Stuttgart 21 Bahn veröffentlicht S-21-Risikoliste von 2011

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Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 will gerichtlich die Herausgabe der vom damaligen Projektleiter Hany Azer zusammengestellten Risikoliste erzwingen. Dem kommt die Bahn mit einer Veröffentlichung des Papiers im Internet zuvor.

Hany Azer war drei Jahre lang für Stuttgart 21 verantwortlich. Eine von ihm in dieser Zeit vorgenommene Risikoabschätzung ist nun veröffentlicht worden. Foto: Archiv Heinz Heiss
Hany Azer war drei Jahre lang für Stuttgart 21 verantwortlich. Eine von ihm in dieser Zeit vorgenommene Risikoabschätzung ist nun veröffentlicht worden.Foto: Archiv Heinz Heiss

Stuttgart - „Azer-Liste“ ist eine der Vokabeln, die durch Stuttgart 21 der interessierten Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Dahinter verbirgt sich eine Zusammenstellung von insgesamt 121 Risiken, denen sich die Bahn bei der Neuordnung des Stuttgarter Bahnknotens ausgesetzt sehen könnte – inklusive einer Prognose der Wahrscheinlichkeit, mit der das Risiko auch eintritt. Zusammengestellt hat sie im März 2011 Hany Azer, der von April 2008 bis Mai 2011 Projektleiter von Stuttgart 21 gewesen ist. Die Bahn hat sie nun auf ihrer Internetseite veröffentlicht.

Für S-21-Gegner war die bloße Existenz der Liste Beleg dafür, dass es selbst in hohen Bahnkreisen Zweifel an der Realisierbarkeit des Vorhabens innerhalb des damals geltenden Kostenrahmens gab. Sie forderten, jene Risiken, deren Folgen Azer in Euro bewertet hatte, den tatsächlichen Projektkosten zuzurechnen. Teile des für den Vorstand der Deutschen Bahn AG vorgesehenen Papiers waren kurz nach seiner Zusammenstellung an die Presse gelangt. Die Herausgabe der Zusammenstellung ist Gegenstand einer nunmehr fast zwei Jahre andauernden juristischen Auseinandersetzung zwischen dem Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 und der DB-Projektgesellschaft, deren nächster Akt in der zweiten Dezemberwoche vor dem Verwaltungsgericht in Berlin stattfindet. Im Zeugenstand unter anderem: DB-Infrastrukturvorstand Volker Kefer.

Bahn sah ihre Verhandlungsposition bedroht

Bei der Bahn in Stuttgart stellt man die zeitliche Koinzidenz der Veröffentlichung des bevorstehenden Gerichtstermins gar nicht in Frage. Die juristische Auseinandersetzung sei aber nicht der eigentliche Grund für die Publikation. Bei einem früheren Bekanntwerden der Details in der Liste befürchtete die Bahn eine schlechtere Verhandlungsposition gegenüber ihren potenziellen Auftragnehmern bei S 21. Mittlerweile seien die Vergaben so weit fortgeschritten, dass die Veröffentlichung nicht mehr „schädlich“ sei, wie ein Sprecher des Bahnprojekts sagt. In Zahlen: Zum Ende des Jahres wird die Bahn 1,5 Milliarden Euro für Stuttgart 21 ausgegeben haben. Den Wert der bisher erteilten Aufträge nebst etwaiger Nachforderungen taxiert die Bahn auf 3,1 Milliarden Euro. Angesichts dieses Vergabestands, aber „auch im Blick auf die Ressourcen, die die gerichtliche Auseinandersetzung auf allen Seiten bindet, schien es uns vernünftig, die Liste zu veröffentlichen“, erklärt Projektsprecher Jörg Hamann auf Anfrage.

Das Papier benennt 121 Chancen und Risiken, unterteilt in vier Kapitel. Diese unterscheiden sich in Eintrittswahrscheinlichkeiten von weniger und mehr als 50 Prozent. Außerdem werden einige Risiken mit einem Geldbetrag bewertet, andere nicht. Zu letzteren zählte Azer etwa die Gefahr, dass mehr Grundwasser auftritt, als ursprünglich angenommen. Eine Einschätzung, die sich bewahrheitet hat. Die Bahn tut sich schwer, die Kosten dafür zu beziffern. Schwerer wiegen dürfte ohnehin, dass die Hängepartie um das Grundwassermanagement (GWM) den Bauzeitenplan ordentlich durcheinandergebracht hat. 600 000 Euro setzte Azer dafür an, dass die GWM-Anlage länger als prognostiziert laufen muss. Grund dafür sind die „vorgezogenen Maßnahmen zum Abbruch des Nordflügels“. 28 Millionen Euro setzte der Projektchef für die Gefahr an, dass das Eisenbahn-Bundesamt den Einsatz einer Tunnelbohrmaschine am Fildertunnel nicht genehmigen könnte. Dieses Risiko könne zu 49 Prozent eintreten. Mittlerweile hat die Maschine gut vier Kilometer gebohrt.

