Stuttgart 21 Bahn und Stadt uneins bei der neuen Neckarbrücke

Von Thomas Braun 

Die Bahn will eine Bahnbrücke für Stuttgart 21 anders bauen als bisher geplant. Die Stadt Stuttgart ist dagegen, weil sie das Mineralwasser schützen will. Zur Sitzung des Bahn-Aufsichtsrats am Mittwoch wurden weitere Details bekannt, die die Stuttgarter Bürger unmittelbar betreffen.

Die Visualisierung zeigt, wie die geplante Neckarbrücke bei Bad Cannstatt aussehen könnte. Wegen der Platzierung der Pfeiler sind sich Bahn und Stadt uneinig. Foto: StZ 34 Bilder
Die Visualisierung zeigt, wie die geplante Neckarbrücke bei Bad Cannstatt aussehen könnte. Wegen der Platzierung der Pfeiler sind sich Bahn und Stadt uneinig.Foto: StZ

Stuttgart - Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG. Auf der Tagesordnung des Gremiums steht auch der Quartalsbericht zum Projekt Stuttgart 21 sowie die Überführung der bisherigen DB Projektbau in eine neue Struktur. In dem entsprechenden Papier, das der StZ vorliegt, schlägt Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer die Aufteilung der eigenständigen „DB-Projekt Stuttgart-Ulm GmbH“ in eine Managementgesellschaft und eine Vermögensgesellschaft (Assetgesellschaft) vor.

Alle Mitarbeiter der Projekte Stuttgart 21 und ICE-Trasse Wendlingen–Ulm sollen künftig unter dem Dach der Managementgesellschaft zusammengefasst werden. Vier namentlich nicht benannte Geschäftsführer, davon einer als Vorsitzender der Geschäftsführung, werden von einem vier- bis sechsköpfigen Beirat mit bera­tender Funktion unterstützt. Die Aufgabenfelder der Geschäftsführung umfassen Projektmanagement und -steuerung, Finanzen und Controlling sowie Risikomanagement. Die Geschäftsführer sollen direkt dem Bahn-Vorstand berichten.

Wagenburgtunnel sperren, Bahndirektion abreißen

Die neue Bahn-Tochter soll zum 1. September ihre Arbeit aufnehmen. Die Gründung der Assetgesellschaft bedarf noch der Klärung rechtlicher Voraussetzungen sowie der Zustimmung des Bahn-Eigentümers Bund. Diese Gesellschaft soll die Zuschüsse des Bundes und der EU für die Neubaustrecke sowie von Land und Stadt als Projektpartner von S 21 bündeln und verwalten.

Neben der neuen Struktur enthält die Vorlage für den Aufsichtsrat auch interessante, bisher nicht bekannte Details über den derzeitigen Stand und weiteren Ablauf des Projekts. So muss etwa der Wagenburgtunnel laut Quartalsbericht zeitweise „zur Beweissicherung“ für die darüber liegenden Grundstücke und Häuser zu einem nicht näher benannten Zeitpunkt der Bauarbeiten gesperrt werden. Auch den kompletten Abriss der alten Bundesbahndirektion – von der Stadt vehement abgelehnt – hat die Bahn noch nicht ad acta gelegt. Dadurch könnte der Konzern nach eigenen Berechnungen 12,5 Millionen Euro sparen.

Und die Neckarbrücke?

Im Konflikt mit der Stadt ist die Bahn auch wegen der neuen Bahnbrücke über den Neckar: Die Planer würden die Stützpfeiler gern um einen bis drei Meter gegenüber dem Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs versetzen, der Brückenarchitekt habe laut dem Papier Zustimmung signalisiert. Die Stadt verweigert ihr Plazet aber aus Gründen des Mineralwasserschutzes. Die Konsequenz wäre eine erneute Planänderung.

Bei der S-Bahn-Strecke zwischen Rohrer Kurve und Flughafen (Planfeststellungsabschnitt 1.3), die dank einer Sondererlaubnis des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer (CSU) zunächst nur bis 2035 auch von Fernzügen befahren werden darf, will sich dem Bahn um eine Verlängerung dieser Ausnahmegenehmigung bemühen. Als „Risiko“ hat die Bahn auch einen Betrag von 3,8 Millionen Euro für den Schallschutz entlang der Filder­strecke veranschlagt.

  Artikel teilen
153 KommentareKommentar schreiben

So viele..: ... neue tolle Posten! Da können sich bestimmt ein paar Schwarze und Grüne jetzt die Hände reiben!

