Stuttgart 21 & Co.
Die Baustellen sind überall
Thomas Faltin & Erik Raidt,
27.02.2010 12:17 Uhr
Foto: Michael Steinert
Stuttgart - So richtig kann sich das noch niemand vorstellen. Es wird ein immenses Loch, eine gigantische Wunde, die sich hinter dem Hauptbahnhof und im Schlossgarten auftun wird. Die Bagger heben abschnittsweise eine elf Meter tiefe Baugrube für den neuen Bahnhof aus, die insgesamt so lang ist wie vier Fußballfelder. Startzeitpunkt: noch in diesem Jahr.
Wie werden die Baustellen die Stadt verändern? Welche wichtigen Baustellen fehlen in unserer digitalen Karte? Diskutieren Sie mit! »
Auch sonst findet man bei Stuttgart 21 Superlative, wohin man schaut. Das Bahnprojekt ist mit derzeit geschätzten 4,1 Milliarden Euro eines der teuersten derzeit laufenden Bauvorhaben Europas. Und der geplante Fildertunnel wird mit 9,5 Kilometern zu den längsten Tunneln Deutschlands gehören. Klar ist jedenfalls: Stuttgart verändert sein Aussehen wie selten zuvor in der Geschichte. Lediglich die Zerstörung Stuttgarts in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs hatte eine größere Dimension - die Stadt musste nach 1945 aus Ruinen neu erbaut werden.
Die größten Baustellen in Stuttgart auf einer größeren Karte anzeigen
Allerdings ist Stuttgart 21 beileibe nicht das einzige "Jahrhundertbauwerk" in Stuttgart. Unsere Grafik zeigt die größten Bauprojekte, die in der Innenstadt bereits im Bau sind oder demnächst angegangen werden sollen - vom fast vollständigen Neubau des Klinikums Stuttgart für 670 Millionen Euro bis hin zum Quartier S an der Paulinenbrücke für rund 200 Millionen Euro. Insgesamt kommt man auf rund 60 Vorhaben in Stuttgart, die ein Investitionsvolumen von je mindestens zehn Millionen Euro haben - nicht alle konnten wir in unserer Karte unterbringen. Es ist ein gewaltiger Bauboom, der mitten in der Krise über Stuttgart hereinbricht.
Vor allem das Zentrum Stuttgarts wird sich deshalb in den nächsten Jahren grundlegend verändern - ein japanischer Tourist, der im Jahr 2000 Stuttgart besichtigt hat und im Jahr 2020 wiederkommt, dürfte die Stadt kaum wiedererkennen. Das Neue Schloss und Rathaus bleiben unverändert. Aber der Kleine Schlossplatz hat sich durch das Kunstmuseum verwandelt, der Königsbau hat mit den Galerien eine Glashaube erhalten.
Nun wird der Bahnhof unter die Erde gelegt, am anderen Ende der Fußgängerzone, an der oberen Marienstraße entsteht das neue Quartier S, und rund um Breuninger am Marktplatz plant das Land mehrere Neubauten für Ministerien. Da Vinci, nach dem großen Erfinder der Renaissance, hieß dieses neue Viertel zunächst. Und es ist beinahe so, als ob sich auch Stuttgart völlig neu erfindet.
Wann, wenn nicht jetzt wäre also der Moment, innezuhalten und über die "Baustelle Stadt" nachzudenken? Die Stuttgarter Zeitung will dies in einer großen Serie tun. Natürlich berichtet sie, wann immer notwendig, aktuell über die Fortschritte und über die politischen Entwicklungen bei allen Bauprojekten der Stadt. In der Serie soll es darum gehen, den Blick zu weiten und mit Distanz und Scharfsinn auf den großen Umbruch in Stuttgart zu schauen.
Wir wollen vielen Fragen nachgehen: Welche anderen großen Baustellen gibt es in Europa und weltweit, die vergleichbar sind mit Stuttgart21? Wie wichtig ist das "alte Stuttgart" für die Identität der Stuttgarter? Was sind die städtebaulichen Wahrzeichen der Stadt? Nach welchen Kriterien und Visionen planen die Architekten von heute? Und warum hat es in Wien, wo ein ähnlich großes Bahnhofsprojekt umgesetzt wird, keine nennenswerten Bürgerproteste gegeben?
Die Serie soll anregen, über den Tellerrand der Baugrube hinauszuschauen. Sie soll helfen, die Dimension der Bauarbeiten einzuordnen. Tatsächlich hat Stuttgart schon ein ähnlich gigantisches Projekt hinter sich: In den 70er und 80er Jahren war der S-Bahn-Tunnel vom Hauptbahnhof nach Vaihingen in großen Teilen in offener Bauweise erstellt worden - im Gegensatz zu Stuttgart 21. Bis 1988 war der 8,8 Kilometer S-Bahn-Tunnel nach Vaihingen der längste Tunnel Deutschlands.
