Stuttgart 21 Bahn legt S-21-Tunnel tiefer

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Im Bereich der für Stuttgart 21 geplanten Neckarquerung müssen die Tunnel tiefer als bislang genehmigt im Erdreich verlegt werden. Das hat mit den Erfahrungen an anderer Stelle zu tun.

Mit einem symbolischen Baggerbiss begannen im Dezember 2013 die Arbeiten in Wangen, die sich als kompliziert herausstellen sollten. Foto: Michael Steinert
Mit einem symbolischen Baggerbiss begannen im Dezember 2013 die Arbeiten in Wangen, die sich als kompliziert herausstellen sollten.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hat der Bahn bescheinigt, dass die von ihr vorgesehene Änderung an der Lage des Obertürkheimer Tunnels für Stuttgart 21 keine separate Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen muss. Der Bauherr der milliardenschweren Neuordnung des Stuttgarter Bahnknotens beabsichtigt, die unterirdische Verbindung zwischen Wangen auf der einen Seite, sowie Ober- und Untertürkheim auf der anderen Seite bis zu vier Meter tiefer zu legen als ursprünglich vorgesehen.

Die bisher genehmigten Pläne sahen vor, dass die Tunnel rund acht Meter unter dem Neckarbett verlaufen sollten. Ende des vergangenen Jahres stellte die Bahn den Antrag, die Lage der Tunnel verändern zu dürfen. Die Erfahrungen, die der Schienenkonzern mit dem Ausheben einer Baugrube in Wangen gemacht hatte, wo deutlich mehr Grundwasser zu Tage trat, als angenommen, hat zu diesem Sinneswandel geführt. Die beantragte Planänderung „beruht auf geologischen Erkenntnissen aus dem Bau des Zugangsstollens“, erklärte ein Sprecher des Kommunikationsbüros.

Das EBA hat eine Stellungnahme dazu im Internet publiziert, die seitdem vor allem in Kreisen der Stuttgart-21-Gegner die Runde macht. Die Projektkritiker misstrauen der Behördenentscheidung. Denn durch die Tieferlegung rücken die Röhren näher an jene Schichten heran, die Mineralwasser führen. Die Prüfbehörde stellt aber fest, dass die Änderung „aus wasserwirtschaftlicher Sicht als positiv zu bewerten“ sei, heißt es in dem Schreiben mit Datum vom 9. Februar.

Das EBA kann den modifizierten Plänen weitere gute Seiten abgewinnen. So dürften Setzungen an Gebäuden, die vom Tunnelbau tangiert sind, geringer ausfallen als zunächst angenommen, so die Einschätzung der Behörde. Das EBA-Schreiben stellt aber nicht die Genehmigung der Planänderung dar. Die steht noch aus. Allerdings kann die Bahn auf Grundlage ihres bisherigen Baurechts die unterirdischen Arbeiten vorantreiben.

Mineure haben bisher 50 Tunnelmeter geschafft

Um den Tiefbahnhof mit den Strecken im Neckartal zu verbinden, soll der rund 5750 Meter lange Tunnel Obertürkheim entstehen. Die beiden Röhren teilen sich am westlichen Neckarufer in vier Tunnel auf. Zwei davon schwenken nordwärts Richtung Untertürkheim, die beiden anderen führen in den Süden nach Obertürkheim.

In den beiden Stadtbezirken knüpfen die Tunnel an das bestehende Schienennetz an. Gebaut wird unter anderem vom sogenannten Zwischenangriff Wangen aus, einem 39 Meter tiefen Schacht an der Ulmer Straße. Von dessen Sohle führt ein 105 Meter langer Zugangsstollen zur eigentlichen Tunnelbaustelle.

Als erste der S-21-Röhren im Dezember 2013 in Angriff genommen, entpuppte sie sich im Bau als kompliziertes Unterfangen. Beim Ausheben des Schachtes trafen die Mineure auf deutlich mehr Grundwasser als prognostiziert. In der Folge musste ein aufwendigeres Bauverfahren umgesetzt werden. Diese Erschwernisse blieben nicht ohne Folgen. Bis Anfang dieser Woche hatten sich die Mineure in den eigentlichen Tunnelröhren erst ganze 50 Meter weit vorangearbeitet.

