Formen angenommen haben“. Sollten sich die Preise wieder normalisieren, werde die Bahn den Aushub natürlich auch bei den umliegenden Deponiestandorten entsorgen.

Um die gewaltigen Erdmassen aus der Stuttgarter Innenstadt zum Abtransport mit dem Güterzug zu schaffen, muss die Bahn als Bauherrin von Stuttgart 21 für die Schwerlaster noch eigene Logistikstraßen bauen. Die Belastung der ohnehin stark frequentierten öffentlichen Straßen in der Stadt wäre um ein Vielfaches zu hoch. Ein Teil der Baulogistikstraßen, die laut dem Zeitplan der Bahn von August an errichtet werden sollen, quert den Mittleren Schlossgarten aus Richtung der Stadtbahn-Haltestelle Staatsgalerie und auf der Seite am Gebhard-Müller-Platz.

Per Förderband über den Cityring

Der weitere Verlauf führt über die dann dauerhaft gesperrte Straße Am Schlossgarten hinter dem neu zu bauenden Querbahnsteig entlang und am LBBW-Gebäude am Pariser Platz vorbei auf das Gelände am inneren Nordbahnhof. Der Aushub, der beim Bau des Fildertunnels anfällt, wird per Förderband über den Cityring auf die andere Seite in den Mittleren Schlossgarten geschafft und dann von dort aus ebenfalls mit Lastwagen über die Logistikstraßen abgefahren.

Mitte November sollen die Baulogistikstraßen, für die teilweise auch Brücken errichtet werden müssen, laut dem Projektleiter Stefan Penn fertig sein. Zu Beginn der zentralen Bauphase werde man für den Abtransport teilweise noch über die öffentlichen Straßen fahren müssen, sagt Penn. Dieses Vorgehen sei aber ein Teil des Planfeststellungsbeschlusses und damit von den Behörden so genehmigt worden.

 
 
Kommentare (116)
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MAI
16
Lia Roß, 16:56 Uhr

MAI 12 Rudolfo H, 15:43 Uhr

Nein, mein Freund, ich würde bestimmt keinen Herzschrittmacher mit einer Internet-Anleitung anbauen wollen. Dafür gibt es Chirurgen. Aber ich denke, dass ich (die Doofe, unvernünftige Zukunftsverweigerin) nie auf die Idee kommen würde, ein gesundes Herz raus zu operieren und statt dessen ein Herzschrittmacher quer zu den vorhandenen Arterien einbauen zu lassen. Und obendrauf weit über meine Verhältnisse hinaus zahlen müsste. Ferner würde ich keinem Arzt vertrauen wollen, der zuvor eine Pannenserie an mehreren Patienten eingerichtet hatte und Schwarzarbeiter als Sanitäter beschäftigt, die einem noch das Dach abreisen :-) Danke für den Vergleich, er trifft auf Stuttgart bestens zu.

MAI
14
Erwin Kober, 21:53 Uhr

@Rudolfo_h

Auch wenn ihre zweite Antwort an Frau Lia Roß sachlicher ausfällt, ihren Eselsglauben an S21 und die Verlautbarungen des Projektbüros wollen sie sich offenbar nicht nehmen lassen, obwohl - wie Frau Rfoß zu Recht sagt - teilweise an Naivität grenzt. In diesem Sinne ein fröhliches 'Iaaa'

MAI
12
Rudolfo H, 15:43 Uhr

@Lia Roß

Oh, es gibt zwischen uns noch ein paar Unterschiede mehr... einer wäre zum Beispiel, dass ich nicht persönlich beleidigend werde. Hoffe ich zumindest. Ein anderer wäre, dass ich tatsächlich daran glaube, dass es für verschieden spezielle Aufgabengebiete eben auch Spezialisten gibt. Und ich mir nicht anmaße alles selbst erarbeiten zu können. Würden, Sie nach Anleitung aus dem Internet, bei einem Verwandten einen Herzschrittmacher implantieren? Wohl kaum. Außer Sie wären sehr unverantwortlich. Verraten Sie mir eines: wie kommt es, dass Sie den Quellen des Internets mehr glauben schenken, als den Aussagen der Fachleute? Das ist kein Vorwurf, sondern eine ernstgemeinte Frage. Ich vermute mal, Sie haben sich irgendwann dafür entschieden, dass man der Bahn nicht glauben kann. Auf keinen Fall und gar nichts. Das ist Ihr gutes Recht. Es ist aber eine Glaubensfrage... oder vll. passender: eine Vertrauensfrage. Vielleicht werden Sie aber verstehen, dass es Menschen gibt, die lieber von einem Chefarzt am Herz operiert werden, als von einem Wasserbesprecher. Selbstverständlich würde sich jeder vor einer solchen Operation eine zweite Meinung einholen. Vll. sogar eine dritte. Nur bringt das nicht viel, wenn man davor schon nur eine Meinung akzeptiert, nicht wahr? Da ist noch ein Punkt in dem wir uns unterscheiden: während ich versuche möglichst sachlich unterschiedliche Aussagen zu vergleichen, scheinen Sie mit viel Herzblut bei der Sache zu sein. Ist ja völlig in Ordnung. Nur sollten Sie nicht unbedingt Ihre Emotionen bei der Bewertung der Beiträge hier zu Rate ziehen. Auch wenn man das so missverstehen kann, hatte ich keineswegs irgend jemanden den Vorwurf gemacht das K21 nicht fertig geplant sei. Klar konnte das vom Bündnis nicht geleistet werden. Nur sollte man sich dann auch nicht hinstellen und behaupten man hätte die ultimativ bessere Lösung wenn man nicht mehr als einen Ansatz hat. Da beginnt für mich bereits der Vertrauensverlust. Was mich zu dem nächsten Unterschied zwischen uns bringt: während Sie nicht müde werden, die Kompromisse welche bei S21 eingegangen werden müssen als Fehlplanung hinzustellen, scheinen Sie den Nachteilen von K21 gegenüber sehr tolerant zu sein. Damit meine ich nicht, dass K21 keine Kompromisse hätte haben dürfen. Aber diese komplett zu negieren und die Augen davor zu verschliessen - im gleichen Atemzug jedoch den gleichen Sachverhalt (z.B. die Einschnitte in die Ökologie) bei S21 zu verteufeln, ist in meinen Augen bigott. Folge: Vertrauensverlust. Da hilft es auch nicht sehr, dass die gegnerische Hauptstrategie bei der Schlichtung war, möglichst alles was von der Bahn kam zu leugnen auch wenn es dann im Nachhinein doch bestätigt wurde. Diese Form von Dreckschleuder-Argumentation - zum Teil mit unlauteren Mitteln - führte wieder mal zu was? Genau: Vertrauensverlust. Wundern Sie sich denn ernsthaft, dass es da schwer wird, nicht voreingenommen zu sein? Es ist nicht unmöglich, dass es noch Probleme bei S21 geben wird. Bei der Größe des Projektes werden wieder Fehler passieren. Gleiches hätte jedoch auch für K21 gegolten. Vll. über einen längeren Zeitraum verteilt, aber im Umfang ähnlich. Hier hoffe ich tatsächlich, dass es nicht Größeres sein wird. Viel mehr wäre Ihnen bei K21 auch nicht übrig geblieben. Hoffen, dass die Leute die es letzten Endes umsetzen, das möglichst gewissenhaft tun werden. Mit Glaube hat das wenig zu tun... sondern mit dem gleichen Vertrauen, welches Sie in ein K21 gesetzt hätten.

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