Stuttgart 21 Brandschützer nehmen Herrenknecht unter Feuer
Thomas Braun, 14.12.2012 07:40 Uhr
Foto: Ernsting
Stuttgart - Martin Herrenknecht ist derzeit ziemlich verärgert. Weil sich der Anstich für den Fildertunnel zwischen dem geplanten Tiefbahnhof und dem Flughafen laut bahninterner Zeitpläne um Monate verzögert, muss der Unternehmer seine fertige Tunnelbohrmaschine zwischenlagern. Das hat Herrenknecht offenbar so in Rage versetzt, dass er sich nun sogar mit den professionellen Brandschützern der Stuttgarter Feuerwehr anlegt.
In einem Interview mit der „Badischen Zeitung“ (BZ) Ende November hat der Chef der weltweit agierenden Herrenknecht AG auf die Frage, ob die sich abzeichnenden technischen Probleme, etwa beim Brandschutz, das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 noch ins Wanken bringen könnten, geantwortet: „Das sind Details, alles lösbar. Damit wollen sich bestimmte Gruppen profilieren. Die Stuttgarter Feuerwehr zum Beispiel ist eine sehr auf Profil versessene Gruppe.“ Das hat jetzt den Stuttgarter Branddirektor Frank Knödler auf den Plan gerufen. In einem Brief an die BZ , der unserer Zeitung vorliegt, schreibt Knödler, Herrenknecht habe sich bei seinen Äußerungen „in seiner Wortwahl ganz offensichtlich ein wenig vergriffen“.Knödler stellt in seiner Stellungnahme klar, dass die Stuttgarter Feuerwehr ihre Begutachtung des Brandschutzkonzeptes für den Tiefbahnhof sehr ernst nehme und dabei die Sicherheit der Bürger und Passagiere in den Vordergrund stelle – „nicht mehr und nicht weniger“.
„Nicht auf dem Niveau“
Die Tatsache, dass von den bei der S-21-Schlichtung aufgelisteten 31 Orientierungspunkten zum Brandschutzkonzept 18 bereits abgearbeitet worden seien, dokumentiere, „dass selbst die Bahn AG keine grundsätzlichen Zweifel an der Richtigkeit und Notwendigkeit der entsprechenden Umsetzung dieser Punkte hat“, so Knödler.
Im Übrigen, so Knödler, decke sich die Betrachtung der Stuttgarter Feuerwehr mit den Einschätzungen namhafter Tunnelbausicherheitsexperten. Zum Abschluss seines Schreibens knöpft sich der Branddirektor dann den Firmenchef Martin Herrenknecht persönlich vor: „Die Beweggründe für seine diskreditierenden Äußerungen meine ich aus dem Interview richtig herauszulesen und muss sie deshalb von Herrn Herrenknecht nicht erst erfragen – schon gar nicht auf dem Niveau, das er zu bevorzugen scheint.“ Bei seinem „Blick über den Schwarzwald auf die Feuerwehr Stuttgart und ihre Rolle in dem auch für die Landeshauptstadt bedeutungsvollen Projekt Stuttgart 21“ habe Herrenknecht eine klare und unvoreingenommene Sicht der Dinge vermissen lassen.
Mängel durch erhebliche Veränderungen an der Architektur
Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen dem Branddirektor und dem Tunnelbauer ist die Expertise der von der Bahn selbst beauftragten Schweizer Gruner AG, die das bisherige Brandschutzkonzept für die unterirdische Durchgangsstation einer kritischen Prüfung unterzogen hatte – und zu einem eindeutigen Urteil gelangte. Das Konzept sei in seiner vorliegenden Form „nicht genehmigungsfähig“, so die Experten.
Die Fluchtwege für den Ernstfall seien zu lang und zu schmal, das Entrauchungskonzept für die Bahnhofshalle sei nicht ausreichend. Bei einem Zugbrand würden im Ernstfall Menschenleben gefährdet, weil die Halle nicht schnell evakuiert werden könnte und die Fahrgäste giftige Dämpfe einatmen müssten. Die Gutachter kamen zu dem Schluss, dass die Mängel durch teilweise erhebliche Veränderungen an der Architektur des Bahnhofs behoben werden könnten. Die Bahn hat unterdessen zwei Varianten ausgearbeitet: Sie enthalten unter anderem den Einbau von weiteren acht Treppenhäusern oder alternativ den Einbau einer noch nicht erprobten Wassersprühnebelanlage.