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127 KommentareKommentar schreiben

Die Bahn hat lt. StN-Bericht "Bahn: Pläne am Flughafen sind wirtschaftlich optimal" zugegeben, daß diese "wirtschaftlich optimale" Betriebsqualität der beantragten Fildertrasse (Antragstrasse) VERSPÄTUNGSANFÄLLIG ist. Man kennt die Sache aus dem sog. Stresstest, wo man weiß, daß diese BQ Verspätungen bis zu einer Minute beinhaltet und somit an der Grenze der mangelhaften BQ liegt. Heißt auch, daß die Fildertrasse schon bei der Eröffnung an der absoluten Grenze der Kapazitätsmöglichkeiten angekommen sein wird. Ein Mehr an Zügen ist nicht mehr möglich. ... Aber man kennt es ja von Seiten der Bahn: Schon vor Veröffentlichung des sog. Stresstests posaunte sie heraus, diesen bestanden zu haben, obwohl sich rausstellte, daß a) die Bewertung der BQs völlig nach unten verschoben wurden und b) mit dem neuen Begriff "wirtschaftlich optimal" Verspätungswerte bis zu einer Minute als akzeptabel betrachtet wurde. Von den vielen Fehlern und Manipulationen beim Stresstestfahrplan bis hin zum nichtdurchgeführten Finalen Simulationslauf möchte ich gar nicht reden. ... Es zeigt sich insgesamt, worauf die Bahn hinaus will: ein Eisenbahnknoten Stuttgart hart an der Kapazitätsgrenze, ohne Reserven und Inkaufnahme von einkalkulierten Verspätungen, daselbe bei der Filderantragstrasse. Es sieht doch selbst der Blinde mit dem Stock, daß eine solche Struktur zum Scheitern verurteilt ist. Wenn jemals dieses Projekt in Betrieb gehen würde, hätten wir genau dieselben Verspätungen und Schwierigkeiten mit Reisezügen und S-Bahnen wie heute schon erlebar, wenn nicht sogar noch schlimmer. --- Oben bleiben!

Was genau: Steht denn in dem unveröffentlichten Gutachten? Informiert wie Sie sind, können Sie doch sicherlich Details liefern.

nicht freigeg. (ch)kann sie nicht: sie kann das einmal schreiben und drei- bis viermal in alle möglichen artikel kopieren, aber begründen oder details liefern kann frau müller grundsätzlich nicht. sprudelt die quelle im ssb-tunnel eigentlich noch?

Nach meinen letzten Erkundigungsgänge sind die Tunnelröhren trockengelegt, die Blasgeräte entfernt worden. Oder, wer weiß, vielleicht in die Tunnelröhren verlegt worden. Immerhin sind bisher 4 Jahre vergangen und die Tunnelröhren sind immer noch getrennt. Ich werde (extra für Sie, grins) die Sache weiterbeobachten, keine Sorge. --- Oben bleiben!

Frank Burghart: Herr Burghart, nachdem die Gegner wieder hervorragend informiert sind (lach), bitte ich Sie um einen Link für das Gutachten. Mich würde z.B. interessieren, ob die TU Dresden schon das 3. Gleis berücksichtigt hat oder andere Alternativen, die im Gespräch sind. Nachdem sich die Gegner aber wieder im Schaumschlagen üben, haben Sie natürlich keinen Link. Ich schlage daher vor, warten Sie die Präsentation des Gutachtens und die Antwort der Bahn ab. ___________ Herr Kretschmann sieht das sehr gelassen: "Dass auf den Fildern mit der aktuellen Planung ein Nadelöhr für den Bahnverkehr entsteht, hält er zwar für bedauerlich, sieht aber keinen Grund, deshalb Geld zuzuschießen. Die Bahn als Bauherr habe behauptet, dass ihre Lösung funktioniert, argumentiert er. Wenn das nun nicht der Fall sei, müsse die Bahn eben nachlegen." _____________ Sie sehen, unser MP argumentiert sehr vorsichtig: "Wenn das nun nicht der Fall sei......" und: "dann müsse die Bahn eben nachlegen" - Sie sollten Ihre Wunschträume so langsam aber sicher aufgeben.

