Stuttgart 21 Bahn meißelt wieder unter Wangen

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Eigentlich wollte die Bahn in Wangen vom Bau der Stuttgart-21-Tunnel besonders belastete Anwohner schonen. Doch die selbst auferlegte Pause währte nur kurz – Mitte Februar informiert die Stadt über das weitere Vorgehen.

Der Tunnelbau unter Wangen ist für die Anwohner zu laut. Foto: Lichtgut/Jan Reich
Der Tunnelbau unter Wangen ist für die Anwohner zu laut.Foto: Lichtgut/Jan Reich

Stuttgart - Die Nächte für die Anwohner der Stuttgart-21-Tunnelbaustelle in Wangen werden wieder unruhig. Die von der Bahn verkündete Vortriebspause in der Röhre, die unmittelbar Wohnhäuser unterquert, währte nur kurz. Ausschlaggebend für den Meinungsumschwung sind Probleme beim Tunnelbau unter dem Neckar.

Seit die Beschwerden über den nächtlichen Baulärm in Wangen überhand genommen haben, schickt die Bahn Betroffene in Hotels und versucht parallel dazu, eine weniger belastende Bauweise genehmigt zu bekommen. Bisher dürfen die Tunnelbauer tagsüber das Gestein mit Sprengungen lockern, in den Nachtstunden ist der Einsatz von Sprengstoff aber tabu. Dann rücken sogenannte Meißelbagger an. Deren Einsatz lässt aber manchen Wangener nicht in den Schlaf finden.

Mehr Wasser als vermutet auf der Tunnelbaustelle

Weil die Bahn von Wangen aus aber nicht nur zur Innenstadt hin gräbt, sondern auch Tunnel in Richtung Unter- und Obertürkheim baut, über denen weniger Leute wohnen, die sich gestört fühlen könnten, wollte sich die Bahn nach eigenem Bekunden dieser Vortriebsrichtung zuwenden . Allerdings stießen dort die Mineure auf deutlich mehr Wasser im Untergrund als prognostiziert, sodass die Baustelle aufwendig abgedichtet werden musste. Damit der Tunnelbau nicht gänzlich zum Erliegen kommt, machte die Bahn unter Tage dann eben schließlich doch in der Röhre weiter, die an der Nähterstraße und der Jägerhalde Wohnhäuser unterquert – mangels einer anders lautenden Genehmigung nachts im Meißelvortrieb. Seit Mitte Dezember haben sich die Bauarbeiter trotz zwischenzeitlicher Weihnachtsruhe mehr als 58 Meter weiter in Richtung Hauptbahnhof vorgearbeitet.

Eine Information, die sich nicht bis zur Stadt herumgesprochen hat. „Der Vortrieb der Oströhre wird sich zunächst in den kommenden Wochen in Richtung Neckar konzentrieren“, heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung von Ende Januar. Das Rathaus lädt zu einem Informationsabend ein, bei der die Bürgerbeauftragte der Stadt für S 21, Alice Kaiser, zusammen mit der Wangener Bezirksvorsteherin Beate Dietrich sowie Vertretern der DB-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm (PSU) über den Stand der Arbeiten informieren möchte.

Genehmigungsbehörde braucht noch Gutachten

Dass sie dabei auch die Umstellung auf eine schonendere Bauweise vermelden kann, ist eher unwahrscheinlich. Die für die Genehmigung zuständige Landesbergdirektion in Freiburg hat ein Gutachten verlangt, dass die gesundheitlichen Folgen nächtlicher Sprengungen abschätzt. Dazu gab es noch vor Weihnachten Messungen. Ende vergangener Woche ist die mittlerweile fertiggestellte Analyse der Behörde geschickt worden, wie ein Projektsprecher mitteilt.

