Stuttgart 21 Bau des Fildertunnels hat begonnen

OB Fritz Kuhn erinnert bei der von Protesten begleiteten Taufe des Fildertunnels für Stuttgart 21 an offene Fragen beim Bahnhofsumbau. Die Bahn lobt die Zusammenarbeit mit der Stadt. Auch etwa 150 Demonstranten begleiteten die Veranstaltung mit Protesten. 

Eine Tunnelbohrmaschine besorgt in den kommenden fünf Jahren den größten Anteil der Arbeiten an den Röhren.  Foto: www.7aktuell.de | Oskar Eyb 35 Bilder
Eine Tunnelbohrmaschine besorgt in den kommenden fünf Jahren den größten Anteil der Arbeiten an den Röhren. Foto: www.7aktuell.de | Oskar Eyb

Stuttgart - Und sie dreht sich doch: Tülay Schmid, die Gattin des Wirtschafts- und Finanzministers des Landes Nils Schmid (SPD) und Patin des Fildertunnels, musste mit etwas mehr Nachdruck den roten Knopf bedienen, der die hinter ihr aufragende Tunnelbohrmaschine in Gang setzen sollte. Als sich das mehr als zehn Meter große Rad schließlich in Bewegung setzte, war die Erleichterung bei den fast 500 geladenen Gästen in der Baugrube am Rande des Gewerbegebiets Fasanenhof-Ost groß. Die gut 2000 Tonnen schwere Maschine soll den rund 9,5 Kilometer langen Fildertunnel für Stuttgart 21 graben. Die von Experten auf rund 20 Millionen Euro taxierte Anlage nimmt ihre eigentliche Arbeit im September auf, die Zeit bis dahin wird noch für den Aufbau der Lo­gistik in der Baugrube benötigt.

Die Besucher der Tunneltaufe waren am Donnerstagmorgen durch ein Spalier lautstarker S-21-Gegner geschritten. Die Polizei, die mit gut 200 Beamten vor Ort war, schätzte, dass sich rund 150 Demonstranten rund um die Baustelle aufhielten. Auf Transparenten und in Liedern drückten sie ihren Unmut aus. Maßgeblich an den Beschlüssen für Stuttgart 21 beteiligte Akteure wie Ex-OB Wolfgang Schuster (CDU) wurden besonders lautstark bedacht. Matthias von Herrmann, Sprecher der Initiative Parkschützer, kritisierte: „Der heute getaufte Fildertunnel endet da, wo er anfängt – ohne Plan, wie er denn ans Schienennetz auf der Filderebene angeschlossen werden soll.“ OB Kuhn müsse die Interessen der Stuttgarter Bürger vertreten, statt sich „zum Hampelmann der Bahn“ zu machen.

Kuhn erinnert an offene Fragen

Der so Geschmähte skizzierte in seiner Rede, was notwendig sei, um die Spaltung der Gesellschaft im Blick auf den Bahnhofsumbau zu mildern. Offene Fragen beim Brandschutz, beim Lärmschutz während der Arbeiten, bei Entschädigungszahlungen für Grundstücksbesitzer, beim Betrieb des Grundwassermanagements sowie der Finanzierung müssten geklärt werden. „Fassen Sie die Aufzählung an diesem Festtag bitte nicht als kleinkrämerisch auf“, rief der Oberbürgermeister den Gästen zu – deren Murren allerdings vermuten ließ, dass diese Bitte auf wenig fruchtbaren Boden fiel. Fritz Kuhn machte aber deutlich, dass er die Beschlüsse in den Parlamenten und das Ergebnis der Volksabstimmung respektiere. „Es ist niemand gezwungen, die Mehrheitsmeinung anzunehmen. Aber wenn die nicht mehr gilt, gefährden wir die Essenz unserer Demokratie.“

Bahn-Chef Rüdiger Grube lobte die Annäherung, die es in den letzten Monaten zwischen Bahn und Stadt gegeben habe. Die Projektpartner trügen eine gemeinsame Verantwortung für das Vorhaben, die weit über das hinausgehe, was in der Finanzierungsvereinbarung stehe. „Es ist die Verantwortung gegenüber der Bevölkerung, die mit breiter Mehrheit hinter dem Projekt steht“, sagte Grube. Der Bau des Fildertunnels durch teils schwierige geologische Formationen sei eine Herausforderung. „Gipskeuper ist aber kein technisches Neuland, gleichwohl gehen wir auf Nummer sicher“, versprach der Bahn-Chef.