was für ein 3. Gleis?: es wurde die Antrags-Trasse untersucht so wie sie immer im Projekt S21 enthalten war und schon bei der Schlichtung als schlecht dargestellt wurde. Hat die Befürworter nur nicht gestört. Selbst das 3. Gleis wird das Problem nicht vollständig lösen. Einfach selber nachdenken: eine Hauptstrecke mit eingleisigen Abschnitten auf der in beiden Richtungen gefahren wird. Dann noch eingleisig am Haltepunkt wo der Zug die Strecke am längsten blockiert. Sollte nur ein Zug Verspätung haben wirkt sich das auf den Gegenzug aus und weitere Züge bekommen Verspätung. Das 3. Gleis würde das Problem des schnelleren ICs auch nicht lösen der zwischen Rohr und Flughafen hinter der S-Bahn herfahren muss. Wenn schon würde ein 4. Gleis gebraucht und das auf der ganzen Strecke.

Bezahlbare Planung: Vielleicht wären die Ingenieure 22 so nett und würden der Bahn Ihre fachliche Kompetenz zur Verfügung stellen. Dann wäre nämlich alles umsonst.

Bahn-Vorstand Kefer durch Gutachten unter Druck: Laut St-N. ist die Filderstrecke auch ein Planungsdesaster. Es wäre an der Zeit dass die Bahn offen und transparent mit Planungsfehlern umgeht, sonst fährt sie S21 an die Wand.

Sehr amüsant: Ihre Beiträge sind wirklich amüsant. Wer sollte wohl "unter Druck" stehen (vielleicht die Gegner?). Die Parkschützer schreiben netterweise davon, dass die Meldung in den StN gar nicht stimmt, was allerdings etwas verwundert. Link: http://www.parkschuetzer.de/assets/statements/180773/original/swr-videotext.png?1425041147 _____________ Die Bahn hat eine PM herausgegeben, ich zitiere einen Teil davon: " Die Untersuchung liegt der Bahn erst seit kurzem vor und wird intensiv geprüft. Nach dem ersten Eindruck sieht sich die Bahn bestätigt, dass die beantragte Trasse wie vertraglich zugesichert gebaut und betrieben werden kann. __________________ Über die Eingangsparameter und die angesetzten Randbedingungen bestehen zwischen der DB und der TU Dresden Einigkeit. Lediglich bei der Bewertung der Ergebnisse unterscheidet sich die Stellungnahme der Universität von den deutschland- und konzernweitgültigen Vorgaben.___________________ Die Antragstrasse erfüllt die vertraglichen Leistungen und gestellten Anforderungen unter Beachtung und Abwägung aller im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zu berücksichtigen Belange." ___________ Frohlocken kann eingestellt werden.

Zitat: "Bahn-Vorstand Kefer durch Gutachten unter Druck" war ein Zitat aus den St-N.

Sie sollten aufhören: Bahnpressemeldungen als die Wahrheit darzustellen. Das wirkt lächerlich.

Schwachsinn²: Die Gegner laufen doppelt ins Leere mit ihrem Bauabbruchsgejammer: Hätten Sie recht, dass die Bahn zu blöd ist zum Bauen, kann ja nicht die Konsequenz sein, in D oder S nichts mehr zu bauen, wer baute dann K21, sondern besser zu bauen. --------- Da es jedoch nur darum geht, den Bau angetroffenen Gegebenheiten zu folge zu optimieren, ist Abbruch erst recht Schwachsinn. ----------- Das EBA ist zwar lahm aber kompetent.

