Stuttgart 21 Brandschützer nehmen Herrenknecht unter Feuer

Von Thomas Braun 

Der Tunnelbauer Martin Herrenknecht hat in einem Interview die Stuttgarter Feuerwehr als profilierungssüchtig bezeichnet. Die lässt sich das nicht gefallen.

  Foto: Ernsting
 Foto: Ernsting

Stuttgart - Martin Herrenknecht ist derzeit ziemlich verärgert. Weil sich der Anstich für den Fildertunnel zwischen dem geplanten Tiefbahnhof und dem Flughafen laut bahninterner Zeitpläne um Monate verzögert, muss der Unternehmer seine fertige Tunnelbohrmaschine zwischenlagern. Das hat Herrenknecht offenbar so in Rage versetzt, dass er sich nun sogar mit den professionellen Brandschützern der Stuttgarter Feuerwehr anlegt.

In einem Interview mit der „Badischen Zeitung“ (BZ) Ende November hat der Chef der weltweit agierenden Herrenknecht AG auf die Frage, ob die sich abzeichnenden technischen Probleme, etwa beim Brandschutz, das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 noch ins Wanken bringen könnten, geantwortet: „Das sind Details, alles lösbar. Damit wollen sich bestimmte Gruppen profilieren. Die Stuttgarter Feuerwehr zum Beispiel ist eine sehr auf Profil versessene Gruppe.“ Das hat jetzt den Stuttgarter Branddirektor Frank Knödler auf den Plan gerufen. In einem Brief an die BZ , der unserer Zeitung vorliegt, schreibt Knödler, Herrenknecht habe sich bei seinen Äußerungen „in seiner Wortwahl ganz offensichtlich ein wenig vergriffen“.Knödler stellt in seiner Stellungnahme klar, dass die Stuttgarter Feuerwehr ihre Begutachtung des Brandschutzkonzeptes für den Tiefbahnhof sehr ernst nehme und dabei die Sicherheit der Bürger und Passagiere in den Vordergrund stelle – „nicht mehr und nicht weniger“.

„Nicht auf dem Niveau“

Die Tatsache, dass von den bei der S-21-Schlichtung aufgelisteten 31 Orientierungspunkten zum Brandschutzkonzept 18 bereits abgearbeitet worden seien, dokumentiere, „dass selbst die Bahn AG keine grundsätzlichen Zweifel an der Richtigkeit und Notwendigkeit der entsprechenden Umsetzung dieser Punkte hat“, so Knödler.

Im Übrigen, so Knödler, decke sich die Betrachtung der Stuttgarter Feuerwehr mit den Einschätzungen namhafter Tunnelbausicherheitsexperten. Zum Abschluss seines Schreibens knöpft sich der Branddirektor dann den Firmenchef Martin Herrenknecht persönlich vor: „Die Beweggründe für seine diskreditierenden Äußerungen meine ich aus dem Interview richtig herauszulesen und muss sie deshalb von Herrn Herrenknecht nicht erst erfragen – schon gar nicht auf dem Niveau, das er zu bevorzugen scheint.“ Bei seinem „Blick über den Schwarzwald auf die Feuerwehr Stuttgart und ihre Rolle in dem auch für die Landeshauptstadt bedeutungsvollen Projekt Stuttgart 21“ habe Herrenknecht eine klare und unvoreingenommene Sicht der Dinge vermissen lassen.

Mängel durch erhebliche Veränderungen an der Architektur

Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen dem Branddirektor und dem Tunnelbauer ist die Expertise der von der Bahn selbst beauftragten Schweizer Gruner AG, die das bisherige Brandschutzkonzept für die unterirdische Durchgangsstation einer kritischen Prüfung unterzogen hatte – und zu einem eindeutigen Urteil gelangte. Das Konzept sei in seiner vorliegenden Form „nicht genehmigungsfähig“, so die Experten.