Die pünktlichste Tiefgarage Baden-Württembergs!: Werter Frank! "Allerdings ändert dies nichts daran, das der Kopfbahnhof dieses Qualitätsmerkmal bekommen hat, einer der pünktichsten Großstadtbahnhöfe in Deutschland zu sein" Die Behauptung "pünktlichster Bahnhof" als Zusammenfassung der SW-Statistik ist als solche Unsinn, denn die Ankunftpünktlichkeit >6Min hat überhaupt nichts mit dem Bahnhof, sondern nur mit den Strecken, die zu ihm führen. Genauso gut könnte der Flughafen damit werben, die pünktlichste Tiefgarage Baden-Württembergs zu haben. Obwohl jedes Kind versteht, dass es die Zufahrtstraßen und Autobahnen sind, die die Pünktlichkeit bedingen. Und diese Behauptung dann aufrechterhalten, selbst wenn an den Ticketautomaten lange Schlangen sind und sich die Autos dort stauen (hypothetisch). ____________________________________________________________________ "Muss ich unbedingt in 28 Minuten in Ulm sein? " Wenn Sie eine faire Vergleichsrechnung anstellen wollen, ja. Ansonsten kann man auch den Energiebedarf für eine Fahrt in 35 oder 55 Minuten zwischen Altstrecke/ABS und NBS berechnen. In jedem Fall wird die NBS bei vergleichbarer Fahrt deutlich Energie sparen. ___________________________________________________________________ "Warum also muss man immer noch schneller irgendwo sein, wenn dies bekannt ist und auf der anderen Seite aber Energie gespart werden sollte?" Weil 95% der Bevölkerung nicht so denken wie Sie, und dann lieber Auto oder Flugzeug wählt statt Bimmelbahn. Wenn Sie persönlich lieber Bimmelbahn fahren, sei Ihnen das unbenommen, es bleiben ja genug RE-Verbindung über Geisslingen erhalten und die werden dank S21 auch noch pünktlicher! ____________________________________________________________________ " aber es gibt diese 35 Promille." Aber weder in energetisch noch fahrdynamisch noch sicherheitstechnisch relevanter Länge. Insofern egal. ____________________________________________________________________ "Warum bitte? " Weil bei K21 eine Neubaustrecke Cannstatt - Denkendorf - Wendlingerbrücke mit dem längsten Eisenbahntunnel Deutschlands versprochen wurde, die sich nur an die NBS Wendlingen-Ulm anschließen lässt und an sonst nichts.

Pünktlichkeit der Ankünfte ist nicht Betriebsqualität!: Werter Herr Kober! ""Sie sagt lediglich, dass aus dem Umfeld pünktliche Züge in Stuttgart ankommen." - was @Eisenbahner pro S21 vehement bestreitet. " Das bestreite ich keineswegs. Die Aussage, dass Richtung Stuttgart von den Strecken überwiegend sehr pünktliche Züge fahren, ist völlig korrekt. Mit einer Ausnahme: Der Filstalbahn. Und sobald diese Züge die unmittelbaren Streckenabschnitte Richtung Einfahrt Sackbahnhof erreichen, baut sich ihre Verspätung dramatisch auf in großteils MANGELHAFTER Betriebsqualität. _______________________________________________________________________ " Dies aber trotzdem angenommen, lässt es zumindestens indirekt Schlüsse auf die Betriebsqualität zu" Nein. Betriebsqualität lässt sich nicht mit punktuellen Verspätungswerten in der Ankunft ermitteln (schon gar nicht bei solchen, wo alles unter 300 Sekunden gekappt ist), sondern nur über eine Beobachtung der Verspätungsentwicklung oder einen "Vorher/Nachher"-Vergleich. Und da zeigt sich eben, dass durch die Einfahrt in den Sackbahnhof von einigen Strecken die Betriebsqualität im MANGELHAFTEN Bereich liegt mit einem Verspätungsaufbau von 80 bzw. 90 zusätzlichen Sekunden, obwohl diese Züge FAST PERFEKT PÜNKTLICH den Knoten Stuttgart erreichten (Rems- und Neckaralbbahn). Damit wäre die von Ihnen behauptete Kauselbeziehung bereits widerlegt. ________________________________________________________________ "Sie mag so schlecht sein wie behauptet, aber pünktlich sind die Züge. Passt Iin meinen Augen nicht ganz zueinander." Was verstehen Sie daran nicht, dass Züge überwiegend pünktlich (Ausnahmen: Filstal und Gäubahn) den Knoten Stuttgart erreichen und dann vom Sackbahnhof zusätzliche Verspätung großteils im MANGELHAFTEN Bereich aufgedrückt bekommen? Da bei der Stiftung Warentest nur Ankunftsverspätungen oberhalb 300 Sekunden gewertet wurden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die allermeisten Züge, die durch den Sackbahnhof Verspätung aufgedrückt bekommen haben, trotzdem unter die statistische Grenze Fallen.

JUL 01 Kopfschüttler, 16:22 Uhr: "Sie sagt lediglich, dass aus dem Umfeld pünktliche Züge in Stuttgart ankommen." - was @Eisenbahner pro S21 vehement bestreitet. Dies aber trotzdem angenommen, lässt es zumindestens indirekt Schlüsse auf die Betriebsqualität zu : Sie mag so schlecht sein wie behauptet, aber pünktlich sind die Züge. Passt Iin meinen Augen nicht ganz zueinander.

Erwin Kober, 10:41 Uhr "Den Betrieb IM Bahnhofzu beurteilen, war nicht Ziel der Untersuchnung, es ging nur um die Differenz zwischen fahrplanmässiger und tatsächlicher Ankunft, nicxht um die zugehörigen Betriebsabläufe.": Womit wir ENDLICH Konsens haben, dass diese ganze Pünktlichkeitsuntersuchung der Stiftung Warentest, auf der die Gegner so hartnäckig herumreiten, keinerlei Aussagekraft zur Auslastung des Bahnhofs besitzt. Weder fragt sie nach dem weiteren Umfeld, noch nach dem Verspätungsaufbau im Bahnhof. Sie sagt lediglich, dass aus dem Umfeld pünktliche Züge in Stuttgart ankommen. Geschenkt.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.