Von einem vor einem Jahr angekündigten Vorhaben hat sich Alice Kaiser unterdessen verabschieden müssen. Im Stuttgarter Amtsblatt stellte sie im Januar 2015 eine Neuerung im Internetangebot in Aussicht, die es Interessierten ermöglichen sollte, im Netz zu recherchieren, wie weit die Tunnelbaustelle noch von einzelnen Häusern entfernt ist. Bislang veröffentlicht die Bahn lediglich wöchentlich aktualisierte Längenangaben der gegrabenen Tunnel. Doch die sind nach Ansicht vieler Betroffener wenig aussagekräftig. „Die aktuelle tabellarische Darstellung des Vortriebs auf der Internetseite des Bahnprojekts ist nicht allen verständlich und führte zu Nachfragen“, sagt Alice Kaiser. Die von ihr vorgeschlagene Lösung „ist leider recht aufwendig und somit teuer. Die Bahn hat sich gegen diese Möglichkeit entschieden.“ Stattdessen will die Bahn eine im Zwei-Wochen-Rhythmus aktualisierte graphische Darstellung der bereits zurückgelegten Tunnelstrecke ins Netz stellen.

54 Kommentare Kommentar schreiben

Zahnlos: schade das Herr Frieder Maier schon wieder sterben musste. Nun müssen wir wieder das Gebrüll aus Köln ertragen.

Herr Peter, wie sieht es denn nun mit den Tunnel Obertürkheim aus. Sie schrieben gestern hierzu: "... am Tunnel Obertürkheim sei ununterbrochen gearbeitet worden und die Bohrleistung sei sehr gering." ----- Da wir S21-Kritiker ja alle deutlich weniger wissen als die S21-Befürworter können Sie uns sicherlich aufklären,wo bzw ob der Tunnel Obertürkheim gebohrt wird? Das Bohren eines Arbeiter in der Nase zählt aber nicht dazu!

Option....: wer seinen eigenen Sermon nicht mehr erkennt, ja der ist angekommen. Das Paul Peter sie zitiert hat ist Ihnen nicht aufgefallen. Zwei Optionen; -------------------------------------------------------------------------------------------------------- In Ihrem Namen schreiben mehrere oder sie können sich nicht mehr erinnern was sie hier so alles schreiben.

Herr Braun : Ich vermute im Fall Burghart letzteres, er kann sich bei der Flut von Beiträgen nicht mehr erinnern was er alles geschrieben hat, er wiederholt sich auch tausendmal !

Herr Hummler, ich wiederhole mich nur dort "tausendmal" wo die S21-Befürworter UNFÄHIG sind mir auf eine ganz einfache Frage eine ehrliche Antwort zu geben.

herr burghart: damit sie irgendwann mal ruhe geben versuche ich nächste woche mal vorbeizuschauen und ihnen bericht zu erstatten.

Sie leben wohl in der Hoffnung, dass die nächsten 200m2 dann schon betoniert sein werden. Das wären dann 400m2 in ~3 Wochen. Hochgerechnet auf 72000m2 des Troges würde das dann ... Wochen machen. Und das bisher nur für die Schutzschicht, nicht für die Bodenplatte! ---- Keine Sorge Frau Theissen, ich weiß auch noch sehr gut was Herr Leger am 04.04.2015 in der StZ gesagt hat: "Warten Sie ab, wie schnell wir hier noch werden.". Aber mal ganz ehrlich Frau Theissen, wie lange wollen Sie bzw. sollen wir bitte noch warten? ---- Hab ich gerade auch noch im Interview mit Herrn Leger entdeckt: "In diesem Sommer (Anm. 2015!) werden wir das Betonieren der Bodenplatte erleben, und im Frühjahr 2016 sieht man dann die erste kelchförmige Stütze des Bahnhofsdachs entstehen. Und dann geht es ratzfatz." --- Vor nicht einmal einem Jahr hat dies der oberste S21-Verantwortliche gesagt. Wir haben fast Frühjahr 2016, und nicht einmal von der Schutzschicht ist allzuviel zu sehen. Frau Theissen, eine persönliche Frage, verzweifeln Sie nicht manchmal am Baufortschritt bei Stuttgart21?

PSU: "Das Rathaus lädt zu einem Informationsabend ein, bei der die Bürgerbeauftragte der Stadt für S21, Alice Kaiser, zusammen mit der Wangener Bezirksvorsteherin Beate Dietrich sowie Vertretern der DB-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm (PSU) über den Stand der Arbeiten informieren möchte. ..." .. das dürfte der Grund sein, wieso das Büro Ostermann gerade wieder keine Zeit zum schreiben hat.