-: Herr Biberle, wenn S21 scheitert, dann daran, dass die DBahn und ihre Partner "vielleicht doch zu blöd zum Bauen" sind und nicht an den S21-Kritikern. Wobei ich das "zu blöd" dahin einschränken möchte, dass die DBahn einfach zu fahrlässig und oberflächlich geplant hatte und ihr jetzt diese Planungen auf die Füße fallen. Ich hatte sogar mal die Vermutung geäußert, dass die DBahn überhaupt nicht bauen wollte aber von der Politik dazu gedrängt wurde. Egal. Fakt ist, dass sich bei S21 das nächste alte Problem auftut, die Fildern. Lesen Sie hierzu einfach mal die Artikel in der StN von heute. ----- Interessant fand ich dort auch folgenden Satz: "Er hatte auch nachgewiesen, dass die Bahn Annahmen traf, die ihren eigenen Regelwerken krass widersprechen." (StN, "Bahn-Pläne fallen bei Gutachter erneut durch") - genau das, was die S21-Kritiker der DBahn auch beim Stresstest vorwarfen und vorwerfen - der vorsätzliche Betrug aus berufenem Mund zumindest für die Fildern bestätigt.

Es wird immer wirrer: Jetzt wurde die Bahn politisch zum Bau gedrängt. Und um den Bau durchzusetzen, den sie nicht will, betrügt sie jetzt die Leut, tststs. -------- Nein, falls es so wäre, dass die Bahn nicht die weltbeste Projektmanagerin ist und die weltbesten Ingenieure hat, um eines der komplexesten Bauprojekte Europas zu stemmen, dann sollte man der Bahn dabei helfen. Denn wir sind ja alle die Guten, die Schiene statt Straße toll finden.

-: Herr Biberle, ich kann leider nichts für Ihre Leseschwäche. -1- Ich hatte mal die Vermutung geäußert, dass es so sein könne, aber dies nicht behauptet. -2- "dass die Bahn nicht die weltbeste Projektmanagerin ist und die weltbesten Ingenieure hat, um eines der komplexesten Bauprojekte Europas zu stemmen, dann sollte man der Bahn dabei helfen" DBahn Manager haben behauptet, dass S21 das allerbestens geplante Projekt sei, und auch die ganzen S21-Befürworter (hervorzuheben sei da Herr Peter) behaupten doch immer, dass die Fachleute alle für S21 seien und nur die Ahnungslosen dagegen. -3- der bisherige Bauablauf zeigt ziemlich deutlich, dass die DBahn mit S21 überfordert scheint. -a- Beim Abriss der Seitenflügel wurde die Bahnsteigdachstatik nicht berücksichtigt und die Reisenden einer Gefahr ausgesetzt, 2x musste der Kopfbahnhof deshalb aus Sicherheitsgründen gesperrt werden! -b- der Naturschutz wird bei der Planung laufend vergessen was immer wieder zu Verzögerungen führt. -c- Die Berechnungen des GWM lagen nur um über 100% daneben. -d- die Berechnungen für die Grundwassermenge bei der Baugrube im Artikel oben wurde um läppische 1000(!)% verfehlt. -e- die ursprünglich als alternativlos dargestellte Dükerplanung wird umgeplant, -f- auf den Fildern hat die DBahn Murks geplant (so ähnlich sagt es S21-Urvater Heimerl und das wurde nun bestätigt (StN-Artikel von heute)) -g- ... ----- Bei soviel Fehlern scheint mir Ihr Vertrauen in die Planungen der DBahn etwas fehl am Platz.

funktionierende Schiene statt Straße toll finden: Herr Biberle Ihr Zitat "...die Schiene statt Straße toll finden." muss erweitert werden um das Wort "funktionierende" und dann haben Sie auch schon gut rausgearbeitet warum S21 abgelehnt wird: weil das verplante Tunnelkonstrukt nicht gut funktionieren wird und den Schienenverkehr behindert. Siehe neuste Gutachtenergebnisse zur Planung auf den Fildern

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