@ Dieter
Das mit dem Weggang von Herrenknecht würden Sie heldenhaft 1:1 auch so unterstützen wenn Ihr Job dranhängen würde, nehme ich an? Seine Ausführungen sind übrigens nicht 'menschenverachtend', er sagt nur, dass alle Probleme technisch lösbar snd und daß es eine gewisse Profilerungssucht in Sachen S21 gibt. Was davon möchten Sie abstreiten, um Ihre Auffasung zu bestätigen?
„Interessierter vom Land“ – Herrenknecht sprach in einer Talkshow vom „Museum Deutschland“, welches durch und durch untertunnelt werden müßte
„... jetzt stellen Sie sich einfach mal vor, die beiden (Herrenknecht, wer noch? Herr Grube?) sitzen beim Emir und werben für ihre Produkte und Lösungen. ... Und dann müssen die beichten, dass es bei ihnen zuhause Diskussionen um einstürzende Tunnel und permanent brennende Züge gibt ...“ Wollen Sie das alles verschweigen? Nun ja, ich habe ja schon festgestellt, daß Sie offensichtlich keine Berichte über brennende ICE-Triebköpfe und dgl. erreichen. .......... „Die Frage muss schon erlaubt sein, warum deutsche Produkte auf der ganzen Welt höchste Wertschätzung erfahren, nur eben in Deutschland nicht.“ Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Hier in Stuttgart, wo ich zu Hause bin, erlebe ich nur Unfähigkeit seitens der Bauherrin Bahn, technisches und kalkulatorisches auf die Beine zu bringen. Stümperhafter Abriß des Südflügels, dadurch provisorische Abstützung des Bahnhofdachs, stümperhaft umgebautes Gleisvorfeld, dadurch X-Entgleisungen usw. usw. Von den teils völlig neu überarbeiteten PFVs mal ganz abgesehen. Zu erwähnen auch noch die Kostenexplosion, welche die S21-Gegner, der Bundesrechnungshof, ja sogar die fleißigen Beamten von Oettinger voraussagten. .......... Ein Blick in die aktuellen Ankunftstafeln der Bahn genügt, daß man jeden Tag erneut erkennen muß, daß sie nicht mal imstande ist, ihre Züge ordentlich und pünktlich durchs Land fahren zu lassen. Einmal heißte es Störung am Zug oder Störung der Signalanlage usw. .......... Anhand diesem bald nicht mehr zu unterbietenden stümperhaften Betrieb der Bahn in Deutschland wird die Frage immer lauter: Was hat die Bahn denn großartig im fernen Ausland zu investieren, wenn sie nicht mal ordentlich den Betrieb in ihrem Heimatland bewältigen kann??? Man muß sich langsam bei allen Emiraten schämen, was sich Deutschland und die Bahn leistet! – Oben bleiben!
@ Interessierter vom Land, 11:12 Uhr
Also mit dem Herrenknecht hat die ganze Geschichte nur am Rande was zu tun, wenn überhaupt. Ihm gehen die Kröten flöten, das ist sein Problem. Da fragt auch kein Scheich danach. Und der Herr Grube soll nicht beim Scheich vorsprechen, sondern vor Berliner Senat, wo es bei der S-Bahn schon wieder hackt. Oder Getränke in überhitzten ICEs verteilen. Und bei den Diskussionen um „um einstürzende Tunnel und permanent brennende Züge“ geht es eben um diese. Und ich will keine einstürzenden Tunnel bei uns haben, nur weil es „den Saudis“ dann zu lange geht. Die „Verkaufsschlager“ liefert die Bahn am laufenden Band und schadet der Exportnation mehr als tausend Grüne. Das gilt auch für die anderen Bereiche der Wirtschaft, mit ihren unfähigen Führungen. Unsere Exportfähigkeit wird mehr darunter leiden, dass man Stuss produziert, wie dass man diesen zu verhindern versucht.