Stuttgart 21 Bauverkehr belastet Straßen am Nordbahnhof

Von Thomas Braun 

Beim Bau des Tiefbahnhofs will die Bahn den entstehenden Abraum größtenteils über eigens errichtete Baustraßen zum Nordbahnhof transportieren.

Hier am Nordbahnhof wird der Aushub auf Güterzüge verladen. Foto: Michael Steinert
Hier am Nordbahnhof wird der Aushub auf Güterzüge verladen.Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Die Deutsche Bahn hat am Dienstag dem Technikausschuss des Gemeinderats ihr Konzept für die Baustellenlogistik an der Großbaustelle Hauptbahnhof präsentiert. Rund acht Millionen Tonnen Abraum müssen allein im Talkessel entsorgt werden, die Baustellen auf den Fildern und am Neckar verursachen nochmals zwölf Millionen Tonnen Erdmaterial, das großenteils auf rund 40 Deponien im Südwesten, aber auch in der gesamten Republik entsorgt werden soll.

2015 fällt der meiste Bauschutt an

Der für die Logistik an der Baustelle des Tiefbahnhofs zuständige Bahnmitarbeiter Matthias Walter Schmidt versicherte den Stuttgarter Stadträten, der Abtransport des beim Aushub des Bahnhofstrogs anfallenden Erdmaterials werde zum allergrößten Teil auf der Schiene erfolgen. Das Material soll überwiegend über ein System von eigens angelegten Baustraßen mit Lastkraftwagen zu zwei zentralen Zwischenlagerflächen am Nordbahnhof gebracht werden. Dort wird der Bauschutt entweder in Container oder direkt auf Kippwagen verladen und dann mit dem Zug direkt zu den Deponien gefahren. Außer mit Entsorgungsanlagen in Baden-Württemberg hat die Bahn auch Verträge mit Deponien in Thüringen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz abgeschlossen.

Den größten Anfall an Abraum prognostiziert die Bahn dabei für das Jahr 2015: „34 Prozent der insgesamt acht Millionen Tonnen müssen dann abtransportiert und entsorgt werden“, so Schmidt. Seit Juni hat die Bahn nach eigenen Angaben bereits etwa elf Prozent des gesamten Bauschutts entsorgt. Täglich würden derzeit zwei Güterzüge mit jeweils etwa 1000 Tonnen abgefahren. Zu den Hochzeiten der Bauarbeiten können im kommenden Jahr täglich bis zu 13 Züge beladen werden.

Anfänglich werden Lkws durchs Nordbahnhofviertel rollen

Wenn nun – wie angekündigt – am 5. August mit dem Ausheben des ersten Teilabschnitts des Bahnhofstroges begonnen wird, ist die Bahn freilich anfänglich noch auf die Nutzung des öffentlichen Straßennetzes angewiesen, da die Baustraßen und Umschlagplätze teilweise erst später in vollem Umfang genutzt werden können. So erfolgt der Abtransport von der Baugrube via Lastwagen zunächst über die Heilbronner Straße, die Wolframstraße und die Rosensteinstraße zum Zwischenlager am Nordbahnhof. Dafür sollen nach Bahnangaben zu „Spitzenzeiten“ zehn Lastwagen im Einsatz sein – wie oft diese hin und her fahren, konnte der Bahn-Mitarbeiter auf Nachfrage des Grünen-Stadtrats Jochen Stopper nicht sagen. Bis November sollen auf diese Weise 40 000 von insgesamt anfallenden 100 000 Tonnen Erdaushub für den Bauabschnitt 16 des Bahnhofstrogs zur sogenannten C-2-Fläche gebracht und dort verladen werden.

Auf verschiedenen Baustraßen soll der Transport zu den Logistikflächen erfolgen - für eine größere Ansicht klicken Sie auf die Grafik

Für den Grünen-Fraktionschef Peter Pätzold war dies Anlass genug, bei der Verwaltung nachzuhaken, ob der Transport auf öffentlichen Straßen dem Planfeststellungsbeschluss 1.1 für den Bau des Tiefbahnhofs entspreche. Dort heißt es ausdrücklich, dass „die anfallenden Massen per Lkw über eine eigene Baustraße zur zentralen Logistikfläche am Nordbahnhof“ transportiert würden. Bürgermeister Dirk Thürnau (SPD) entgegnete, „im Vorfeld der Hauptbaumaßnahmen“ dürften auch öffentliche Straßen für den Transport benutzt werden. Die Befürworter des Tiefbahnhofs im Gemeinderat stellten der Bahn bezüglich der Baustellenlogistik ein positives Zwischenzeugnis aus. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz sprach von „komplexen Zusammenhängen“, die von der Bahn souverän dargestellt worden seien. Er sei überzeugt, dass die Verkehrslenkung gelingen werde: „Nach meiner Beobachtung funktionieren zumindest bisher die Abläufe.“ Der Freidemokrat Günter Stübel brachte einmal mehr seine Freude darüber zum Ausdruck, „dass es mit dem Tiefbahnhof jetzt los geht“. Andreas Reißig (SPD) mahnte lediglich mehr Daten zur Lärm- und Abgasbelastung der Baulogistik seitens der Bahn an.

Für die Grünen wiederum warf deren Stadtrat Jochen Stopper eine ganz andere Frage auf: Jenseits des Abtransports von Bauschutt müsse die Bahn auch aufzeigen, wie das benötigte Baumaterial auf die Baustelle komme. Laut Matthias Walter Schmidt wird der Bauherr Bahn hierzu einen eigenen Verkehrsleitstand einrichten, von dem aus der gesamte Transport- und Lieferverkehr auf den Baulogistikstraßen und im Umkreis der Bahnhofsbaustelle koordiniert werden soll. Nähere Angaben dazu machte Schmidt nicht.