ExklusivStuttgart 21 Bahn rechnet bei Tunneln nach

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Unterschiedliche Angaben zum Stand der Arbeiten für Stuttgart 21 im Untergrund stiften Verwirrung. Nun will die Bahn ihre Zahlen überarbeiten. Das Erreichen der 10-Kilometer-Marke blieb wegen des Durcheinanders unbemerkt.

Weit verzweigt sind die Tunnel für Stuttgart 21. Da können Zahlen schon einmal durcheinander geraten. Foto: Jan Reich
Weit verzweigt sind die Tunnel für Stuttgart 21. Da können Zahlen schon einmal durcheinander geraten.Foto: Jan Reich

Stuttgart - Ja, wo graben sie denn?“, möchte man in Anlehnung an Loriot rufen. Lärmgeplagte Baustellenanwohner von Stuttgart 21 werden antworten: „Dort, wo es laut ist.“ Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Selbst die Fachleute der Bahn haben sich zuletzt im kilometerlangen Stuttgarter Tunnelgeflecht verheddert.

Dabei hatte sich die Bahn alle Mühe gegeben, die so oft von ihr geforderte und mindestens ebenso oft vermisste Transparenz herzustellen. Jeweils zum Anfang der Woche veröffentlichte sie auf der Internetseite des Projekts, wie weit die Mineure in den einzelnen Tunneln vorangekommen sind. Die Einzelleistungen wurden unterm Strich zusammengezählt. Für den 28. September 2015 etwa stand auf der Projektseite zu lesen, alles in allem seien 8605,52 Meter von insgesamt 59 090 Metern gegraben. Allerdings informierte Florian Bitzer von der Bahn-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm (PSU) Stadträte Mitte Oktober über den Stand der Arbeiten und gab für den Stichtag 28. September plötzlich 9580 Meter an. Ein Unterschied von satten 974,48 Metern. Und statt bei den auf der Webseite angegebenen 59 Kilometern sieht Bitzer auch bereits nach 57 Kilometern im Stuttgarter Untergrund Licht am Ende der Tunnel. Am Ratstisch blieb das unbemerkt. Doch eine Nachfrage führte schließlich bei der PSU zu emsigem Nachrechnen – und einem Erklärungsversuch, wie das Zahlenwirrwarr zu beenden sei.

Zehn-Kilometer-Marke ist geknackt

Wichtig ist der Bahn die Festellung, dass die von Bitzer im Rathaus präsentierten Zahlen dem tatsächlichen Stand der Arbeiten entsprechen – und dass im Oktober bereits die Zehn-Kilometer-Marke geknackt worden ist. Aktuell summieren sich alle unterirdischen Bauwerke auf 10 264 Meter. Das 10-Kilometer-Etappenziel wollte PSU-Chef Manfred Leger spätestens zum Jahresende 2015 erreicht haben. Die Freude über das flottere Vorankommen will sich der Wirtschaftsingenieur auch nicht durch die Verwirrung um die Zahlen nehmen lassen. „Es ist eine großartige Leistung aller Mitarbeiter und beteiligter Baufirmen, dass wir dieses Zwischenziel in einem schwierigen Umfeld nun bereits im Oktober übertroffen haben“, erklärt Leger.

Die Abweichung der Zahlen begründet die Bahn mit einer Ergänzung der Werte. Neu hinzugezählt werden von einer Aktualisierung am frühen Mittwochmorgen an auch jene Arbeiten, „die für die Herstellung und für die spätere Inbetriebnahme notwendig sind. Dazu gehören alle Verbindungsbauwerke, Zugangsstollen, Rettungszufahrten, Zwischenangriffe und in offener Bauweise erstellte Abschnitte“, erklärt ein Sprecher der Projektgesellschaft. Bisher addierte die Bahn nur jene Tunnelmeter, durch die später auch einmal Züge rollen sollen. Dieses Nachrechnen hat erheblichen Einfluss auf die Zahlen. Nach alter Lesart hätten sich die Mineure Anfang dieser Woche rund 9250 Meter durch den Untergrund gegraben, gesprengt und gebohrt. Nach Umstellung der Datenerhebung steht die Rechnung bei den schon erwähnten 10 264 Metern.

Tunnelbohrmaschine steht weiter still

Sorgenkind bleibt allerdings die Tunnelbohrmaschine, die den Fildertunnel von der City Richtung Flughafen herstellt. An ihr war ein Bauteil gebrochen, so dass der 2000-Tonnen-Koloss auch in der vergangenen Woche keinen einzigen Meter geschafft hat. Die Maschine steht im Untergrund am südlichen Ortsrand von Degerloch und wird repariert.