Die Fluchtwege für den Ernstfall seien zu lang und zu schmal, das Entrauchungskonzept für die Bahnhofshalle sei nicht ausreichend. Bei einem Zugbrand würden im Ernstfall Menschenleben gefährdet, weil die Halle nicht schnell evakuiert werden könnte und die Fahrgäste giftige Dämpfe einatmen müssten. Die Gutachter kamen zu dem Schluss, dass die Mängel durch teilweise erhebliche Veränderungen an der Architektur des Bahnhofs behoben werden könnten. Die Bahn hat unterdessen zwei Varianten ausgearbeitet: Sie enthalten unter anderem den Einbau von weiteren acht Treppenhäusern oder alternativ den Einbau einer noch nicht erprobten Wassersprühnebelanlage.

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122 KommentareKommentar schreiben

@ Dieter: Das mit dem Weggang von Herrenknecht würden Sie heldenhaft 1:1 auch so unterstützen wenn Ihr Job dranhängen würde, nehme ich an? Seine Ausführungen sind übrigens nicht 'menschenverachtend', er sagt nur, dass alle Probleme technisch lösbar snd und daß es eine gewisse Profilerungssucht in Sachen S21 gibt. Was davon möchten Sie abstreiten, um Ihre Auffasung zu bestätigen?

„Interessierter vom Land“ – Herrenknecht sprach in einer Talkshow vom „Museum Deutschland“, welches durch und durch untertunnelt werden müßte: „... jetzt stellen Sie sich einfach mal vor, die beiden (Herrenknecht, wer noch? Herr Grube?) sitzen beim Emir und werben für ihre Produkte und Lösungen. ... Und dann müssen die beichten, dass es bei ihnen zuhause Diskussionen um einstürzende Tunnel und permanent brennende Züge gibt ...“ Wollen Sie das alles verschweigen? Nun ja, ich habe ja schon festgestellt, daß Sie offensichtlich keine Berichte über brennende ICE-Triebköpfe und dgl. erreichen. .......... „Die Frage muss schon erlaubt sein, warum deutsche Produkte auf der ganzen Welt höchste Wertschätzung erfahren, nur eben in Deutschland nicht.“ Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Hier in Stuttgart, wo ich zu Hause bin, erlebe ich nur Unfähigkeit seitens der Bauherrin Bahn, technisches und kalkulatorisches auf die Beine zu bringen. Stümperhafter Abriß des Südflügels, dadurch provisorische Abstützung des Bahnhofdachs, stümperhaft umgebautes Gleisvorfeld, dadurch X-Entgleisungen usw. usw. Von den teils völlig neu überarbeiteten PFVs mal ganz abgesehen. Zu erwähnen auch noch die Kostenexplosion, welche die S21-Gegner, der Bundesrechnungshof, ja sogar die fleißigen Beamten von Oettinger voraussagten. .......... Ein Blick in die aktuellen Ankunftstafeln der Bahn genügt, daß man jeden Tag erneut erkennen muß, daß sie nicht mal imstande ist, ihre Züge ordentlich und pünktlich durchs Land fahren zu lassen. Einmal heißte es Störung am Zug oder Störung der Signalanlage usw. .......... Anhand diesem bald nicht mehr zu unterbietenden stümperhaften Betrieb der Bahn in Deutschland wird die Frage immer lauter: Was hat die Bahn denn großartig im fernen Ausland zu investieren, wenn sie nicht mal ordentlich den Betrieb in ihrem Heimatland bewältigen kann??? Man muß sich langsam bei allen Emiraten schämen, was sich Deutschland und die Bahn leistet! – Oben bleiben!