Kläger müssen klären, wie es weitergeht

Ob die Publikation des Papiers den Gerichtstermin in Berlin obsolet macht, war am Donnerstag nicht zu eruieren. „Aus der Veröffentlichung ergibt sich prozessual nichts. Die Erledigung können nur die Beteiligten erklären“, sagt ein Sprecher des Gerichts. Der Anwalt des Aktionsbündnis will die neu eingetretene Situation prüfen.

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67 Kommentare Kommentar schreiben

Statik: Die Bahn hat seit 2012 keine Ahnung wie sie die Bodenplatte des Bahnhofs stabil machen soll: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-bahn-lenkt-bei-mineralwasserschutz-ein.b0f909da-741d-4d79-8b6a-e1b71f4d968d.html

Lesen Sie doch mal Zeitung: dann wüssten Sie, dass die Statik vom EBA-Prüfingenieur inzwischen freigegeben wurde.

Welche Zeitung?: Haben sie auch einen Quellenverweis ?

was ist Größe...: sicher nicht, wenn man sich geirrt hat hier Nebelbomben zu zünden. Wenn es eines Beweis benötigt hätte, er würde hier erbracht, das hier der kleine Mann schreibt... ---------------------------------------------------------------------------------------------------------- Er wird klein bleiben, das ist Gewiss, denn schon Konfuzius wusste... -------------------------------------------------------------------------------------------------------- "Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten."

Ich weiß nicht, warum Sie hier permanent Belanglosigkeiten und Unverständliches schreiben: Größe ist "sicher nicht, wenn man sich geirrt hat hier Nebelbomben zu zünden." Wer hat sich geirrt? Wer zündet Nebelbomben? Warum sagen Sie es nicht? Worum geht es? Warum sagen Sie es nicht? "Wenn es eines Beweis benötigt hätte, er würde hier erbracht, das hier der kleine Mann schreibt... " Sagen Sie doch mal klipp und klar, was Sie meinen! Konfuzius: "Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten." Klar! Das wissen wir alle – auch ohne Konfuzius. Aber: Wen meinen Sie? Meinen Sie die Bahn damit? Meinen Sie eine Kritik? Was meinen Sie? Was sollen diese Allerweltsweisheiten? Ich sage dazu: Wer nicht weiß, was er meint, soll auch nichts sagen.

selber drauf kommen wäre besser gewesen...: sei`s drum, sie wollen den Oberlehrer. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------ Zum Thema: Wie sehr haben sie, die Gegner, alle genervt mit den 121 Risiken und welche Geschichten wurden daraus gebraut... und wie wenig Demut ist hier zu hören... . Wie wenig Sätze sind hier zu lesen, da habe ich mich wohl geirrt oder da habe ich etwas übertrieben oder zumindest "schweigen im Walde" wäre angebracht. Was kann man dann hier lesen, das Gegenteil... ------------------------------------------------------------------------------------------------------- Und nein ich meine Nicht die Deutsche Bahn; ich meine Hier jeden der nach alter Stammtischmanier Weisheiten unter das Volk gebracht hat ... und was haben sie angestellt werden Sie fragen, dass z.B. in meiner Familie noch heute ein Graben ist. Da ist viel emotionales "Gift" in die Stadtgesellschaft versprüht worden. Und wer soll das Richten die von dem "Gift" übergossenen oder... Ich persönlich bin mehrfach auf meine Verwandte zugegangen und bin es jetzt Leid, da ein "Aufrichtiger" sich nicht bewegt warum auch, er/sie/es ist das Gute und ich der unkritische, leichtgläubige und uninformierte Böse.

Markus Braun: Sie sind also der letzte "Aufrichtige" ? Denken sie bitte mal über ihre Einstellung gegenüber Mitmenschen nach.

P.S. : : " "Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten." Klar! Das wissen wir alle – auch ohne Konfuzius. ..." --------------------------------------------------------------------------------------------------------- Wissen und Tun sind leider zwei paar Dinge.

