Stuttgart 21 Bahn prophezeit zehn Jahre Neuplanung

Von Thomas Braun 

Was, wenn Stuttgart 21 gestoppt wird? Die Bahn sagt, sie kann die Kosten eines Ausstiegs derzeit nicht schätzen. Für den Fall eines Ausstiegs rechnet sie mit zehn Jahren Planungsdauer für ein neues Projekt. Zudem müsste eine neue Finanzierungsvereinbarung geschlossen werden.

Ständige Mehrkosten nähren die Rufe nach einem Ausstiegsszenario: der Stuttgarter Hauptbahnhof vor dem Abriss des Südflügels. In unserer Bilderstrecke erklären wir, welche Großprojekte ähnlich wie S21 von Kostensteigerungen betroffen sind. Foto: dpa 24 Bilder
Ständige Mehrkosten nähren die Rufe nach einem Ausstiegsszenario: der Stuttgarter Hauptbahnhof vor dem Abriss des Südflügels. In unserer Bilderstrecke erklären wir, welche Großprojekte ähnlich wie S21 von Kostensteigerungen betroffen sind.Foto: dpa

Stuttgart - Nachdem nun erstmals auch der Eigentümer der Bahn AG, der Bund, die Frage nach Alternativen aufgeworfen hat, falls das Projekt Stuttgart 21 nicht fortgeführt würde, werden auch bisher von den Projektpartnern als unrealistisch bewertete Varianten wie die sogenannte Kombilösung oder die Sanierung und Optimierung des bestehenden Kopfbahnhofs wieder diskutiert. Beim Beziffern der Ausstiegskosten tut sich die Bahn schwerer als mancher Landespolitiker, der unter Verweis auf horrende Summen vor einem Projektstopp warnt.

Der S-21-Schlichter Heiner Geißler hatte kurz vor dem Ende des sogenannten Stresstests, der die Leistungsfähigkeit des geplanten Tiefbahnhofs bewerten sollte, die Idee eines Kombibahnhofs ins Spiel gebracht, die auch vom Stresstest-Gutachter, dem Schweizer Verkehrsbüro SMA, positiv bewertet wurde. Der Plan sieht – kurz gefasst – eine Kombination aus einem viergleisigen Tiefbahnhof unter dem Bahnhofsgebäude für den Fernverkehr und einem deutlich verkleinerten Kopfbahnhof für den Regional- und Nahverkehr vor. Neben Einsparungen durch die deutlich geringere Baumasse wären freilich technische Probleme ähnlich denen bei S 21 zu erwarten. Das unter dem Etikett „K 21“ bekannt gewordene Konzept einer schrittweisen Ertüchtigung des bestehenden Kopfbahnhofs war bereits während der S-21-Schlichtung ausführlich diskutiert worden.

„Neue Betroffenheit, neue Widerstände“

Aus Sicht der Bahn bringen die Alternativen zur bestehenden Planung einen enormen Zeitverzug und zurzeit nicht kalkulierbare Finanzierungsrisiken mit sich. Auf die Frage der Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, welche Auswirkungen Alternativplanungen auf das bestehende Baurecht und die noch laufenden Planfeststellungsverfahren hätten und welche zeitlichen und kostenmäßigen Änderungen sie zur Folge haben, gab der Bahn-Vorstand zu Protokoll: „Voraussichtlich“ müssten alle bisher geleisteten Planungsphasen bis zum heutigen Planungs- und Umsetzungsstand erneut durchgeführt werden. Die Planfeststellungsverfahren müssten ebenfalls neu begonnen werden mit der Folge, dass dies „neue Betroffenheit und damit voraussichtlich neue Widerstände auslösen“ würde.

Unter Berücksichtigung des bisherigen Projektverlaufs wäre daher mit einem Zeitbedarf von rund zehn Jahren zu rechnen: für die Machbarkeitsstudie und Vorplanung jeweils ein Jahr, für das Raumordnungsverfahren etwa zwei Jahre, für die Entwurfs- und Genehmigungsplanung rund fünf Jahre und für die Ausschreibung und Vergabe rund ein Jahr. Zudem sei mit Mehrkosten durch „verlorene Bau- und Planungskosten“ zu rechnen. Die Kosten für eine Alternative könnten ohne konkrete Pläne nicht abgeschätzt werden.