@ Interessierter vom Land, 11:12 Uhr: Also mit dem Herrenknecht hat die ganze Geschichte nur am Rande was zu tun, wenn überhaupt. Ihm gehen die Kröten flöten, das ist sein Problem. Da fragt auch kein Scheich danach. Und der Herr Grube soll nicht beim Scheich vorsprechen, sondern vor Berliner Senat, wo es bei der S-Bahn schon wieder hackt. Oder Getränke in überhitzten ICEs verteilen. Und bei den Diskussionen um „um einstürzende Tunnel und permanent brennende Züge“ geht es eben um diese. Und ich will keine einstürzenden Tunnel bei uns haben, nur weil es „den Saudis“ dann zu lange geht. Die „Verkaufsschlager“ liefert die Bahn am laufenden Band und schadet der Exportnation mehr als tausend Grüne. Das gilt auch für die anderen Bereiche der Wirtschaft, mit ihren unfähigen Führungen. Unsere Exportfähigkeit wird mehr darunter leiden, dass man Stuss produziert, wie dass man diesen zu verhindern versucht.

Exportnation: Einer geht noch. Werter SEPP, ich nehme jetzt nicht an, dass die bestinformierten und höchstintelligenten Bewegten vom Bahnhof nicht wissen, dass die Deutsche Bahn zum Beispiel in den VAE an Milliardenprojekten beteiligt ist. Sicher wissen Sie auch, dass die Firma Herrenknecht einen Großteil ihrer Erlöse im nahen und fernen Ausland erzielt. Und jetzt stellen Sie sich einfach mal vor, die beiden sitzen beim Emir und werben für ihre Produkte und Lösungen. Und der fragt ganz einfach, warum die beiden ein ähnliches Projekt zuhause nur so langsam vorwärts bringen. Und dann müssen die beichten, dass es bei ihnen zuhause Diskussionen um einstürzende Tunnel und permanent brennende Züge gibt und dass das Ganze sowieso viel teurer und wahrscheinlich nie fertig wird. Super Verkaufsschlager, oder ? Die Frage muss schon erlaubt sein, warum deutsche Produkte auf der ganzen Welt höchste Wertschätzung erfahren, nur eben in Deutschland nicht. Und weil ich nicht annehme, dass Sie das alles nicht wissen, muss ich annehmen, dass das aus ideologischen Gründen nicht in Ihr Weltbild passt und Sie diese Seite der Medaille völlig ausblenden, um mit billiger Polemik gegen alles und jeden, der mehr tut als Andere, Stimmung zu machen. Das geht solange gut, solange Ihre Milch aus der Tüte, Ihr Strom aus der Steckdose und Ihr Geld aus dem Automat kommt. Kritisch wirds erst, wenn niemand mehr dafür sorgt, dass das alles auch da reinkommt. Die Grünen werden das in den nächsten drei Generationen übrigens nicht sein, mit grünen Ideen hat noch keiner schwarze Zahlen geschrieben. Somit habe ich wieder Herrn Herrenknecht erwähnt und wir haben uns einmal ergebnislos im Kreis gedreht. Gut, dass wir darüber gesprochen haben. Jetzt aber wirklich: Frohes Fest und besinnliche Tage vom weiten Land.