Solche Rückschläge bremsen Leger nicht. Zum Jahresende sei bei Stuttgart 21 und an der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm rund ein Drittel der Tunnel im Rohbau fertig, prognostizierte er Mitte Oktober. In der ersten Novemberwoche feiert die Bahn etwa den Durchstich des rund 4850 Meter langen Steinbühltunnels ins Filstal. Dort haben die Mineure freilich schon die letzten Meter geschafft, der Akt vor geladenen Gästen hat eher symbolischen Charakter. Die Bahn feiert aber auch, schneller zu sein als prognostiziert. Schon ätzen Kritiker angesichts des Tempos, die Bahn merke hoffentlich, wenn alle Tunnel gebaut sind.

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Nur mal so zur Information: "Kleinere Änderungen seien abgesprochen. Zu diesen zählt der aktuelle Tunnelvortrieb, bei dem nun Bau- und Fluchttunnel dazuzählen. So ergeben sich 10 521 Meter. Auf 9346 m werden Schienen liegen." (StN 06.11.2015). Dann kann sich jetzt jeder ein Bild machen, was Herr Leger wohl mit den 10 km Tunnel gemeint haben könnte. Wobei sich selbst in die Tasche lügen, damit hat die DBahn bei S21 ja schon Erfahrung.

Bitte besser aufpassen: Wieder mal nicht aufgepasst? Herr Leger hatte im Juni gesagt, dass BIS ENDE DES JAHRES 10 km fertig sein sollen. Wir haben heute den 7. November - es sind also FAST noch 2 Monate bis Jahresende. Selbst, wenn Sie nur 9346 m zugrunde legen, glauben Sie nicht auch, dass bis Ende d.J. 10 km erreicht worden sind? Wer hier lügt, liegt klar auf der Hand (auf dem Papier).

Herr Peter, was wollen Sie denn wieder mit der Lüge. Ich habe nur geschrieben was in der StN vom 06.11.2015 stand. Und Sie beginnen wieder mit Lüge. Es scheint, als ob Sie überall schon Lüge und Verrat und sonst was sehen würden. Sie sollten einfach mal auf dem Boden bleiben. - Und wenn man nur die 9346m zugrunde legt, könnte es knapp werden. Die Suse steht ziemlich still und auch sonst geht es nicht so vorwärts wie es sollte. ---- Herr Peter, es scheint mir so, als gehörten Sie auch zu dem Kreis der S21-Befürworter bzw. S21-Verantwortlichen welche sich das ganze Projekt schönreden und schönrechen. Da wären Sie in guter Gesellschaft.

"Schön rechnen": Herr Burghart, Ihre "Argumentation" wird immer lustiger. Bis Ende d.J. sind es ab heute noch fast 8 Wochen. Und Sie behaupten nun, es könnte knapp werden, die restlichen 654 m in 9 Wochen (Stand letzte Woche) zu bauen? Ich kann Sie beruhigen, wir stehen - Stand heute - bei 9544 m (ohne Verzweigungsbauwerke, etc.). Ich habe den Eindruck, dass Sie nicht "schön rechnen" sondern gar nicht rechnen.

Rechnen: besser wäre es, wenn endlich mal der Bundesrechnungshof die nötigen Zahlen bekommen würde. Der versucht nämlich schon seit 2013 eine realistische Kostenrechnung zu erstellen. Die Informationsblockade der Bahn hindert ihn nur daran. Ein beispielloser Skandal..

Der versucht nämlich schon seit 2013 eine realistische Kostenrechnung zu erstellen. Die Informationsblockade der Bahn hindert ihn nur daran. Ein beispielloser Skandal.. : Bringen sie ihn zur Anzeige ...oder besser noch . belegen sie doch den Quatsch den sie da geschrieben haben !

Herr Anselm, es ist bezeichnend für Sie und viele anderen S21-Befürworter, dass sie nur sehen und wissen wollen, was positiv für S21 ist. Kritik wird einfach ignoriert bzw. kleingeredet und der Kritiker schlecht gemacht. Es ist eben kein Quatsch, welchen Herr Spitzer zum BuReHof geschrieben hat. Es ist Quatsch, dass Sie das ignorieren. Lesen Sie einfach mal: "Bundesrechnungshof kritisiert Deutsche Bahn" (StZ 05.12.2013).

Wutbürger: Herr Burghart, die Gegner von S21 sind keine Kritiker und sie üben auch keine Kritik, sie sind Wutbürger, die ohne Grund und vor allem ohne jegliche Kenntnisse der Materie herumnölen, aufgehetzt von einer Partei, die an die Macht wollte und möglicherweise bezahlt von Interessengruppen, die um ihre Pfründe fürchten. Mehr steckt nicht dahinter.

Ach Herr Peter: so alt wie falsch, Ihre Verschwörungstheorie. Reicht ja nichtmal für 'ne Nominierung für den goldenen Aluhut. Schön aber, dass Sie es immer wieder versuchen und dabei immer noch nicht in der Lage sind, auf Inhalte einzugenen sondern - wie so oft - nur die Personen schlecht machen können. Und das nicht nur einzeln, sondern auch ganz pauschal. Dafür meine Hochachtung. Jedenfalls kann man kaum mehr Blödsinn in 5 Zeilen unterbringen, aber das wissen Sie ja!