Deutlich länger: die jetzt auf der Projektseite veröffentlichte Liste hat 98 Seiten mehr als das beim Stern veröffentlichte Exemplar. Schon von daher hat sich das gelohnt.

Lohnend: Das kommt daher, Herr Hitter, dass der Stern nur Auszüge veröffentlicht hat. Manchmal lohnt sich das nachprüfen, Herr Hitter.

Profraktion: Tut hier ja so als ob S21 schon fertig gebaut wäre weil eine Liste veröffentlicht wurde, Ich persönlich wusste nichts von dieser Liste aber ich habe die Risiken im Kopf die während der Schlichtung angesprochen wurden. Das waren im wesentlichen dass der Kostenrahmen gerissen wird, der neue Knoten S21 nicht die versprochene Leistungsfähigkeit bringt, der Brandschutz nicht ausreichend ist und Gefahr für das Mineralwasser droht. Von diesen angesprochenen Risiken sind alle bis auf das Mineralwasserrisiko eingetreten. Hoffen wir dass das mit dem Mineralwasser nicht noch dazukommt. Im gegenteil es ist noch ein Risiko dazugekommen dass kein Mensch weiss wann S21 fertig wird.

von diesen risiken ist noch nicht eine eingetreten: doch eine. der kostenrahmen. aber sonst? nicht eine.

Es grüßt Ötti: von diesen risiken ist noch nicht eine eingetreten: doch eine. der kostenrahmen!!! Das ist sehr klein--kostenrahmen. Bazahlt auch Esslingen ein bißchen, oder nur Stuttgart?

Soso: Muss der Filderberreich umgeplant werden weil nicht leistungsfähig? Musste der Brandschutz umgeplant werden ? Der Kostenrahmen und wurde auch gerissen.

Muss der Filderberreich umgeplant werden weil nicht leistungsfähig? Musste der Brandschutz umgeplant werden ? ++++: Und das wurde so gemacht weil Herr Azer in seiner Liste dieses als "Risiken" benannt hat ? +++ Herr Maier haben sie eigentlich diese 98 Seiten des Herr Azer gelesen? + Ich kann mir das nicht vorstellen !

Lesen: Ich hatte von den Risiken gesprochen die in der Schlichtung zur Sprache kamen und nicht von den 98 Seiten,

Frau Diplom-Ingenieurin (FH) Theissen, bevor Sie hier solche Dinge von sich geben sollten Sie die Liste vielleicht mal durchlesen. Also ich konnte da schon im Cluster A auf Seite 4 mindestens drei Punkte finden, u.a. die lfd.Nr. 16, 17, 18. Punkt 22 ist praktisch auch schon durch. In den weitern Cluster lassen sich weiter finden.

Wie wahr!: Welch eine entlarvende Äußerung: „Mittlerweile seien die Vergaben so weit fortgeschritten, dass die Veröffentlichung nicht mehr „schädlich“ sei, wie ein Sprecher des Bahnprojekts sagt.“ Aber nicht, weil man befürchtete, „Bei einem früheren Bekanntwerden der Details in der Liste befürchtete die Bahn eine schlechtere Verhandlungsposition gegenüber ihren potenziellen Auftragnehmern bei S 21.“, sondern weil es notwendig war, die Liste so lange wie möglich unter dem Deckel zu halten, um die Genehmigungs- und Finanzierungsprozesse nicht zu gefährden. Man wollte den „Point of no Return“ erreichen. Das konnte man nur mit handfesten – Entschuldigung, man kann es nicht anders sagen – Lügen. In Berlin gipfelte das zuletzt darin, dass der Anwalt der Bahn behauptete, die Liste hätte Herr Azer nur zu seinem Privatzweck gemacht, sie läge vermutlich in seinem Nachttisch. Jeder, der das Auf und Ab der projektierten Kosten von Stuttgart 21 ansieht, sieht sofort, dass immer dann, wenn Entscheidungen anstanden, die Kosten unter den vorgegebenen Limits waren. Die Politik hat dieses Spiel willfährig mitgespielt, zum Abschluss des Finanzierungsvertrags, zur Unkündbarkeit des Vertrages, zur Volksabstimmung November 2011, zur Aufsichtsratssitzung März 2013. Wie zitierte Wolfgang Schorlau neulich in anderer Sache: „Die politischen Eliten kontrollieren nicht mehr die ausführenden Eliten.“ Das gilt auch hier. Die Politik spielt das Spiel mit. Und nachher wundert man sich über Politikverdrossenheit und das Aufkommen von Verschwörungstheorien.

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