@ Interessierter vom Land, 20:27 Uhr: ------------------- „Herr Jürgen Schwab kann als Kirchenmusiker unmöglich (!) gleichzeitig (!) Experte für Bahnhofsbauten (Florenz, Zürich und nicht zu vergessen Malmö), für integrierte Taktfahrpläne und auch noch für Fragen der Staatsverschuldung und der internationalen Finanzwelt sein.“ ----------------------------------------- Auch Herr Grube kann unmöglich als ex-Manager eines Automobilunternehmens ein Experte für Bahnhofsneubauten und Taktpläne sein. Von Eisenbahnwesen ganz zu schweigen. Und das hat er auch bewiesen. ------------------------- „Staatsverschuldung: sie alle operieren mit horrenden absoluten Zahlen, in der Hoffnung, dass die Stuttgarter Hardcore-Schwaben erschrecken […]. Selbst wenn der neue Bahnhof 10 Mrd. Euro kosten sollte, sind das nicht einmal 0,4 % unseres BIP und eine solche Investition muss sich eine Exportnation immer leisten können.“ --------------------------------- ??? Was hat das mit „Exportnation“ zu tun? Hat da jemand vor diesen Murks zu exportieren? Mag sein, dass wir uns das leisten können, aber glänzen tun wir damit nicht gerade: nicht einmal der Abbau des Gleisdachs funktioniert unfallfrei. Auch schafft unser geniales Ingenieurswesen das Wassermanagement auch nicht annähernd richtig zu berechnen. Und der Rest ist ebenfalls eine Schönwetterplanung. Und zurück zu den Kosten: es werden aber weiterhin bei sinnvollen Nahverkehrsprojekte wie den Ausbau der Rheintalstrecke zurückgesteckt, so viel Geld scheint doch nicht da zu sein. DAMIT haben wir uns vor den Schweizern längst als verlässliche Partner diskreditiert und das ist nicht die erste Blamage dieser Art für die Exportnation. ------------------------------------ „Selbst diese 10 Mrd., so man sie denn zu 100 % finanzieren müsste, würden die Pro-Kopf-Verschuldung der Deutschen um lediglich 125,00 Euro ansteigen lassen, nach Projektende wohlgemerkt.“ ------------------------------- „Die Deutschen“ zahlen das übrigens nicht, sondern Baden-Württemberger und in erster Linie Stuttgarter. Und 125€ für einen Infrastrukturrückbau ist ganz schön happig. Auch wenn ich stattdessen die Kohle in die Tasche stecken dürfte, wäre ich dagegen, aber es gibt Leute die bei der Geschichte um einiges mehr einsacken dürfen und die haben scheint´s mehr zu sagen. ----------------------------------------- „Zum Thema Bahn: nein, ich traue der Bahn nicht wirklich, wie viele Befürworter des neuen Bahnhofs übrigens auch. Aber ich traue ihr noch etwas mehr als beispielsweise der Stuttgarter Netz AG, die angeblich wie ein Damoklesschwert über dem Projekt schwebt. Könnte denn diese Super-K 3000 bauen ?“ ---------------------------- Ein Fortschritt wäre schon, wenn sie den Hbf in Ruhe lassen würden und ordentlich instandhalten. ----------------------------- „Bitte tun Sie jetzt alle nicht so, als könne man den Bahnhof für 5 Mio Euro wohnlich gestalten. [ … ] Um es zusammenzufassen: auch Ihr K3000 plus in welcher Variante auch immer wird Milliarden kosten, bindet den Fernverkehr nur halbherzig an (wie die A81 Süd oder die fehlende Nordost-Umfahrung), zementiert den Status Quo auf Jahrzehnte hinaus und ist dennoch genauso ein Thema für die so gefürchtete Staatsverschuldung. Oder haben Sie etwa eine innovative Finanzierungsidee ? Gelesen habe ich noch nichts davon. Ich verabschiede mich jetzt zumindest über die Feiertage und wünsche Ihnen trotz aller Meinungsunterschiede ein besinnliches Weihnachtsfest vom weiten Land.“ ------------------------------------------ Also erstens, die Bahn hat die Instandhaltungskosten bezahlt bekommen, diese könnte sie dann ruhig auch einsetzen. Der Hbf funktioniert(e) und eine Verschlechterung braucht kein Reisender. Zweitens, kaum ein Bauwerk ist so teuer, wie Tunnelbauwerke, deswegen alles was weniger Tunnel bedeutet, wird billiger sein. Der Fernverkehr wird angebunden bleiben, mit S21 oder K18 oder S3000, solange Stuttgart eine dermaßen wichtige Stadt bleibt. Aber mit S21 läuft sie Gefahr, vom Nahverkehr „abgekoppelt“ zu werden, auch wenn das für so manche, Reisende dritter Klasse sind. Und wer da wort-wörtlich „für Jahrzehnte zementiert“ ist, dann ist das wohl S21.

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