Stuttgart 21 Bahn sprengt auch im Norden

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Für die S-21-Tunnels nach Bad Cannstatt und Feuerbach will die Bahn vom März 2016 an voll arbeiten. Aber schon jetzt beginnt sie mit den unterirdischen Sprengungen, erfuhren Anwohner am Dienstagabend.

Das Tunnelportal der Verbindnungen nach Feuerbach und Bad Cannstatt in der Jägerstraße bei der Anschlagfeier im Juli diesen Jahres Foto: imago stock&people
Das Tunnelportal der Verbindnungen nach Feuerbach und Bad Cannstatt in der Jägerstraße bei der Anschlagfeier im Juli diesen JahresFoto: imago stock&people

Stuttgart - In den nächsten Tagen beginnt die Bahn voraussichtlich mit Sprengungen für den S-21-Tunnel zwischen dem Hauptbahnhof und Bad Cannstatt. Das kündigte am Dienstag der Abschnittsleiter Christoph Lienhart auf einer Pressekonferenz an. Am Abend berichtete die Bahn auf einer Bürgerversammlung über ihre Pläne. Dort machten einige Zuschauer ihrem Unmut mit Zwischenrufen Luft, besonders beim Thema Lärmschutz.

„Wir haben die direkt Betroffenen schon früher informiert, dass Mitte September mit den Sprengarbeiten begonnen werden könnte“, sagte Lienhart. Bisher hätten günstige geologische Bedingungen aber ermöglicht, das Gestein mit Baggern zu lösen. „Nächste Woche kann es aber mit dem Sprengen soweit sein“, sagte Lienhart. Die Bahn bemühe sich, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.

Der Tunnelbau zwischen Hauptbahnhof und Bad Cannstatt mit zwei Röhren ist Teil des Planfeststellungsabschnittes 1.5. Unterm Kriegsberg, genauer am Portal in der Baugrube an der Jägerstraße, beginnt auch der zweiröhrige Tunnel nach Feuerbach. Zu dem Abschnitt gehört zudem der S-Bahn-Bau sowie die Brücke über den Neckar bei der Wilhelma. Beim Tunnelbau nach Bad Cannstatt habe man 35 Prozent, beim Tunnel nach Feuerbach 15 Prozent der Wegstrecke geschafft, sagte Lienhart. Bisher trafen die Mineure auf ausgelaugten Gipskeuper. In dem Lockergestein kamen sie mit dem Bagger voran. Jetzt treffen die Tunnelarbeiter aber auf unausgelaugten Gipskeuper, der so fest ist, dass sie ihn vermutlich nur mit Sprengungen und Meißelbaggern beseitigen können.

In den Schichten wird Anhgydrit erwartet

In diesem Gestein erwartet der Experte Walter Wittke, der Wert legt auf die Feststellung, dass „ich ein Bauingenieur und kein Geologe bin“, auch Anhydrit führende Schichten, die nicht mit Wasser in Verbindung kommen dürfen, weil sie sonst aufquellen würden. „Wir werden dort trocken bohren und das Grundwasser durch Injektionen fern halten“, sagte er. Das Gestein sei bereits durch Bohrungen erkundet worden. Nun würden die Vortriebsarbeiten mit einem Messprogramm begleitet.

Die Sprengungen erfolgen laut Bahn unterirdisch zwischen Robert-Mayer- und Birkenwaldstraße für den Tunnel Bad Cannstatt sowie an der Stresemannstraße und zwischen Friedrich-Ebert- und Birkenwaldstraße für den Tunnel Feuerbach. Der Abstand zur Oberfläche liege zwischen 40 und 100 Metern, das ist eine deutlich größere Überdeckung als in Wangen, wo es zu massiven Klagen der Anwohner gekommen war. Lienhart rechnet mit bis zu vier Sprengungen pro Tag und Vortriebsröhre. Damit das auch nachts erlaubt ist, benötigt die Bahn aber noch die Genehmigung der Landesbergdirektion. „Aus Sicht der Bürger halten wir Sprengungen für günstiger als den Meißelvortrieb“, sagte Lienhart.

Am Rand des Rosensteinparks bleiben Bäume stehen

Veränderungen gibt es auch an der Ehmannstraße. Am Rand des Rosensteinparks verzichtet die Bahn auf die offene Bauweise und arbeitet von kleineren Schächten aus. Das bedeute weniger Aushub und weniger Baustellenverkehr, zudem muss die Ehmannstraße nicht verlegt werden. Und: es müssen keine Bäume gefällt werden, in denen Juchtenkäfer vermutet werden. Aber die Bahn rechnet mit Mehrkosten, und sie benötigt für die neuen Pläne noch die Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamts.

Die Bahn präsentierte den Anwohnern auch ihre bereits bekannten Pläne für ein Förderband und ein 5500 Quadratmeter großes Lärmschutzdach am Zwischenangriff Prag. Das alles soll funktionsfähig sein, wenn von März 2016 an der maximale Baubetrieb läuft, da von da an bis Januar 2017 drei Vortriebe zeitgleich vorangebracht werden. Beim Betrieb der Baustellenlogistik im Stuttgarter Norden, wo der Erdaushub auf Güterzüge verladen wird, bemühe man sich um Minderung von Lärm und Staub. Allein für die Lärmschutzmaßnahmen in der Innenstadt und im Norden gebe man zwischen 20 und 30 Millionen Euro aus, sagte ein S-21-Projektsprecher.