Stuttgart - Die Proteste gegen den bevorstehenden Abriss des nördlichen Seitenflügels am Hauptbahnhof sind am Montagabend fortgesetzt worden. Mit Trillerpfeifen und Transparenten demonstrierten am Abend bei strömendem Regen zwischen 3500 (Polizeischätzung) und 6000 (Angaben des Veranstalters) Gegner des Bahnprojekts am Bauzaun, der am Freitagabend rund um den Nordflügel unter massivem Polizeischutz angebracht worden war.
Der Bundestagsabgeordnete und bekennende "Krieg-der-Sterne"-Fan Cem Özdemir (Grüne) bezeichnete die Projektverantwortlichen als "dunkle Seite der Macht". Er sagte, diejenigen, die Stuttgart 21 wollten, seien "alles, nur keine Bahnfreunde".
Andreas Keller, ehemaliger Intendant der Internationalen Bachakademie, forderte die Demonstranten auf, "das tausendfach Gesagte immer wieder zu sagen" – dass der Kopfbahnhof erhalten werden solle. Mit den Teilnehmern gelobte er, alles zu tun, um Stuttgart 21 auf friedliche Weise zu verhindern und die das Projekt befürwortenden Parteien CDU, SPD und FDP bei den nächsten Wahlen abzustrafen. Das Bündnis gegen Stuttgart 21 hatte danach zum einmütigen Lärmprotest auf dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz aufgerufen. Der ohrenbetäubende "Schwabenstreich" wurde vom Schauspieler Walter Sittler moderiert. Anschließend zogen die Demonstranten auf der gesperrten Heilbronner Straße zum Bürogebäude, in dem die DB Projektgesellschaft untergebracht ist.
Auch in der Nacht blieb der Protest friedlich
Von 1 Uhr am Dienstagmorgen an ließ die Bahn einen Bauzaun rund um das Areal des ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhofs an der Südseite des Stuttgarter Hauptbahnhofs, der in Kürze zum Teil abgerissen werden soll, errichten. Etwa zwei Dutzend Stuttgart 21-Gegner protestierten nach Polizeiangaben am frühen Dienstagmorgen gegen die neuen Vorbereitungen für den Baubeginn. 150 Beamte sollten die Arbeiten gegen mögliche Störer schützen. "Die Lage war ruhig", sagte ein Polizei-Sprecher.
Zudem hielten laut Polizei wie in den vergangenen Nächten zwischen 20 bis 40 Personen am Nordflügel eine Mahnwache. Dort hatte die Bahn bereits am vergangenen Freitag einen Bauzaun aufbauen lassen.