Die Serie will auch die Ängste der Bürger ernstnehmen und thematisieren. Und wir wollen mit den Lesern ins Gespräch kommen. Nicht die Meinungen über Sinn und Unsinn von Stuttgart 21 sollen dabei dokumentiert werden, denn das ist in Leserbriefspalten und Internetkommentaren oft geschehen - und wird weiterhin geschehen. Vielmehr soll es darum gehen, wie dieser Umbruch städtebaulich, psychologisch und finanziell bewältigt werden kann, was Sie sich von den Planern in der Bauphase wünschen und wie sich Stuttgart Ihrer Meinung nach verändern wird.
Wie werden die Baustellen die Stadt verändern? Welche wichtigen Baustellen fehlen in unserer digitalen Karte? Diskutieren Sie mit! »
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Auch sonst findet man bei Stuttgart 21 Superlative, wohin man schaut. Das Bahnprojekt ist mit derzeit geschätzten 4,1 Milliarden Euro eines der teuersten derzeit laufenden Bauvorhaben Europas. Und der geplante Fildertunnel wird mit 9,5 Kilometern zu den längsten Tunneln Deutschlands gehören. Klar ist jedenfalls: Stuttgart verändert sein Aussehen wie selten zuvor in der Geschichte. Lediglich die Zerstörung Stuttgarts in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs hatte eine größere Dimension - die Stadt musste nach 1945 aus Ruinen neu erbaut werden.
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Allerdings ist Stuttgart 21 beileibe nicht das einzige "Jahrhundertbauwerk" in Stuttgart. Unsere Grafik zeigt die größten Bauprojekte, die in der Innenstadt bereits im Bau sind oder demnächst angegangen werden sollen - vom fast vollständigen Neubau des Klinikums Stuttgart für 670 Millionen Euro bis hin zum Quartier S an der Paulinenbrücke für rund 200 Millionen Euro. Insgesamt kommt man auf rund 60 Vorhaben in Stuttgart, die ein Investitionsvolumen von je mindestens zehn Millionen Euro haben - nicht alle konnten wir in unserer Karte unterbringen. Es ist ein gewaltiger Bauboom, der mitten in der Krise über Stuttgart hereinbricht.
Vor allem das Zentrum Stuttgarts wird sich deshalb in den nächsten Jahren grundlegend verändern - ein japanischer Tourist, der im Jahr 2000 Stuttgart besichtigt hat und im Jahr 2020 wiederkommt, dürfte die Stadt kaum wiedererkennen. Das Neue Schloss und Rathaus bleiben unverändert. Aber der Kleine Schlossplatz hat sich durch das Kunstmuseum verwandelt, der Königsbau hat mit den Galerien eine Glashaube erhalten.
Es ist fast so, als erfinde sich Stuttgart neu
Nun wird der Bahnhof unter die Erde gelegt, am anderen Ende der Fußgängerzone, an der oberen Marienstraße entsteht das neue Quartier S, und rund um Breuninger am Marktplatz plant das Land mehrere Neubauten für Ministerien. Da Vinci, nach dem großen Erfinder der Renaissance, hieß dieses neue Viertel zunächst. Und es ist beinahe so, als ob sich auch Stuttgart völlig neu erfindet.
Wann, wenn nicht jetzt wäre also der Moment, innezuhalten und über die "Baustelle Stadt" nachzudenken? Die Stuttgarter Zeitung will dies in einer großen Serie tun. Natürlich berichtet sie, wann immer notwendig, aktuell über die Fortschritte und über die politischen Entwicklungen bei allen Bauprojekten der Stadt. In der Serie soll es darum gehen, den Blick zu weiten und mit Distanz und Scharfsinn auf den großen Umbruch in Stuttgart zu schauen.
Wir wollen vielen Fragen nachgehen: Welche anderen großen Baustellen gibt es in Europa und weltweit, die vergleichbar sind mit Stuttgart21? Wie wichtig ist das "alte Stuttgart" für die Identität der Stuttgarter? Was sind die städtebaulichen Wahrzeichen der Stadt? Nach welchen Kriterien und Visionen planen die Architekten von heute? Und warum hat es in Wien, wo ein ähnlich großes Bahnhofsprojekt umgesetzt wird, keine nennenswerten Bürgerproteste gegeben?
