Stuttgart 21 Beim Bauen ausgebremst

Von  

An einigen Stellen kann die Bahn bei Stuttgart 21 nicht so bauen, wie sie möchte: Mal fehlen Genehmigungen, mal bremsen Gerichte. Ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

An einigen Stellen kommt die Bahn bei S21 nicht so recht voran. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
An einigen Stellen kommt die Bahn bei S21 nicht so recht voran. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Am Termin für die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 im Jahr 2021 halten die Bahnoberen eisern fest. Bei seinem letzten Auftritt in Stuttgart erklärte der zurückgetretene Bahnchef Rüdiger Grube, ein Abweichen von diesem Ziel nähme „das Momentum aus dem Projekt“. Will heißen: Erklärte der Konzern öffentlich, die Durchgangsstation werde später fertig, würden es die Bauunternehmen womöglich langsamer angehen lassen. Doch auch ohne dieses Eingeständnis hinkt der Zeitplan bereits zwei Jahre hinter den Vorgaben her. Ein Jahr glaubt die Bahn durch geänderte Bauabläufe wieder einholen zu können. Dabei gibt es Abschnitte im Projekt, wo sie nicht bauen darf. Ein Überblick.

Die Unterquerung des Rosensteinparks:
Für den Umbau des Bahnknotens müssen neue Röhren sowohl für die S-Bahn als auch für den Fern- und Regionalverkehr unter dem Landschaftspark gebaut werden. Doch an der Ehmannstraße, wo sich die verschiedenen Tunnel kreuzen und dafür eine große Grube hätte ausgehoben werden sollen, stehen Bäume, in denen man streng geschützte Arten vermutet. Die Gehölze müssen deshalb stehen bleiben. Statt in einem Loch baut die Bahn daher unter den Bäumen hindurch – wenn sie dies denn genehmigt bekommt, worum sie sich seit März 2016 beim Eisenbahn-Bundesamt (Eba) bemüht. Mitte Dezember hieß es bei der Behörde, die Bahn müsse noch einige offene Fragen klären, dann könne das Eba die Entscheidung „kurzfristig“ treffen. Das ist bislang nicht geschehen. Und auch wenn die Bahn damit beginnen dürfte, sich unter den Rosensteinpark zu graben, ist noch nicht geklärt, wie die Tunnelröhren am Neckarhang unterhalb von Schloss Rosenstein wieder ans Tageslicht kommen können. Denn dort stehen ebenfalls Bäume, die von Arten besiedelt sind, die einen hohen Schutzstatus genießen. Um diese doch fällen zu dürfen, bedarf es einer Ausnahmegenehmigung der Europäischen Union. Laut einem Projektsprecher befindet sich die DB-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm dazu in Gesprächen mit dem Eba, den zuständigen Bundesministerien sowie der EU. Zu Irritationen hatte zuletzt geführt, dass nur wenige Meter neben der geplanten Bahnbaustelle Bäume gefällt wurden. Diese stehen einem Fußgängersteg im Weg, den die Stadt Stuttgart an dieser Stelle über die Stadtbahngleise sowie über die Bundesstraße baut. Das Rathaus verweist auf Gutachter, nach deren Einschätzung die gefällten Bäume noch so jung waren, dass sie als Rückzugsort für die geschützten Käfer nicht infrage kommen.

Der Abstellbahnhof in Untertürkheim: Die Wartungsanlagen der Bahn werden bei Stuttgart 21 vom Rosenstein in den Neckarvorort verlegt. Die Einrichtung zum Reinigen von Zügen bildet einen der mittlerweile acht Abschnitte, in die das Projekt unterteilt ist. Dort wie auch bei der Frage, wie die Gäubahnzüge am Flughafen halten können, fehlt der Bahn noch die grundsätzliche Bauerlaubnis, der sogenannte Planfeststellungsbeschluss. Das Verfahren will die Bahn noch im ersten Quartal 2017 beim Eisenbahn-Bundesamt beantragen. Größte Hürde ist auch in Untertürkheim der Artenschutz. Bis zu 5000 geschützte Eidechsen erwartet die Bahn auf dem Areal und hat ein Konzept entwickelt, wie die Reptilien eingefangen und in Weinberge bei Esslingen übersiedelt werden können. Weil nicht sicher ist, ob diese Idee im Genehmigungsverfahren Bestand hat, prüft die Bahn mittlerweile auch Ausweichquartiere jenseits der Landesgrenze. Insgesamt sind mehr als 200 Flächen auf ihre Tauglichkeit als Ersatzhabitat unter die Lupe genommen worden. Die höhere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Stuttgart jedenfalls meldet Bedenken an. Die Untertürkheimer Mauereidechsen könnten für die am Esslinger Schenkenberg lebenden Zauneidechsen eine Gefahr darstellen. Die Tiere erfreuen sich nicht nur eines hohen Schutzstatus, sondern mittlerweile auch überregionaler medialer Beachtung. Ende Januar haben sie es in die ARD-Sendung „Hart aber fair“ geschafft.