Das gilt auch: für Herrn "Weber".

Schöner kann die StZ nicht berichten, wie die Deutsche Bahn mal hierhin und mal dorthin bohrt und gräbt, wo es gerade paßt. Mal nach Untertürkheim, und weil dort plötzlich das zu hohe Grundwasser einbricht, einfach wieder unter Wangens Einfamilienhäuser Richtung City weiter meiselnd. ... Bestätigt eigentlich nur, wie planlos alles von statten geht, und das alles beim einstmal ausgelobten BEST GEPLANTESTEM BAHNPROJEKT ALLER ZEITEN. Und daß das Bergamt der Deutschen Bahn die Genehmigung für das Sprengen verweigert, kann auch mit möglichen Schäden begründet sein, die an den Wohnhäusern, die größtenteils im Eigentum und unter großen Entbehrungen finanziert wurden, angerichtet werden können. Vielleicht eine Entscheidung einer Behörde, die wirklich noch UNABHÄNGIG agieren darf. ... Wir freuen uns auf die nächste Planänderung, z. B. auf den Verzicht des Hallendachs des S21-Tiefbahnhofs, was ja schon angedacht wird, und wegen der von dem EBA definierten Haltestelle auch angebracht wäre. --- Oben bleiben!

Ach ja, die Müllerschen: Hirngespinste wieder...was wurde eigentlich aus dem Grundwassereinbruch auf der Heilbronner Straße? Oder die Geschichte bei welcher die Gutste mal eben aus der Tunnelbewetterung irgendwelche "Absaugrohre zur Entwässerung" fabuliert hat?

Herr Zahn: Was aus dem Grundwassereinbruch bei der Heilbronner Straße wurde, weiß nur die Bahn. Man hat ja nichts mehr davon gehört.

Moment : Ich erinnere mich an einen Beitrag von Frau Müller das im Tunnel der SSB Türlenstr. Mineralwasser sprudeln würde. Aus Mineralwasser wurde Grundwasser lt. Frau Müller und das aus eine angeblich zuverlässigen Quelle. Na Herr Renz dreimal dürfen Sie raten was aus dieser angeblich zuverlässigen Quelle der Frau Müller wurde. Fragen Sie bei dieser einfach mal nach und posten hier die Antwort insofern Sie eine ehrliche erhalten.

allwissende Bahn weis wohl nichts genaues?: Allein-wissend gibt sich in der Sache-21 nur die - eigenwirtschaftlich Betriebs-modellierend sich gebende - Bahn. Welche sich sogar genötigt sieht, auch mittels Geld_Strafen_Androhung sogenannte Betriebs-Geheimnisse-21 zu wahren. Desgleichen weiß diese, in Sachen-21zuständige Auskunfts-Geberin (und zugleich eigenverantwortlicher oberster Projekt-Beschleuniger) Bahn trotz ihrer Profi-Kommunikatorinnen-Schar-21 wieder einmal mehr (siehe auch die gänzlich verfehlten / fehlenden technisch-wirtschaftlichen Optimalitäts-Kriterien-21) nur die Hälfte, den falschen Bauten-Stand-21, von nur im nebulösem liegenden Kosten oder wahlweise mal überhaupt nichts von ihrem milliardenschwer in Raum und Zeit verhallendem *Schwarzen_Loch_21*.

Fragen: Ist Sprengen nun gewünscht oder nicht? Und warum kann das ferne Amt eine Antwort nicht gebacken bekommen? Weil man sich vor lauter Gegnertum weder A noch B traut zu sagen? Einschlief? Oder fühlen sich durchs Sprengen dann Leute weniger gestört, dafür aber mehr Leute? Und wie ist das mit anderen Baustellen auf der Welt? Wird da auch so sehr Sorge getragen, Hotels geboten und egal was noch aufgefahren wird, reicht nicht? Auch soviel Laien-Fachwissen zum Besten gegeben und Schadenfreude bei Rückschlägen gefeiert? Das ist schon eine Untersuchung wert!

Baustellen auf der Welt?: wir sind doch die zivilisierten Schwaben, oder nicht?

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