Ein Blick über den Tellerrand der Baustelle
Die Serie soll anregen, über den Tellerrand der Baugrube hinauszuschauen. Sie soll helfen, die Dimension der Bauarbeiten einzuordnen. Tatsächlich hat Stuttgart schon ein ähnlich gigantisches Projekt hinter sich: In den 70er und 80er Jahren war der S-Bahn-Tunnel vom Hauptbahnhof nach Vaihingen in großen Teilen in offener Bauweise erstellt worden - im Gegensatz zu Stuttgart 21. Bis 1988 war der 8,8 Kilometer S-Bahn-Tunnel nach Vaihingen der längste Tunnel Deutschlands.
Die Serie will auch die Ängste der Bürger ernstnehmen und thematisieren. Und wir wollen mit den Lesern ins Gespräch kommen. Nicht die Meinungen über Sinn und Unsinn von Stuttgart 21 sollen dabei dokumentiert werden, denn das ist in Leserbriefspalten und Internetkommentaren oft geschehen - und wird weiterhin geschehen. Vielmehr soll es darum gehen, wie dieser Umbruch städtebaulich, psychologisch und finanziell bewältigt werden kann, was Sie sich von den Planern in der Bauphase wünschen und wie sich Stuttgart Ihrer Meinung nach verändern wird.
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@Gunther / Hotel Silber
Hall0 Gunther, wenn ich Ihren Beitrag lese, schwillt mir richtig der Kamm - Entschuldigung, Sie haben es sicher nicht so gemeint, aber den geplanten Abriss des "Hotel Silber" NUR unter bauhistorischer Fragestellung zu betrachten - DAS GEHT NICHT. Ich will mich jetzt auch nicht lange darüber auslassen, welchen bauhistorischen Wert dieses Gebäude nach der erfolgten Purifizierung nach dem Krieg noch hat (nebenbei: ich würde in Stuttgart mit Abrissen historischer Bebauung bis in die 50er Jahre sehr zurückhaltend sein - Stuttgart hat da fast nichts mehr aufzuweisen!), zeitgeschichtlich gesehen müsste das Gebäude absolut tabu sein. Jeder Gutwillige kann sich darüber informieren : eh. GESTAPO- Zentrale, Kerker für unzählige NS-Gegner und rassisch oder sonstwie Missliebige. Dass unser OB oder die CDU-/ SPD- Stadträte dem Abriss eines Gebäudes zustimmen könnten, in dem Eugen Bolz und Kurt Schumacher eingekerkert waren, ist für mich eigentlich unvorstellbar. Schusters taktische Auffassung, das Gebäude existiere nicht mehr, entspringt entweder der Unwissenheit oder ist eine taktische Lüge. Über die freche Begehrlichkeit der eh. Arisiererfirma Breuninger will ich hier kein Wort verlieren - das ist nur noch unglaublich.
Salamander
Das Gebäude mit dem Salamander gegenüber dem Wilhelmsbau war mal ein echter Gutbrod. Sie können auch gerne mal einem japanischen Touristen das Innere der gotischen Stiftskirche zeigen, die Renaissanceräume des Alten Schlosses, das barocke Neue Schloß mit der barocken Anlage des Unteren Schloßplatzes und dem harmonisch verbunden Oberen Schloßplatz (Namen laut Ansage im verbindenden Lift)
Bombergeschwader?
Also Leute, jetzt immer mal auf dem Teppich bleiben, wie zum Beispiel Dottore und Werner. Die aktuellen Bauprojekte als größte Stadtzerstörung zu bezeichnen ist schon etwas übertrieben. Vielleicht bin ich der einzige, aber für mich sind 75 Prozent der innerstädischen Architektur keine Glanzperlen, die zu erhalten sind. Gerade die 50er bis 80er Jahre sind doch wirklich zum Davonlaufen. Stuttgart ist für mich daher schon seeehr lange verhunzt. Seit wann sind denn viele der alten Brocken keine Betonwürfel? Und die Neubauten müssen nicht unbedingt Betonwürfel sein. Im Gegenteil sind manche wirklich gelungen, wenn auch bei weitem nicht alle. Es gibt genügend Foren, in denen man sich diesbezüglich mal schlaumachen kann, mit Entwürfen, Plänen und so weiter. Um das Hotel Silber ist es natürlich etwas Schade und auch (begrenzt) um das EnBW-Gebäude neben dem Metropol, aber bei den restlichen Gebäuden fällt mir keines ein, dem ich eine Träne nachweinen würde. Im Gegenteil fielen mir noch sehr viele ein, die man zusätzlich Abreissen könnte. Eines davon wäre an der Querspange das Gebäude mit dem Salamander drin *schauder*. In diesem Sinne...