Stuttgart 21 Bahn kämpft im S-21-Trog mit dem Zeitplan

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Vor einem Jahr hat die Bahn damit begonnen, den Trog für den Durchgangsbahnhof für Stuttgart 21 im Mittleren Schlossgarten auszuheben. Die damals geäußerten Prognosen für den Bauablauf sind mittlerweile hinfällig.

Die erste Baugrube im Schlossgarten für den Durchgangsbahnhof  hat ihre Solltiefe erreicht. Allerdings sollte längst eine Bodenplatte betoniert worden sein. . Foto: Lichtgut/
Die erste Baugrube im Schlossgarten für den Durchgangsbahnhof hat ihre Solltiefe erreicht. Allerdings sollte längst eine Bodenplatte betoniert worden sein. .Foto: Lichtgut/

Stuttgart - Im Mittleren Schlossgarten wächst die erste Stützkonstruktion für das künftige Bahnhofsdach von Stuttgart 21 in den Himmel. Ein Gewirr aus Schalplatten und Armierungseisen bildet den Rahmen für das, was die Bahn einen „Kelchfuß“ nennt. Der Haken an der Sache: das komplizierte Baustück dient nur der Übung, es wird nach vollbrachter Arbeit wieder abgebaut. Dabei wollte die Bahn eigentlich in diesem Monat damit beginnen, die ersten dieser Kelche an ihren endgültigen Positionen auf den Bahnsteigen zu bauen – doch die gibt es noch nicht.

Damit weicht der Bau vom Zeitplan ab, den der Schienenkonzern und das mit den Arbeiten an der Station betraute Bauunternehmen Züblin zu Beginn der Aushubarbeiten im Mittleren Schlossgarten vor einem Jahr präsentiert hatten. Mittlerweile ist klar: Diese zeitlichen Vorgaben sind längst Makulatur.

13 von 25 Baugruben sind laut Bahn in Arbeit

Zwar haben die Fachleute in der von der Bahn „Bauabschnitt 16“ genannten Grube mittlerweile die Sohle, also die tiefste Stelle, erreicht, wie ein Sprecher des Kommunikationsbüros für Stuttgart 21 mitteilt. Und er weist auch darauf hin, dass mittlerweile 13 von 25 Baugruben zwischen Jäger- und Sängerstraße für den Bahnhof in Bearbeitung „sind oder waren“. Aber laut Plan müsste man eben schon viel weiter sein.

Die Baugrube 16 ist die erste, die die Bahn in Angriff genommen hat. Und an ihr zeigt sich besonders deutlich, wie stark die S-21-Bauer hinter ihren ursprünglichen Zeitplan zurückgefallen sind. Darin war die Bauzeit zwischen Mitte 2014 und Mitte 2016 in 18 Etappen unterteilt. Laut Planung sollten sich die Bauarbeiter in diesem Monat bereits die Etappe 14 vornehmen. Tatsächlich haben sie den Plan bislang nur bis zur Zwischenstufe 7 abgearbeitet. So weit wollte die Bahn eigentlich schon zwischen Februar und Anfang April gekommen sein. Damals zeigte sich Manfred Leger, Chef der DB-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm, im Interview mit der Stuttgarter Zeitung noch zuversichtlich, „im Sommer“ die erste Bodenplatte in Baugrube 16 betonieren zu können. So konkret mag sich die Bahn heute nicht mehr äußern. Der Sprecher des Kommunikationsbüros erklärt lediglich: „Die Bodenplatte des zukünftigen Bahnsteigs wird im nächsten Schritt betoniert.“ Wann das sein könnte und wann diese Arbeiten vollendet sein werden, bleibt trotz Nachfrage offen. Eine gute Nachricht für die von den Ramm- und Bohrarbeiten beeinträchtigen Nachbarn der Baustelle gibt es dann doch: „Für den Bahnhofstrog sind alle Pfähle eingebracht“, erklärt der Sprecher. Weitere müssen allerdings noch für einen Kanal gebohrt werden, der das Baufeld 16 unterquert. Parallel dazu muss auch noch eine Röhre entstehen, in der weitere Leitungen unter dem Bahnhofsbau hindurch geführt werden.

Abstimmungsbedarf mit den Behörden

Die Bahn will aus den Erfahrungen in der ersten Baugrube gelernt haben. Diese habe sich zu einem „zu einem Referenzabschnitt für die weiteren Baugruben entwickelt“. Denn obwohl die Bahn mit dem sogenannten Planfeststellungsbeschluss das Baurecht in der Tasche habe, müsse sie sich während der Planung der konkreten Bauschritte ständig mit den Behörden austauschen. Diesen Abstimmungsbedarf „mit den Fachbehörden und -abteilungen“ werde von der Bahn „mit der gebotenen Sorgfalt und Genauigkeit geführt“, erklärt das Kommunikationsbüro.

Bei allem Abstimmungsbedarf glaubt die Bahn , ihren Zeitplan einhalten zu können. So gebe es im Bauablauf auch Möglichkeiten der Beschleunigung. „Für die Herstellung der neuen Bahnsteighalle werden zusätzliche Schaltafeln für die Kelchstützen bestellt“, heißt es bei der Bahn. Zudem prüfe man den Bauablauf erneut mit dem Ziel, ihn zu „optimieren“.

Ambitionierter Zeitplan

Die Bahn muss im Hinblick auf die weiterhin für Ende 2021 angekündigte Inbetriebnahme des neugeordneten Stuttgarter Bahnknotens die Termine im Blick behalten. „Der Zeitplan ist ambitioniert“, räumt der Sprecher des Kommunikationsbüros ein. „Nach allem, was wir heute wissen, sind wir sehr zuversichtlich, dass die ersten Züge im Dezember 2021 zwischen Stuttgart und Ulm fahren.“

Der zentrale Bauabschnitt im Schlossgarten ist aber nicht der einzige, dessen alter Zeitplan überholt ist. Verzögerungen gibt es auch am Südende des Bahnhofstrogs, in der Baugrube 25, in der die Bahnsteiggleise in die Tunnel auf die Filder und ins Neckartal geführt werden. Dafür sollte im Bereich der Sängerstraße bereits seit März ein bis zu 23 Meter tiefes Loch gegraben werden. Ende Juni war davon noch nichts zu sehen. Stattdessen räumte die Bahn im gemeinderätlichen Ausschuss für Umwelt und Technik ein, die dortigen Anwohner mit einer zehn Meter hohen Wand vor dem Lärm der Baustelle schützen zu müssen. Diese soll jetzt Ende des Jahres fertig sein. Immerhin kann der Sprecher des Kommunikationsbüros mitteilen, dass „das Fundament für die Schallschutzwand an der Sängerstraße bereits gelegt“ ist.