Auch Manfred Leger, Geschäftsführer der Projektgesellschaft, lobte das Verhältnis zur Stadt. Es sei für ihn selbstverständlich, dass alles getan werde, um die Belastungen für die Bevölkerung zu reduzieren. Nicht alles, was von den Genehmigungen abgedeckt und technisch möglich sei, müsse auch ausgeschöpft werden.

Tülay Schmid sieht „Berg von Arbeit“

„Einen Berg von Arbeit“ hätten die Mineure nun vor sich, für die sie erste Ansprechpartnerin als Tunnelpatin sei, sagte Tülay Schmid. Deren Blick gehe nach vorne, sie wolle aber auch nochmals an den bis hierher „als Gesellschaft zurückgelegten Weg erinnern, der unsere Fähigkeit, zusammenzufinden, unterstreicht“. Sie wünsche sich, dass der nach ihr benannte Tunnel „nicht nur den Hauptbahnhof mit dem Flughafen verbinden wird, sondern auch wieder die Menschen in unserem Land“.

Panne bei der Bohrmaschine

S21-Gegner singen bei der Tunneltaufe

 Alt-OB Wolfgang Schuster wird von den Demonstranten ausgebuht

Prozession bei der Tunneltaufe

Alle Videos zur Tunneltaufe am Donnerstagvormittag

 

Wir haben am Donnerstagvormittag live von der Tunneltaufe berichtet über unseren Twitter-Kanal @StZ_Live

  Artikel teilen
115 KommentareKommentar schreiben

10. November: Bis heute hat die Tunnelbohrmschine noch nicht angefangen. War also eindeutige ine Falschmeldung der Bahn, die dankbar und unkritisch abgedruckt wurde. Noch ein alter Artikel aus dem jahre 2011: Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann äußerte Unverständnis. "Es ist einfach nicht nachvollziehbar, dass die Bahn den Druck so erhöht hat", sagte der Grünen-Politiker. Die Bahn habe pro Monat Verzögerung 56 Millionen Euro verlangt. Dazu kämen 30 Millionen Verzugszinsen an die Stadt Stuttgart." 4 x (56+30 Millionen) = ca. 400 Millionen Euro Zusatzkosten- oder habe ich das was falsch verstanden?

Herr Frey bleiben Sie doch beim Thema: Alle Anderen tun doch auch nicht so, als wüssten sie nicht was ein Inhalt ist.

@Ewald Moses: Keine Ahnung was Sie sagen wollen. Ich nehme Bezug auf Ihre Aussagen, bzw. auf den Teil, der einigermaßen verständlich ist und Sie schreiben hier wirres Zeug.

Mit eigenen Waffen schlagen: Hallo Herr Frey , Sie warten ,ich warte , alle warten! Auf die Erkenntnis eines Ergebnis das eine demokratische Wahl von sich trug. Sie kommen mit einem Juchtenkäfer , was machen Obdachlosen? Sie kommen mit Bäumen , was machen die Armen unter uns? Sie kommen mit Kontext ,was macht unsere Boulevardzeitung? Sie sind arm an Argumente wie man Probleme in den Griff bekommt ohne gleich einen Bahnhof als Schild zu benutzen.

dan cortez, 21:27 Uhr: Ich hatte Ewald Moses gefragt, was er gegen den Schutz des Juchtenkäfers hat und zwar explizid im Hinblick auf seinen, nun sagen wir mal, selekliven Rechts- und Ordnungsanspruch. War sehr gespannt auf seine "Kontras". Leider haben Sie Ihm (mal wieder) das Denken abgenommen. Auch wenn ich das Ergebnis nicht befriedigend finde wie sie meinem vorhergehenden Kommentar entnehmen können.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.