Stuttgart 21 Bahndirektion wird abgerissen

Von Hildegund Oßwald 

Nach der Volksabstimmung geht alles schnell. Existenzgründer müssen das H 7 früher als geplant verlassen. Die Bahndirektion wird abgerissen.

Die Bahndirektion wird abgerissen. Damit verschwindet auch das Existenzgründerzentrum H 7. Foto: Michael Steinert
Die Bahndirektion wird abgerissen. Damit verschwindet auch das Existenzgründerzentrum H 7.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Für den Teilabriss der alten Bahndirektion hat der Countdown begonnen: Die 156 Existenzgründer, die seit 2006 immer wieder Aufschub bekommen haben, müssen das Gebäude an der Heilbronner Straße bis zum 30. Dezember verlassen. Damit kommt der Auszug früher, als von der Raumaufzeit GmbH, die das Gebäude für das Gründerzentrum H 7 angemietet hat, erwartet. Noch vor Kurzem hatte der Geschäftsführer Alexander Matthies gesagt, man sei guter Dinge, noch bis Ende März oder gar länger bleiben zu können. Das Ergebnis der Volksabstimmung zu Stuttgart 21 hat aber offenbar die Dinge beschleunigt. Die Bahn habe jetzt eine schnelle Lösung gewollt, heißt es.

Der Teilabriss der Bahndirektion ist bereits mit dem Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahnbundesamtes genehmigt. Das heißt, die Bahn bestimmt den Zeitpunkt und könnte zeitgleich mit dem Abbruch des Südflügels abreißen lassen. Die Firma CA Immo Deutschland als Eigentümerin will das Direktionsgebäude zum Jahresende der Bahn zum Stadtbahntunnelbau im Zuge von S 21 überlassen. Man rechne mit einem Zeitraum von rund fünf Jahren, so ein Sprecher. Die Bahn werde den Teilabriss veranlassen und das Areal später zur Neubebauung zurückgeben.

Alexander Matthies bestätigte am Montag, dass die Kündigungen für die Kreativen bereits verschickt würden und man zum Jahresende ausziehen werde. „Wir haben zwei Ersatzobjekte in der Umgebung. Wer will, kann bei uns bleiben, wir kriegen alle unter“, betont er. Man gehe davon aus, dass 100 bis 110 Mieter in Ersatzräume in der Ossietzky-, der Jäger- und der Türlenstraße ausweichen werden, einige würden auf dem regulären Büromarkt Fuß fassen.

 

 

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249 KommentareKommentar schreiben

@ Klaus S.: Auch wenn es nicht in Ihr Weltbild passt: Trotz meines fortgeschrittenen Alters bin ich ein begeisterungsfähiger Mensch und habe Spaß an tollen Ideen und zukunftsweisenden Projekten. Ich war sogar mal Fan von Stuttgart 21 - bis ich es mir genauer angeschaut habe. Wenn man sich damit beschäftigt, wird einem klar, dass es das Gegenteil eines großzügig angelegten, visionären oder gar großartigen Zukunftsprojekts ist. Das einzig Eindrucksvolle an Stuttgart 21 ist der riesige bauliche (und damit finanzielle) Aufwand, der für die Errichtung betrieben werden muss. Diesem steht aber kein entsprechender Ertrag gegenüber. Die Hamburger Elbphilharmonie kommt wird auch wahnsinnig teuer, aber immerhin haben in Hamburg viele Leute noch die Hoffnung, dass für das viele Geld etwas entsteht, das das Zeug hat, zur Architektur-Ikone zu werden, ähnlich wie die Oper von Sydney. Das ist zumindest nicht ganz ausgeschlossen, und dann wäre es letzten Endes doch noch sinnvoll ausgegebenes Geld. Stuttgart 21 wird nie zur Ikone von irgend etwas werden. Dagegen verscherbeln die Stuttgarter Kleingeister beste Innenstadt-Flächen für den Bau einer Shopping-Mall - die Firma, die diese Mall plant und baut, sitzt übrigens in Hamburg. Bemerkeenswerter Weise hat sie dort nie eine Einkaufsmall in Zentrumslage errichtet, obwohl der Platz dafür da wäre. Das historische Stadtbild Hamburgs will die Eigentümerfamilie Otto - eine stolze Hamburger Patrizier-Dynastie - wohl nicht durch so eine künstliche Einkaufswelt verschandeln. Das macht man lieber anderswo. Und die Stuttgarter Stadtoberen freuen sich auch noch über die Ehre, eine ECE-Mall zu bekommen. Aber solange es viele Leute wie Sie gibt, die das für toll halten und sich drauf freuen, ist ja alles in bester Ordnung.

Klaus S.: Ach, Sie sind einer der Alten von der CDU, die der jüngeren Generation aus Raffgier keine pünktlichen Zugverbindungen und keinen innerstädtischen Schlossgarten gönnen?

@ Reinhold Grau: Werter Herr Grau, ich würde gerne verstehen wollen, wie Sie zu Ihrem Bild von Fortschritt kommen: Sie begrüßen die Zerstörung eines einmaligen Parks und einmaliger historischer Gebäude um einen Bahnhof zu bauen, der weniger leistet, als der, der jetzt dasteht. Leider wollen Sie die Beweggründe der Gegner nicht verstehen, sondern ziehen diese ins Lächerliche. Alles, was für die Argumentation der Gegenseite spricht, wird von Ihnen ignoriert, damit Sie blind an Ihrer Auffassung hängen bleiben können. Deshalb argumentiere ich hier mit der Raumordnerischen Beurteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart (gez. Andriof) vom September 1997: A 3.3.1 'Soweit von der Trasse kulturgeschichtlich bedeutsame Gebiete durchfahren werden, ist darauf zu achten, dass eine Beeinträchtigung möglichst vermieden wird.' A 3.3.7: 'Das Direktionsgebäude an der Heibronnerstraße/Jägerstraße ist in der Bausubstanz zu erhalten'.

Rabenvater!: @ Klaus S.: 'Ach Sie sind also auch einer der Alten, die den Jungen die Zukunft nicht gönnen?' === Wenn für Sie geplünderte Staatssäckel, Bauruinen und eine mit voller Absicht verpfuschte Bahn-Infrastruktur 'Zukunft' sind, bin ich froh, nicht Ihr Sohn zu sein.

Karl Heinz Siber: Ach Sie sind also auch einer der Alten, die den Jungen die Zukunft nicht gönnen?

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