Bisher hat S 21 rund 430 Millionen Euro gekostet

Weiterhin sei zu beachten, dass eine neue Finanzierungsvereinbarung geschlossen werden müsste: Die Vereinbarung „einer gemeinsamen Basis“ wird von der Bahn als „schwierig“ eingeschätzt. Das Fazit der Bahn zu S 21 fällt so aus: „Unter den gegenwärtigen Randbedingungen würde man heute ein solches Projekt nicht beginnen, jedoch fortführen.“

Dass die Kosten bei einem Ausstieg laut SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel bei drei Milliarden Euro oder dem FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke zufolge gar bei fünf Milliarden Euro liegen, bestätigt der Konzern nicht. Eingeräumt wird, dass die bis Ende 2012 tatsächlich aufgelaufenen Projektkosten bei 430 Millionen Euro liegen – 71 Millionen davon entfallen auf die Bahn. Die Frage eines Aufsichtsrats, ob es zutreffe, dass bei einem Projektstopp „den Firmen im Wesentlichen nur die bis dahin entstandenen Kosten sowie ein entgangener Gewinn zustehen“, bejahte der Bahn-Vorstand. Er bestätigte damit einen StZ-Bericht vom Januar, in dem projektkritische Juristen erklärt hatten, den Unternehmen stehe bei einem Projektabbruch der vereinbarte Werklohn abzüglich ersparter Aufwendungen zu. Die exakten Kosten seien jeweils vertragsspezifisch zu ­ermitteln.

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157 KommentareKommentar schreiben

Einfach gestrig: Der 'Pädagoge' Schmiedel vertsteht sich aufs Angst einjagen...

Für die ersten Maßnahmen zur Modernisierung des Kopfbahnhofs bedarf es lediglich einer Baugenehmigung, keiner Planfeststellung und schon gar keiner Raumordnung: Man kann praktisch sofort loslegen. Wer sich einmal sachlich über die einzelnen Schritte und Module von K20+ bis K21 informieren möchte, der kann das hier: http://s21irrtum.blogspot.de/2013/01/die-alternativen-zu-stuttgart-21-konnen.html

Die Betrüger sitzen ganz oben!!: Unser schmiedel...weiß der überhaupt noch was er von sich gibt??? Es ist eine Schande, wenn ein Politiker solch einen ausgewiesenen Unsinn erzählt! Wie lange schauen es sich die Mitglieder der spd das noch an! Der schmiedel ist wohl in der falschen Partei, der sollte zur cdu wechseln, da sitzen seine Gesinnungsgenossen! -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Ist schmiedel die SPD?? Anscheinend hat man in dieser Partei eine falsche Vorstellung von Demokratie! Die spd ist schlicht nicht mehr wählbar! Und die Grünen...die bestehen auch nur aus Kretschmann, der immer noch meint die VA wäre trotz aller Lügen und Betrügereien bindend! Man sollte der Bahn endlich beim Ausstieg entgegenkommen und nicht weiter zu diesem Betrug stehen! Es ist für die Befürworter schon peinlich genug! Man hat ihre Betrügereien aufgedeckt und sie sollten jetzt endlich zur Vernunft kommen!

Prophet Bahn: Herr Zumecke die Bahn kennt sich, man weiß dass man selber es nicht schafft ein Projekt so zu planen, dass es innerhalb eines angemessenen Zeitraumes durchgeführt wird. Glauben wir es Ihnen( 'jeder hat eine zweite Chance verdient'), nur in Stgt.sollen bitte andere die Planung u.Kontrolle übernehmen.

Drohkulisse: Es wird mal wieder eine Drohkulisse aufgebaut, wie gehabt. Es gibt ja ein bereits gutes Konzept - K21, von Experten im Gegensatz zu S21 kostenlos vorkonzipiert (für Details siehe Schlichtung - es wurde damals hochgelobt wegen der Qualität) Und wie lange wurde S21 geplant ? Erst seit ca. 2005/6 als Hr. Oettinger dieses abgeschriebene Projekt aus der unteresten Schublade wieder belebt hat. Also auch keine 10 Jahre. Und wie war das mit den erst mit 3-4 Mrd., dann später auf max. 1-1.5 Mrd. veranschlagten Ausstiegskosten ? Offensichtlich, wie von den Experten der Bürgerbewegung vorhergesagt, wohl doch schöngerechnet. Jedenfalls, sollte der S21 gebaut werden, sind mind. 6.8 Mrd. weg, aber ohne dass Stuttgart einen leistungfähigen Bahnknoten erhält. Da sollte doch die Entscheidung klar sein. Mir unverständlich, warum manche Parteien, die von sich Wirtschaftskompetenz behaupten, derart unwirtschaftlich und fahrlässig mit Steuermitteln umgehen. Steuermittel haben jedenfalls nicht der teuren Subvention von einzelnen Unternehmungen zu dienen.

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