Verschwörungstheorie: Herr Schmidt, die Gegner haben zwar keine Experten was Schieneninfrastruktur anbelangt (und haben daher keine Ahnung vom Bahnprojekt Stuttgart - Ulm) ABER als Verschwörungstheoretiker sind sie ganz große Klasse. Und auch die Wahnmache leistet gute Arbeit, die Auswirkungen sieht man deutlich.

Verschwörungstheorie: Herr Schmidt, wie wir alle wissen, haben die Gegner zwar keine Experten was Schieneninfrastruktur anbelangt (und haben daher keine Ahnung vom Bahnprojekt Stuttgart - Ulm) ABER als Verschwörungstheoretiker sind sie ganz große Klasse. Und auch die Wahnmache leistet gute Arbeit, die Auswirkungen sieht man deutlich.

Totschlagargument: Wenn alle der HEGELschen Trias verpflichtete Menschen von der Antithese liessen , nur, weil sie dann zu unangenehmen Synthesen kämen, welche die Frage "Cui bono ?" zwingend aufdrängt und Gefahr liefen, von subjektiv-zynischer Kritik wie der Ihren getroffen zu werden, wären wir auf den gesellschaftlichen Entwicklungsstand von vor der Aufklärung zurückgeworfen. Als besonders einfältig muss aber Ihre Vogel-Strauß-Denke bezüglich der Fähigkeiten Anderer ( " keine Experten " ) bezeichnet werden.

Akribischer Wissenschaftler oder...: "heterogene Kritiker", es fällt wohl Einigen akribischen Beobachtern nicht auf, dass viele heterogene Kritiker nicht mehr dabei sind, weil sie den Gegner-Meinungsprech nicht mehr einhalten wollten/konnten. -------------------------------------------------------------------------------------------------------- Ja, es ist richtig jeder Kritiker hat ein anderes K21 (K20;K21Variante 1 ... n;K22...) im Kopf. Ich frage mich was gut daran ist, wenn einem nur das "Dagegen" eint... ---------------------------------------------------------------------------------------------------------- Wagen sie mal als Kritiker etwas an S21 gut zu finden, dann sind sie schnell draußen z.B. im Parkschützerforum, auf der Keini-Seite im facebook... -------------------------------------------------------------------------------------------------------- Das Problem ist das Laissez-faire in Gegnerkreisen, ein Motto Vergangener Zeit, zu sein scheint. Werden sie entspannter und schon werden sie feststellen, wie über 80% der Stuttgarter, wie schön es sich hier leben lässt...

Tunnelwahn: die Bahn hat in Stuttgart vor lauter angefangener Tunnel längst den Überblick verloren. Peinlich für jemanden, der nicht mal in der Lage ist ein paar Kilometer S-Bahn-Tunnel zu betreiben ohne dass Fahrgäste stundenlang selbigen feststecken. Von den täglichen Signal-, Weichen- und Stellwerksstörungen mal ganz zu schweigen..

Beweggründe: Warum wird denn jetzt anders gerechnet ? Wohl nur weill man Erfolge wem auch immer gegenüber vorweisen muss. Es scheint Leute zu geben die gerne diese Zahlen sehen wollen und deshalb werden sie geliefert.

Lese Sie hier: http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/no_cache/aktuell/newsdetail/news/bereits-ueber-zehn-kilometer-tunnelvortrieb-bei-stuttgart-21/newsParameter/detail/News/datum/20151029/

Links: ist das die Vorgabe Ihres Arbeitgebers möglichst viele dieser lustigen Links hier zu verbreiten? Der Wahrheitsgehalt dieser (skandalöserweise aus Steuergelder finanzierten) Propagandawebsite ist so unterirdisch, wie dieses armselige Projekt, hab ich recht?

Aber Hallo Herr Spitzer ...: ....Was regen sie sich den so auf, sie haben ja quasi schon Schaum vor dem Mund wenn man ihre wütenden Beiträge lies ! ... Ganz ruhig bleiben und durchatmen, und gewöhnen sie sich einfach daran das S 21 auch fertiggebaut und in Betrieb geht !

Der Gute Herr Spitzer wieder: wie niedlich...so simpel kann man den beglücken. Simpel ist auch seine Welt, da gibt's nur schwarz oder weiß.

Der Gute Herr Spitzer wieder: wie niedlich...so simpel kann man den beglücken. Simpel ist auch seine Welt, da gibt's nur schwarz oder weiß.

Herr Ostermann: Was soll dieser Link. Da bestätigt Herr Leger dass er die Vorgabe von 10km bereits erreicht hat. Dies erklärt aber nicht warum jetzt anders gerechnet wird. War die alte Rechenweise denn falsch ? Warum zählen jetzt Baugruben die in die Tiefe gegen als Tunnellänge ?

Dann lesen Sie es doch noch mal das Fettgedruckte: dann finden Sie auch den Teil, der das erläutert.

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