Der Abschnitt am Flughafen: Selbst dort, wo die Bahn vermeintlich Baurecht hat, muss sie manchmal die Bagger ruhen lassen – so geschehen jüngst auf den Fildern. Um beginnen zu können, wollte die Bahn Bäume fällen, was ihr der Verwaltungsgerichtshof Mannheim einstweilen untersagte. Vor dem höchsten Verwaltungsgericht des Landes ist eine Klage der Schutzgemeinschaft Filder gegen den vom Juli 2016 datierenden Planfeststellungsbeschluss anhängig – verbunden mit einem Eilantrag, die sofortige Vollziehbarkeit der Baugenehmigung aufzuheben. Bis zu einer Entscheidung in der Sache haben die Mannheimer Richter einen Rodungsstopp verhängt. Die Zeit läuft. Gefällt werden darf nur bis Ende Februar und dann erst wieder vom 1. Oktober an. Das nächste Terminproblem zeichnet sich ab.

5 Kommentare Kommentar schreiben

Beim Bauen ausgebremst und das, obwohl viele wichtige Entscheidungen nach einer möglichen Baufertigstellung (gibt es eigentlich schon ein gültiges Datum, denn bisher wurde immer nach hinten verschoben) verschoben wurden. Nachweis der gleichen Sicherheit, Brandschutzkonzept, Leistung von S21, Rettungsplan (siehe StZ, 02.02.2017), ... Und was ist eigentlich mit der BEFRISTETEN Ramsauerausnahmeggenehmigung auf den Fildern? ---- Zusätzlich die Risiken im Anhydrit (denn vom Mineralwasser spricht gerade niemand), welche man durch eine Alternative gar nicht hätte. ---- Und die Kosten von 6,5 Mrd Euro gelten selbst bei manchen S21-Befürwortern als NICHT haltbar. ---- Kann mir bitte mal jemand vernünftig erklären, für was oder wen das Ganze? (und vergesst bitte das Märchen vom Stadtviertel und dem Park, dass die kommen ist eben auch NICHT sicher - und was dann?).

Die bösen Gerichte: und die bösen Umweltverordnungen (die es übrigens schon vor den ersten Planungen zu S-21 gab) können alleine nicht dafür verantwortlich sein, dass man schon 2008 mit dem Bau fertig sein wollte und 9 Jahre später immer noch vor sich hin werkelt. Vielleicht spielen ja auch schlechte oder nicht vorhandene Planungen eine Rolle. So ist das halt wenn das Hauptaugenmerk darauf liegt, wie man der Allgemeinheit ein Projekt unterjubeln kann das angesichts vieler besserer Alternativen kein Mensch braucht (bis auf die ganz wenigen Profiteure).

Pfusch: der Pfusch, den Züblin da abliefert steht ja quasi als Mahmal mitten in der Brache. Eine mausgraue Achtel-Kelchstütze, die bereits Poren und Risse an der Oberfläche hat. Der größenwahnsinnige Baumeister Ingenhoven ist begeistert von so viel Inkompetenz..

Nicht zu glauben: Wie können nur die Befürworter das Projektes angesichts dieser erdrückenden Last glauben, dass das jemals was wird? Aber das Geld fließt ungehindert in die Taschen der Macher, während der von den Gegnern geforderte Baustopp in großen Teilen längst stattgefunden hat.

Risiko...!: Nun, als der ehemalige Projektleiter Hany Azer die Liste mit den 121 Risiken (intern) vorlegte, waren Eidechsen und Artenschutz das kleinste Problem. Als die Existenz der Liste ruchbar wurde (die Risiken deckten sich fast vollständig mit den Berechnungen und Argumenten der Kritiker, spätesten bei der sog. Schlichtung öffentlich bekannt) mussten diese Liste und Herr Azer von der Bildfläche verschwinden. Sonst wäre ja der Zeit- und Kostenplanung schon damals öffentlich als Luftnummer entlarvt worden.Was als Hemmnis bleibt, ist Artenschutz und die bösen Gerichte. Auf diese "Presse" ist halt Verlass....

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.


Artikel kommentieren

Dieser Artikel kann nur werktags kommentiert werden.
Kommentarregeln